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Norddeutschland Starköchin warnt vor Bienensterben
Nachrichten Norddeutschland Starköchin warnt vor Bienensterben
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20:02 26.07.2017
Für Honig- und Wildbienen gibt es immer weniger Raum. Quelle: Foto: Fotolia
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Berlin/Kiel

Seit Beginn der 90er Jahre sind die Honigbienen-Völker in Deutschland von 1,1 Millionen auf 700 000 zurückgegangen. Von den 561 Wildbienenarten ist bereits über die Hälfte stark bedroht. Im Norden ist die Zahl der Honigbienen-Völker dagegen 2017 auf 24 000 angestiegen, erklärt die Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e.V., Anke Last, den LN. 3000 zumeist Hobby-Imker und -Imkerinnen gibt es im Norden. Tendenz steigend. Allerdings ist die Lage der Wildbienen dramatisch. Von 296 im Norden vorkommenden wilden Arten stehen 163, das sind 55,1 Prozent, auf der Roten Liste bedrohter Arten. Von einem „bedrohlichen Rückgang“ bei Wildbienen spricht Agrarminister Robert Habeck (Grüne).

Wiener macht, wie Habeck, vor allem die intensive Landwirtschaft für den Rückgang verantwortlich. Überdüngung, der großflächige Einsatz von Pestiziden sowie der Anbau von Monokulturen reduzierten das Angebot an Blühpflanzen. „Die intensive Landwirtschaft lässt immer weniger Raum für Wildbienen und andere Bestäuber. Unsere Landwirtschaft schafft die Vielfalt ab“, beklagt die Meisterköchin. Dabei leisteten die Tiere einen unersetzlichen Beitrag für unsere Ernährung. Rund 80 Prozent der Nutzpflanzen müssten von Biene Maja und Co. bestäubt werden. Allein zehn Obst- und Gemüsesorten würde es nicht mehr geben, wenn die Bienen verschwänden. Bei weiteren 40 drohten ohne Bienen große Ernteausfälle. Bienen sorgten für Lebensmittel in der Größenordnung von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Um dem „Bienensterben“ entgegenzuwirken, verlangt DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner ein Umdenken in der Landwirtschaft, ein strengeres Düngerrecht.

Auf Kooperation statt Konfrontation zwischen Landwirten und Imkern setzt indes die Vorsitzende des Imker-Landesverbandes, Anke Last. „Wir müssen miteinander reden, was schadet, was nutzt“, erklärt die erfahrene Imkerin, die seit ihrem 14. Lebensjahr mit Bienen zu tun hat. Sie plädiert für mehr blütenreiche Grünlandlebensräume als Bienenweiden, wie sie auch vom Land im Rahmen des Vertragsnaturschutzes gefördert werden. Von den Bauern erwartet sie ebenfalls einen verantwortungsvollen Umgang mit Herbiziden, etwa mit dem umstrittenen Glyphosat. Eine große Hilfe für Bienen und Imker wäre es, wenn die Kommunen auf ihren Flächen mehr Blühpflanzen wachsen ließen, statt ständig zu mähen. Die Natur dürfe nicht aufgeräumt sein wie ein Kleiderschrank. Sie müsse bunt, blühend statt eintönig grün sein.

 R. Zweigler

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