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18:54 26.01.2019
Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG in Lübeck, mit dem neuen Tesla Model 3 Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Freitagvormittag an der Moislinger Allee. Minus zwei Grad Celsius. Dräger-Mitarbeiter gehen mit den Händen in den Taschen über das Werksgelände zum Mittagessen in die Kantine. Einige haben ihre Mützen tief ins Gesicht gezogen. Den wenigsten fällt das neue rote Auto auf, das vor der Zentrale geparkt ist. So unspektakulär kann eine Europa-Premiere sein! Zum ersten Mal kann das Model 3 von Tesla hierzulande probegefahren werden. Vorstandschef Stefan Dräger gehörte zu den ersten Testern.

Das US-Unternehmen schickt in diesen Tagen Mitarbeiter zu seinen treusten Kunden, um sie von den Vorzügen des neuen Modells zu überzeugen. Bei Dräger haben sie leichtes Spiel. Der 55-Jährige spricht in den höchsten Tönen von dem US-Unternehmen; Elektromobilität ist eines seiner persönlichen Lieblingsthemen. Zwölf E-Autos gehören aktuell zur Unternehmensflotte, fünf weitere sind bestellt. Angesichts von 1400 Dienstwagen des Unternehmens alleine in Deutschland ein überschaubarer Prozentsatz. Doch es sollen künftig mehr werden.

Mitarbeiter können sich Drägers Tesla ausleihen

„Das Fahren ist einfach jedes Mal ein Erlebnis. Das sollte jeder einmal machen dürfen“, sagt Stefan Dräger. Deswegen hat er sich auch für ein wohl einmaliges Projekt entschieden: Seine Mitarbeiter können sich seinen Tesla ausleihen. Von Freitagmittag bis Montagmorgen. 800 Mitarbeiter stehen auf einer Warteliste, über 150 hatten bisher Glück im Losverfahren. „Einige fahren 1000 Kilometer, einige nur 50“, berichtet Dräger.

Er selbst gehört zu den Pionieren der Elektromobilität. Als gelernter Elektroingenieur baute er sich in den 90er Jahren selbst ein E-Auto. „Der Käfer meiner damaligen Freundin und heutigen Frau gab seinen Geist auf. Ich wollte für innovativen Ersatz sorgen“, erzählt Dräger. 1989 gab es die Zulassung, das kleine weiße Automobil fährt noch heute.

Ärger über Auto-Lobby und Politik

Dass die Elektromobilität in Deutschland, rund 30 Jahre nachdem er sich mit relativ bescheidenen Mitteln selbst ein E-Auto zusammengebastelt hat, noch immer auf einem so niedrigen Niveau ist, ärgert ihn. Eine Mitschuld trägt seiner Meinung nach die einflussreiche Lobby der Öl- und Autoindustrie, weil sie fürchtet, dass ihr „eingefahrenes System“ auseinanderbricht. „Ein E-Auto kann man mit Handwerkszeug in einer Wellblechhütte bauen. Davor haben viele Angst.“

Und die Politik spiele das Spiel mit. Beispiel Ladesäulenverordnung, die vor rund drei Jahren vom Bundeswirtschaftsministerium erlassen wurde. „Die Verordnung legt technische Mindestanforderungen an öffentlich zugängliche Ladesäulen fest. Das klingt zunächst einmal ganz gut“, sagt Dräger. Doch praktisch bewirkt sie seiner Meinung nach genau das Gegenteil. „Die Anforderungen sind viel zu hoch und unnötig. Sie machen Ladesäulen aber teuer – und damit unattraktiver“, ist er überzeugt. Dazu käme die Vorgabe nach sogenannten CCS-Steckern. „Ein System, das auf der ganzen Welt ungebräuchlich ist.“

Steckdose aus dem Baumarkt statt teurer Installation

Beispiel Wallbox: Stets sei laut Dräger zu lesen, wer ein Elektroauto zu Hause laden möchte, benötigt eine sogenannte Wallbox. Kosten: 2500 Euro. „Dann wird einem noch erzählt, dass ein Elektromeister eine Analyse von der Hausinstallation machen muss, ein Antrag beim Elektrizitätsversorger gestellt werden muss, auf eine Genehmigung gehofft werden muss – und dass man noch einen besonderen Strom-Tarif braucht.“ Zusätzliche Kosten und Aufwand, die E-Autofahren überhaupt nicht attraktiv für den Kunden machen. „Die Aussagen sind aber einfach falsch“, schimpft Dräger auf die Empfehlung der meisten Autohersteller. „Eine einfache CEE-Drehstrom-Steckdose für sechs Euro sowie ein Adapter aus dem Handel reichen aus. Wenn Sie ein Teppanyaki-Grillfeld oder einen Saunaofen einbauen, stellen Sie ja auch keinen Antrag beim Elektrizitätsversorger“, sagt Dräger. „Die Ladeleistung beträgt dann mit der CEE-Steckdose 11 kW und das reicht über Nacht auch für große Batterien aus“, erklärt der gelernte Elektroingenieur.

Zur Arbeit fährt Stefan Dräger übrigens immer mit dem Fahrrad.

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Jan Wulf

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