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Norddeutschland Sterne-Bewertungen für Gefängnisse
Nachrichten Norddeutschland Sterne-Bewertungen für Gefängnisse
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21:12 14.07.2016
Die JVA Lübeck schneidet auf der Internetseite knast.net mittelmäßig ab. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Bewertungsportale sind in. Hotels, Arztpraxen, Rechtsanwälte und Lehrer – sie alle können inzwischen im Internet beurteilt werden. Da sollten wohl auch die Gefängnisse nicht zurückstecken. Bei knast.net können Insassen, Angehörige und auch Bedienstete Kommentare zu Justizvollzugsanstalten abgeben. Mit 2,3 von fünf Sternen landet die JVA Lübeck im Mittelfeld. Die Wertungen sind subjektiv, geben aber interessante, teils auch humorige Einblicke in den Gefängnisalltag.

War so gut da, dass ich abgehauen bin . . .“„vossy“

Warst du einmal in Itzehoe, wird man im Leben nicht mehr froh!“ „Herr“

Der beschissenste Knast ist immer der, in dem du sitzt!“ „Krampus“

„War so gut da, dass ich abgehauen bin . . .“, schreibt etwa „vossy“ über die JVA Kiel. Das Essen scheint nicht besonders gut zu sein: „Essen ist okay, Fisch gedünstet, aber oft nicht wirklich prickelnd. Kartoffeln oft zwei Minuten zu kurz gekocht und Nudeln zwei Minuten zu lang.“ Auch in Lübeck-Lauerhof bekommen die Köche ihr Fett weg: „Das Essen war fast immer mies“, ist zu lesen. „Also über das Essen lässt sich streiten, über die Zellen auch! Grins! Ist ja auch kein Hilton“, stellt der Gefangene Thomas fest.

Für den Frauenvollzug in Lübeck vergibt eine gewisse „Romy“ jedoch vier Sterne, weil er „BRD-weit einer der komfortabelsten ist“. „Moin, Moin . . . JVA Lübeck ist und war eigentlich nicht besser oder schlechter als der Durchschnitt der Knäste in Norddeutschland. Bis 2005 noch relativ locker, haben die letzten Jahre der allgemeinen Vollzugsverschärfung nun auch in Lübeck ihren Tribut gefordert – die Liberalität der 90er ist dahin“, schreibt ein ehemaliger Gefangener, der sich „redakteur“ nennt.

Knast.net geht auf die Idee eines ehrenamtlichen Mitarbeiters der JVA Würzburg zurück. Der Berliner versucht schon seit einigen Jahren, den Knast im Internet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auf der Internetseite treffen sich Gefangene und ihre Angehörigen, ehemalige Gefangene, hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter im Strafvollzug.

Auch Tobias Berger, Leiter der JVA Lübeck, surft ab und zu mal über die Internetseite. „Das ist eine Zeiterscheinung, mit der man lebt, eine Informationsquelle, die man nutzen kann, aber nicht überbewerten sollte“, sagt er. Da die meisten Nutzer unter Pseudonym schrieben, sei es schwer, darauf zu reagieren, sagt er. „Die Gefangenen-Mitverantwortung ist für mich wichtiger als knast.net.“

Dabei handelt es sich um eine Gefangenen-Vertretung, die Sprachrohr für die Interessen der Insassen ist. So ist es im Strafvollzugsgesetz festgelegt.

Manche Insassen ziehen am Ende ihrer Haft auch eine positive Bilanz, so wie Thomas, der offenbar mehrere Jahre in Lübeck eingesessen hat. Sein Fazit: „Niemals bin ich von Beamten gelinkt geworden, sofern ich mich an die Spielregeln gehalten habe, und ich war weiß Gott kein einfacher Knacki!!!“ Auch der ehemalige Häftling „Wachtel“ kommt zu dem Schluss: „Jeder hat über irgendetwas zu meckern:

Essen schlecht, gute Beamte, schlechte Beamte, Drecksladen . . . Nun, da ich selber Schuld hatte, in den Knast gewandert zu sein, beschwere ich mich hier nicht.“

Kurz fällt das Fazit von „Powerades“ aus, der in Itzehoe inhaftiert war: „Habe schon schlechter gegessen.“ Der Ex-Gefangene Tom fasst es so zusammen: „Letztendlich ist es ein Knast und kein Hotel.“

Und „vinc“ ergänzt: „In diesem Sinn bleib’ sauber, dann musst Du da auch nicht hin.“

Julia Paulat

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