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Norddeutschland Strafbefehl für „Hellseherin“: Sie versprach der Kundin eine Hochzeit
Nachrichten Norddeutschland Strafbefehl für „Hellseherin“: Sie versprach der Kundin eine Hochzeit
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18:08 28.09.2016
Die 67-jährige Schweizerin, das Opfer der Hellseherin, sprach am Mittwoch in Hamburg im Amtsgericht St. Georg mit wartenden Journalisten. Quelle: dpa
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Hamburg

Eine schwierige Beweiserhebung um spirituelle Energiefelder und Kosten für hellseherische Arbeiten bleibt dem Amtsgericht in Hamburg-St.-Georg am Mittwoch erspart. Die angeklagte Hellseherin ist nicht erschienen, angeblich hat die 53-Jährige gerade einen Nervenzusammenbruch erlitten und leidet unter Schmerzen im Nacken und in der Hand. Ihr Anwalt Uwe Kirsch räumt den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs aber grundsätzlich ein. Seine Mandantin habe für sogenanntes Lifecoaching insgesamt 322 000 Euro von einer Kundin aus der Schweiz kassiert - und ganz ordnungsgemäß versteuert, wie er betont.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 53-Jährigen vor, sie habe „wahrheitswidrig vorgegeben“, sie könne über ein spirituelles Energiefeld Kontakt zum damaligen Lebensgefährten der Kundin herstellen und ihn auf diesem Wege dazu bewegen, die Frau aus Bern zu heiraten.

Die Schweizerin erscheint als Zeugin und gibt schon vor Prozessbeginn bereitwillig Auskunft. Sie habe den Kontakt zu der Hellseherin über eine Zeitungsannonce gefunden, erklärt die elegant gekleidete 67-Jährige. Eine Arbeitskollegin hatte bereits die Dienste der Hamburgerin in Anspruch genommen und ihr ebenfalls „sehr viel“ Geld bezahlt. Sie selbst sei damals in einer schwierigen Situation gewesen, ihre Mutter sei gestorben, ihr Vater habe viele private Probleme gehabt. Zur selben Zeit habe sie einen Mediziner kennen gelernt, den sie gerne heiraten wollte.

Die Hellseherin versprach zu helfen. Am Rande eines Ärztekongresses, zu dem die Schweizerin ihren Partner vor drei Jahren nach Hamburg begleitete, habe man sich getroffen, zum ersten und einzigen Mal. Über die Behandlung, von der er ihr Partner nichts wusste, berichtet die pensionierte Beamtin: „Ich musste mich hinlegen und einfach ruhig sein, nichts machen.“ Dann habe die Hellseherin angeblich Kontakt zu dem Partner der Frau über ein Energiefeld aufgenommen. Über Ergebnisse und angebliche Fortschritte berichtete die Hamburgerin per Mail und Telefon.

Warum ihr keine Zweifel kamen? „Die muss geschult sein und wissen, wie man jemanden nehmen kann“, sagt die 67-Jährige, die auch als Laienschauspielerin tätig ist. Die Hamburgerin habe mit Versprechungen und Drohungen gearbeitet. Sie habe mit niemandem über die spirituelle Hilfe reden dürfen. „Sonst hätte sie mehr Arbeit, das seien fremde Energien“, habe die Hellseherin zur Begründung gesagt. Die damals im Finanzbereich der Schweizer Regierung gut verdienende Beamtin hielt sich daran und überwies immer wieder die geforderten Beträge - bis sie sich bis auf das letzte Hemd verschuldet hatte.

Als sie der Hellseherin mitteilte, dass sie nicht mehr zahlen könne, redete die Klartext: „Wenn ich es (das Geld) bis Mitternacht nicht habe, dann ist die Behandlung weg und der Lebenspartner auch“, habe die Hamburgerin erklärt. „Da hat es bei mir endlich Klick gemacht.“ Am nächsten Tag habe sie Strafanzeige gestellt. Die Heiratswilligkeit ihres Angebeteten testete sie zur Sicherheit aber noch auf eigene Faust. Sie habe ihn gefragt, ob er zu ihr ziehen wolle. Da habe er erwidert: „Nein, dann kann ich meine Freundinnen nicht mehr kommen lassen.“ Damit war der Traum geplatzt.

Dass sie auf die Hellseherin hereingefallen ist, habe sie niemandem erzählt, außer ihrer Tochter und ihrer besten Freundin. Ihre Tochter sei entsetzt gewesen, stehe aber zur Mutter. Sie selbst habe sich gewundert: „Ich konnte es nicht verstehen, dass mir als gestandene Frau so etwas passieren konnte.“ Nun will sie mit ihrem Auftritt vor Gericht auch andere vor ähnlichen Betrügereien warnen. „Glaubt nicht daran, dass es so etwas gibt“, lautet ihr Appell.

Der Hellseherin wäre sie im Prozess gerne gegenübergetreten, „damit sie sieht: Du kannst mich nicht mehr manipulieren“. Aber die ist nun nicht gekommen. Richterin Ulrike Schwafferts erwägt kurz, eine sofortige amtsärztliche Untersuchung oder einen Haftbefehl anzuordnen. Doch dann schlägt sie Strafbefehl vor.

Der werde die mögliche Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis beinhalten, allerdings auf Bewährung, denn sie sehe bei der Schweizerin ein erhebliches Mitverschulden, sagt die Staatsanwältin. Außerdem müsse die Angeklagte eine Wiedergutmachung leisten. Nach kurzem Telefonat mit der Hellseherin teilt der Verteidiger mit, seine Mandantin sei bereit, in der zweijährigen Bewährungszeit monatlich 2000 Euro an ihre ehemalige Kundin zu zahlen.

Die Richterin nimmt das Angebot wohlwollend zur Kenntnis und kündigt an, sie werde den Strafbefehl unterschreiben. Wenn die Hellseherin dagegen keinen Widerspruch einlegt, wird das Urteil rechtskräftig und eine ihrer Prophezeiungen wenigstens ansatzweise wahr: Sie hatte der Schweizerin versprochen, dass sie ein Mehrfaches des gezahlten Geldes durch ihre Dienste zurückbekommen werde.

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