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Norddeutschland Nach Schlaganfall: Stockelsdorfer ist wieder fit
Nachrichten Norddeutschland Nach Schlaganfall: Stockelsdorfer ist wieder fit
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07:56 16.09.2018
Dieter Süchting genießt die Touren rund um Lübeck. 30 Kilometer müssen es täglich sein. Quelle: 54°/FELIX KÖNIG
Stockelsdorf/Lübeck

Den 4. Juni wird Dieter Süchting nicht vergessen. Am frühen Morgen erlitt er einen Schlaganfall. Doch nach ein paar Tagen im Krankenhaus konnte der 76-Jährige wieder nach Hause – ohne Symptome. Heute fährt er täglich wieder mindestens 30 Kilometer mit dem Rad.

„Das ist ein sehr erfolgreicher Fall“, erklärt Dr. Jürgen Eggers, Chefarzt in der Klinik für Neurologie der Sana Kliniken in Lübeck. Früher hätte ein solch großer Verschluss einer Hirnarterie bleibende Lähmungen und Sprachschäden verursacht.

Neue Behandlungsmethoden, aber auch eine perfekt abgestimmte Rettungskette haben Dieter Süchting geholfen.

Und seine Frau. Denn sie war es, die ihren Mann an jenem Juni-Morgen in der Küche fallen hörte. „Seine Sprache war lallig, sein linker Arm lahm, der linke Mundwinkel heruntergezogen“, berichtet Annelie Süchting (76). Sie kannte die Warnsignale für einen Schlaganfall. Gegen den Willen ihres Mannes rief sie den Krankenwagen. Sieben Minuten später war er da. Der Rettungsdienst wiederum meldete den Patienten schon bei der Fahrt in der Klinik an.

Viele Patienten halten sich für gesund

„Die sind darauf trainiert“, so Eggers. Denn: „Je schneller es geht, desto besser ist es.“ Wie bei Dieter Süchting seien die Patienten selbst oft uneinsichtig. Denn bei manchen Schlaganfällen kann es vorkommen, dass sie glauben, es sei alles in Ordnung. Bei einem Schlaganfall rechts vergisst das Gehirn nach Auskunft von Eggers nämlich, dass es eine linke Seite gibt.

Ein Schlaganfall (auch Hirnschlag genannt) ist eine plötzlich auftretende Unterversorgung einer Gehirnregion mit Sauerstoff und Nährstoffen. Es kommt nach kürzester Zeit zu einem Absterben der überlebenswichtigen Hirnzellen. Ein solcher Hirninfarkt durch verstopfte Gefäße könne zum einen durch Medikamente aufgelöst werden (Thrombolyse), erklärt Dr. Eggers.

Patienten werden in der „Stroke Unit“ behandelt

Seit einigen Jahren kommt in Lübeck aber auch ein Hirn-Katheter (Thrombektomie) zum Einsatz, mit dem das Gerinnsel entfernt werden kann. „Wenn das schnell passiert, kann man das Hirn oft retten.“ So wie bei Dieter Süchting.

Jedoch können nur rund zehn Prozent aller Schlaganfall-Patienten mit Thrombektomie behandelt werden. Denn dafür kommen nach Auskunft von Eggers nur große Gerinnsel in Frage. „Die Gefäße müssen mehrere Millimeter dick sein.“ Weitere 30 Prozent können eine Thrombolyse bekommen.

 Ca. 10-15 % erleiden keinen Hirninfarkt, sondern eine Hirnblutung, bei der man aber nur einen kleineren Anteil operieren mussAlle Patienten werden auf einer spezialisierten Behandlungseinheit, der „Stroke Unit“ behandelt, bei der durch spezialisierte Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten eine möglichst gute Wiederherstellung der ausgefallene Funktionen erreicht werden soll.

Fast 2000 Patienten jährlich in Lübeck

In der Sana Klinik in Lübeck werden jährlich etwa 750 Schlaganfälle behandelt. Im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sind es allein am Campus Lübeck weitere 1200 bis 1300 Patienten. „Die Zahl der Schlaganfälle steigt“, erklärt Peter Schramm, Direktor der Neuroradiologie. Jährlich würden am UKSH in Lübeck bisher etwa 180 Thrombektomien gemacht. „Das ist ein Standardverfahren.“ Dabei schreite die Entwicklung weiter voran: Die Katheter würden immer flexibler und kleiner, so Schramm.

Dreiviertel der Schlaganfall-Patienten sind älter als 65 Jahre. Es könne aber auch junge und sportliche Menschen treffen, sogar Kinder. Der sogenannte „juvenile Schlaganfall“ betrifft immer mehr Menschen, dies hänge auch mit der zunehmend ungesunden Ernährung und dem Bewegungsmangel, aber auch mit Gerinnungsstörungen und anderen nicht beeinflussbaren Ursachen zusammen. „Niemand ist davor gefeit“, sagt Eggers.

Dieter Süchting spricht von einem „zweiten Geburtstag“

Das hat auch Dieter Süchting erfahren müssen. Schließlich war der pensionierte Postbeamte immer schon sportlich und viel mit dem Rad unterwegs. Auch sei er regelmäßig beim Arzt gewesen. Der 4. Juni sei sein „zweiter Geburtstag“. „Es hätte ja auch alles ganz anders kommen können“, sagt er leise.

Nach Ansicht des behandelnden Arztes ist alles perfekt gelaufen, von der Rettungskette bis hin zur Behandlung, die so gut angeschlagen sei. Eggers: „Das ist eine unglaubliche Motivation, weil es Fälle gibt, in denen man wirklich heilen kann.“

Rasch handeln

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte schnell gehandelt werden. „Time is brain“ (Zeit ist Hirn) heißt es unter Medizinern. Dabei können die Symptome ganz unterschiedlich sein: halbseitige Lähmung, aber auch ein einseitiges Taubheitsgefühl in Arm, Bein oder im Gesichtsbereich, Sprachstörungen, Schwindel, Sehstörungen. Die Betroffenen müssen schnellstmöglich professionell versorgt und in ein Krankenhaus gebracht werden, am besten mit einer speziellen Schlaganfallstation, einer sogenannten „Stroke Unit“. Daher sofort den Notruf 112 anrufen.

In Deutschland sind jährlich etwa 200 000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen. Meist mit schlimmen Folgen. Betroffene können von einem auf den anderen Tag zum Pflegefall werden.

Julia Paulat

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