Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Staubilanz: Der Norden ist ein Nadelöhr
Nachrichten Norddeutschland Staubilanz: Der Norden ist ein Nadelöhr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:53 17.01.2017
Hamburg/München

Bittere Bilanz des ADAC: Die Metropolregion Hamburg war 2016 eine der Top- Stau-Regionen Deutschlands. Und wegen der vielen Baustellen auf den Autobahnen wird das auch noch eine Weile so bleiben.

 

Stau auf der A 1 bei Bad Oldesloe: Auch 2017 droht Stillstand. Quelle: Foto: Ukn

343 Kilometer Stau hat der Automobilclub im vergangenen Jahr pro Autobahn-Kilometer auf Hamburger Gebiet registriert. Übertroffen wird dieser Wert nur von der Stadt Berlin und einigen Autobahnabschnitten rund um Köln und in Hessen und Baden-Württemberg. So wurden zum Beispiel auf der A 3 OberhausenKöln 445 Kilometer Stau pro Autobahnkilometer gemessen, auf der A 3 FrankfurtWürzburg 427 und rund um Karlsruhe auf der A 8 von Stuttgart kommende 401 und von Heidelberg kommend 347 Kilometer. In Berlin waren es 991 Kilometer.

Rund um Hamburg bereitete vor allem die A 7 Richtung Flensburg Probleme. Dort wird allerdings seit zwei Jahren auch kräftig gebaut. Vom Elbtunnel bis zum Dreieck Bordesholm wird die Autobahn auf vier beziehungsweise drei Spuren verbreitert und in Hamburg streckenweise mit einem Deckel versehen. 166 Staukilometer pro Kilometer Autobahn kamen so zusammen, die Strecke liegt damit bundesweit auf Platz 15 der Top-Stau- Abschnitte auf Fernautobahnen, so der ADAC. Insgesamt summierten sich die Zahlen hier übers Jahr auf 18129 Kilometer Stau. Der längste davon: Am 18. Juli herrschte zwischen Waltershof und Quickborn nach einem Lkw-Unfall auf 21 Kilometern Stillstand.

4996 Kilometer Stau entfielen laut ADAC-Messung auf die A 1 von Hamburg nach Lübeck. Hauptursache: Die Baustellen wegen der Fahrbahnsanierung. Allerdings werde die A 1 derzeit auch von vielen Autofahrern als Ausweichstrecke zur A 7 genutzt, sagt Hans Duschl, Sprecher des ADAC-Regionalclubs Hansa. Zudem nutzten immer mehr Urlauber das eigene Auto als Reisemittel und nicht mehr das Flugzeug. Dazu komme, dass die Metropolregion wachse und mehr Menschen von und nach Hamburg pendeln würden.

Insgesamt habe der ADAC 2016 rund um Hamburg knapp 28000 Kilometer Stau auf den Autobahnen registriert – „eine Strecke von Hamburg bis Australien und zurück“. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Gesamtlänge der Staus um rund 15 Prozent angestiegen, sagt Duschl. Die Stauzeit habe sich dabei um 1290 auf 10672 Stunden erhöht, ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zu 2015. „Das bedeutet:

Fast einen Monat standen Fahrzeuge auf den Autobahnen still“, sagt Hans Duschl. Es sei daher die richtige Entscheidung der Politik, die Autobahnen auszubauen. „Wir brauchen dort eine höhere Kapazität.“ Zugleich müssten Bund und Länder aber auch stärker als bisher dafür sorgen, dass die Straßen in gutem Zustand erhalten werden.

Auch für 2017 geht der ADAC wegen der vielen Baustellen von einer hohen Staugefahr auf den Autobahnen in Hamburg und Schleswig-Holstein aus, vor allem am Oster- und vor dem langen Himmelfahrtswochenende sowie an den Ferienwochenenden im Juli und August. Daran werde auch die von beiden Ländern geschaffene Koordinierungsstelle für Baumaßnahmen nichts ändern können. Die Autofahrer müssten sich „auch weiterhin auf staureiche Jahre einstellen“, sagt Duschl. Die Baumaßnahmen seien zwar „eine unverzichtbare Investition in die Zukunft und führen langfristig zu mehr Kapazität“, sorgten aber zunächst einmal weiter für Behinderungen.

„Es ist klar, dass wir den Autofahrern mit den Baustellen erst einmal eine große Last aufbürden“, sagt auch Schleswig-Holsteins SPD- Verkehrsminister Reinhard Meyer. Wenn man aber schon in wenigen Jahren eine gute, intakte Verkehrsinfrastruktur haben wolle, müsse man diese Kröte schlucken.

 Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!