Bad Segeberg. Als Häuptling der Apachen hat Winnetou einen schweren Stand: Nicht nur der Kampf gegen die Eisenbahntrasse und der Streit mit den verfeindeten Kiowas — bei den diesjährigen Karl-May-Spielen in Bad Segeberg muss er auch gegen Old Shatterhand anspielen. Denn dem 36-jährigen Wayne Carpendale fliegen die Herzen der Zuschauer zu.

Der gut aussehende Sohn von Schlagersänger Howard Carpendale spielt Karl May, der als Landvermesser in den Wilden Westen kommt. Im Laufe des Stückes „Winnetou I — Blutsbrüder“, das in diesem Sommer auf der Freilichtbühne gezeigt wird, wird er zum berühmten Old Shatterhand, weil er mit seiner legendären „Schmetterhand“ selbst die übelsten Schurken besiegt. „Schmetterhand ist nicht nur stark — sondern auch clever“, befindet der kauzige Sam Hawkins. Das kommt an, besonders bei den Frauen.

Leise anerkennende Pfiffe ertönen, als Old Shatterhand mit halb zerrissenem Hemd vor Winnetou tritt. Carpendale präsentiert sich topfit, mit Waschbrettbauch und kräftigen Muskeln, die er beim Kampf ordentlich spielen lässt. Auch im Umgang mit dem Pferd zeigt er sich sehr geschickt, hebt sich mühelos in den Sattel. Das Publikum jubelt. Drei Wochen lang hat er bei einem Stuntman in Los Angeles trainiert, um sich optimal vorzubereiten, heißt es. Das merkt man. Ahs und Ohs gibt es auch, als Old Shatterhand Winnetous Schwester Nscho-tschi (Sophie Wepper) einen langen Kuss gibt.

„Wayne Carpendale gefällt mir gut“, erklärt Diana König (28) aus Wien. „Er macht das ganz authentisch“, findet Anja Dithmer-Hesse (43) aus Dägeling bei Itzehoe. Außerdem würden ihn viele kennen.

Carpendale spielte seit 2009 in der TV-Serie „Der Landarzt“ und war bereits 2003 bei den Karl-May- Spielen als Old Surehand in die Arena am Kalkberg geritten.

Winnetou, sonst stets unangefochtener Publikumsliebling, hat es dagegen schwer. Für Jan Sosniok („Danni Lowinski“) ist es der erste Ausflug in den Wilden Westen. Bei der Premiere war er nach einer wilden Schlägerei mit den Weißen nur mit Mühe auf sein Pferd gekommen. Zudem kommt neben Old Shatterhand auch Gojko Mitic als alterndem Häuptling Intschu-tschuna eine wichtige Rolle zu. Mitic, langjähriger Winnetou des Kalkbergs, spielt seine Rolle mit großer Würde und Wärme.

Michael Stamp, Autor der Bühnenfassung, hat den noch jungen Winnetou nicht total in den Mittelpunkt gestellt. „Das ist eine besondere Konstellation in Winnetou I. Old Shatterhand kommt in den Wilden Westen und schließt Freundschaft mit Winnetou. Seine Figur ist so stark wie in keinem anderen Buch“, erklärt Stamp. „Insofern passt Carpendale ganz wunderbar auf diese Rolle.“ Geschrieben hat er das Drehbuch aber, bevor die Besetzung feststand. „Es ist nicht maßgeschneidert auf die Kollegen.“

Stamp lobt das Zusammenspiel von Winnetou und Old Shatterhand: „Man merkt, sie mögen sich.“ Ähnlich sieht es Ute Thienel, Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH: „Gerade das Zusammenspiel der beiden hat eine ganz besondere Chemie, die sehr gut beim Publikum ankommt. Sie sind nicht nur auf der Bühne Freunde, sondern schätzen sich auch im wahren Leben. Das spüren die Zuschauer deutlich.“ Für die Karl-May-Spiele läuft es jedenfalls gut. In diesem Jahr wurde die 200 000-Marke bereits in der 48. Vorstellung erreicht. 2012 war es die 53. Vorstellung.

Werden die Zuschauer denn Carpendale und Sosniok im kommenden Jahr wiedersehen? Dazu gibt es von der Kalkberg GmbH noch keine Auskunft. „Die Entscheidungen fallen erst nach der Spielzeit“, kündigt Thienel an.

Spielzeit bis 1. September
Die Inszenierung „Winnetou I — Blutsbrüder“ wird noch bis einschließlich 1. September gezeigt. Gespielt wird an jedem Donnerstag, Freitag und Sonnabend um 15 und um 20 Uhr, am Sonntag nur um 15 Uhr. In weiteren Rollen sind Joshy Peters, Dirc Simpson, Mathias Engel, Jörg Bundschuh und Frank Schröder auf der Naturbühne am Kalkberg zu sehen.

Die Karten für die rund zweistündige Aufführung können telefonisch unter der Nummer 01805/95 21 11 oder per Mail (bestellung@karl-may-spiele.de) bestellt werden. Sie kosten zwischen zwölf (Kinder bis 15 Jahre, Preisgruppe II) und 26,50 Euro (Bühnenplatz, Erwachsene). Weitere Informationen gibt es unter www.karl-may-spiele.de

Julia Paulat