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Norddeutschland Staatsanwaltschaft schafft Dezernat für Tierschutz
Nachrichten Norddeutschland Staatsanwaltschaft schafft Dezernat für Tierschutz
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20:48 19.10.2016
Sonderdezernentin für Tier- und Naturschutzverfahren der Lübecker Anklagebehörde: Staatsanwältin Anne Bobeth (33). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Die Lübecker Staatsanwaltschaft richtet zum 1. November ein neues Sonderdezernat für Verfahren zu Tier- und Naturschutz ein. Das teilte Behördenleiter Ralf Peter Anders gestern mit. Die Anklagebehörde reagiere damit vor allem auf eine zunehmende Professionalisierung der Tierschutzverbände. Künftig wird mit Staatsanwältin Anne Bobeth (33) eine Dezernentin eigens für Verfahren in diesem Bereich abgestellt.

„Heute wird schneller Anzeige erstattet.“Ralf Peter Anders,

Lübecks Leitender

Oberstaatsanwalt

Die Entscheidung, eine Staatsanwältin abzustellen, sei ihm nicht leichtgefallen, sagte Anders. Die Kollegin fehle woanders. „Aber Tier- und Naturschutz bedürfen in unserem Haus einer Spezialisierung“, begründete der Leitende Oberstaatsanwalt den Schritt. Auseinandersetzungen in Sachen Tierschutz würden heutzutage weitaus professioneller geführt als noch vor zehn Jahren. „Der Standard der Strafanzeigen ist hoch.“ Auch die Sensibilität der Bürger sei enorm gewachsen. „Heute wird schneller Anzeige erstattet.“ Tierschutz sei ein Bereich, der die gesamte Gesellschaft erfasst habe – mit entsprechender medialer Begleitung. „Da wollen wir gewappnet sein.“

Bobeth soll in der Lübecker Anklagebehörde über entsprechende Fortbildungen zu einer ausgewiesenen Expertin im Tier- und Naturschutz werden. Sie hält als Ansprechpartner auch den direkten Kontakt zu den Amtstierärzten, die mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor Ort begutachten.

Die Tierschutzorganisation Peta begrüßt die Entscheidung. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die konsequente Verfolgung von Straftaten auf dem Gebiet des Tierschutzrechts oftmals schon daran scheitert, dass das Rechtsgebiet für die ermittelnden Behördenmitarbeiter weitestgehend unbekannt ist“, sagte Sprecher Denis Schimmelpfennig. Erst in jüngster Vergangenheit hatten Anzeigen von Tierschutzverbänden in Schleswig-Holstein für Aufsehen gesorgt. So beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Lübeck mit einer Anzeige der Organisation Peta gegen den Sportfischerverein Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg). Es geht dabei um die Frage, ob ein Wettangeln um die größten Hechte zu einem „sportlichen Zweck“ nicht den Straftatbestand der Tierquälerei erfüllt. Die Ermittlungen dazu dauern an.

In Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) zeigte der Verein „Vier Hufe“ eine Frau an, die ein Pferd, Kaninchen, Meerschweinchen, Enten und Ziegen nach Ansicht des Vereins unter erbärmlichen Bedingungen unterbrachte. Auch in diesem Fall sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen.

Anders sagt: „Ich vermute, dass wir in den nächsten Jahren immer mehr Fälle aus diesem Bereich haben werden. Mit Fischen etwa hatten wir vor zehn Jahren noch nichts zu tun.“ Gegen das Tierschutzgesetz verstößt, wer ein Wirbeltier „ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“. Der Strafrahmen reicht von einer Geld- bis zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von drei Jahren.

Curd Tönnemann

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