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Störche brüten weniger Nachwuchs aus

Gießelrade Störche brüten weniger Nachwuchs aus

Viele Tiere sind sehr spät aus ihren Winterquartieren zurückgekommen. Sie hatten deshalb weniger Zeit, einen Partner zu finden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Gießelrade. /Mölln. Sie stehen allein in ihrem Horst und warten ungeduldig auf einen Partner. Ungewöhnlich viele Weißstörche in Schleswig-Holstein sind Experten zufolge in diesem Jahr noch Single – und werden deshalb wohl keinen Nachwuchs bekommen. In Ostholstein leben gleich vier Tiere allein: in Gießelrade, Neukirchen/Malente, Quaal und Fissau. „Das ist schon viel“, sagt Leo Pietsch, Storchenbetreuer des Kreises. „In den Vorjahren hatten wir immer nur Paare bei uns.“ 2015 zum Beispiel waren es zwölf. Dieses Frühjahr haben sich nur neun Pärchen gefunden.

 

LN-Bild

Im Wildpark Eekholt sind die ersten Storchenbabys bereits geschlüpft, nach exakt 32 Tagen Brutzeit. Doch in vielen anderen Nestern des Landes wird es dieses Jahr keinen Nachwuchs geben.

Quelle: Fotos: Carsten Rehder/dpa

„Vielleicht hat es einen Kälte-Einbruch auf ihrer Flugroute gegeben, und sie wurden davon aufgehalten.“ Heinz-Achim Borck, Storchenbetreuer

im Kreis Herzogtum Lauenburg

„Entsprechend weniger Junge wird es geben“, sagt Pietsch.

Ähnlich sieht es in anderen Teilen Schleswig-Holsteins aus. Landesweit sollen etwa zehn Prozent weniger Horste als im Vorjahr mit Paaren besetzt sein. Im Kreis Herzogtum Lauenburg ist der Rückgang besonders groß. Nur 41 Nester sind dort von jeweils zwei Tieren belegt. „Im vergangenen Jahr waren es noch 50 bis 55“, sagt Heinz-Achim Borck. Er ist Nabu- Vorsitzender in Mölln und einer von sieben Storchenbetreuern im Kreis. „Die Brutsaison wird wohl nicht so gut werden.“ Denn um ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen, müssen die Störche rechtzeitig mit der Brut beginnen. Und das bedeutet:

spätestens jetzt. „Sonst schaffen es die Jungtiere nicht mehr, bis Mitte August flügge zu werden, wenn es wieder zurück Richtung Süden geht“, erklärt Borck.

Ein Grund für die vielen Single-Störche könnte sein, dass die Tiere dieses Jahr sehr spät aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind. „Ein Drittel ist erst im Mai bei uns angekommen“, sagt Borck.

„Normal ist Anfang bis Mitte April.“ Die Folge: Die Störche hatten weniger Zeit, um sich einen Partner zu suchen. Warum die Tiere dieses Jahr so spät dran waren, ist unklar. „Vielleicht hat es einen Kälte-Einbruch auf ihrer Flugroute gegeben, und sie wurden davon aufgehalten“, mutmaßt Borck.

Allerdings sind auch nicht alle Störche so spät zurück gewesen. Experten unterscheiden zwischen Ost- und Westziehern. „Bei den Westziehern gab es keine Probleme, die ersten waren schon im Januar hier“, sagt Uwe Peterson, Storchenbeauftragter beim Nabu in Schleswig-Holstein. Westzieher überwintern in Spanien und haben damit eine deutlich kürzere Flugroute als die Ostzieher, die bis nach Ost- und Südafrika fliegen. Von dort kehren sie über Ägypten, die Türkei und die Balkanstaaten nach Deutschland zurück, die lange Strecke kostet sie viel Zeit. „Erfahrungsgemäß werden noch bis in den Juni hinein Störche bei uns ankommen“, sagt Peterson. „Aber die würden es zeitlich nicht mehr mit der Brut schaffen und fangen deshalb gar nicht erst damit an.“

Ein weiterer Grund für den Rückgang an Storchenpaaren ist den Experten zufolge, dass die Streitereien um die Nester zwischen den Tieren zugenommen haben. „In Kühsen haben sechs Störche um einen Horst gekämpft, in Schmilau wurden zwei Eier aus einem Nest geworfen“, berichtet Heinz-Achim Borck.

Streit entstünde unter anderem deshalb, weil die Störche nicht partnertreu, dafür aber nesttreu seien. „Der männliche Storch kommt meistens zuerst aus dem Süden zurück“, erklärt Borck. „Wenn das Weibchen aus dem Vorjahr nicht schnell genug innerhalb von ein paar Tagen nachkommt, sucht er sich eine andere.“ Wenn das alte Weibchen dann doch noch zurückkehre, gebe es sehr großen Zoff.

Ein weiteres Problem ist, dass auch Nilgänse den Störchen zunehmend die Nester streitig machen. „Sie fangen früher an zu brüten, und die Störche wissen nicht, was sie dagegen machen sollen“, sagt Pietsch. Das hat auch Holger Möckelmann beobachtet, der Storchenbeauftragte des Kreises Segeberg. Er ist deshalb froh, mit 34 Storchenpaaren trotz allem so viele wie im vergangenen Jahr zu haben.

„Am 8. Mai ist der letzte in Geschendorf angekommen, 2015 war er einen ganzen Monat früher da“, sagt Möckelmann. Aber nun gebe es auch dort ein Pärchen, und das sei gut. „Wenn die Tiere allein sind und auf ihren Partner warten, werden sie aggressiv.“

 Janina Dietrich

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