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Strampeln mit Motor: Die Nachfrage nach E-Bikes steigt

Lübeck Strampeln mit Motor: Die Nachfrage nach E-Bikes steigt

Immer mehr Menschen kaufen Elektrofahrräder — Auch Jugendliche nutzen sie inzwischen.

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Achim Geller-Brünjes (43) zeigt im Geschäft Zweirad Wöltjen ein E-Bike, bei dem der Akku in der Rahmenmitte befestigt ist.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Lübeck. Ein normales Herren- und ein Klapprad besitzt Ulrich Reusch bereits. Jetzt will er sich ein weiteres Exemplar zulegen: sein erstes E-Bike. „Für den Spaß und auch aus gesundheitlichen Gründen“, sagt der 62-Jährige, während er sich im Fahrrad-Geschäft MTBMarket in Lübeck umsieht. Dutzende Elektrofahrräder stehen dort dicht aneinandergereiht. Reusch sucht nach einem Klapp-Modell, denn er will es in seinem Campingwagen mit in den Urlaub nehmen. „Ich erkunde fremde Städte gern mit dem Rad“, sagt er. „Ein E-Bike gibt mir bei meinen Touren etwas mehr Unterstützung.“

LN-Bild

Immer mehr Menschen kaufen Elektrofahrräder — Auch Jugendliche nutzen sie inzwischen.

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So wie Ulrich Reusch steigen offenbar immer mehr Menschen aufs E-Bike um. In den vergangenen fünf Jahren sei der Absatz ständig gestiegen, sagt Achim Wiesehütter, Werkstattleiter beim MTB-Market. Und eine Trendwende sei nicht in Sicht. Fürs kommende Jahr werde europaweit erneut eine 20-prozentige Steigerung erwartet. „Die Zahl der E-Bike-Verweigerer wird stetig kleiner“, sagt er.

Während das E-Bike früher meist mit alten und gebrechlichen Menschen in Verbindung gebracht worden sei, werde es nun von fast allen Altersgruppen genutzt. Das habe auch mit einem veränderten ökologischen Bewusstsein zu tun. Das E-Bike erleichtere den Menschen den Umstieg vom Auto aufs Rad. Nur die 30- bis 50-Jährigen täten sich damit noch etwas schwer, berichtet Wiesehütter. Aber auch bei ihnen sei langsam ein Umdenken zu beobachten — zumal E-Bikes einige Vorteile böten. „Früher dauerten Radtouren 50 bis 60 Kilometer“, sagt er. Mit E-Bikes seien sogar 150 Kilometer kein Problem, das erweitere die Möglichkeiten.

Auch Jugendliche seien inzwischen mit E-Bikes unterwegs, berichtet Wiesehütter. Ab 13 Jahren sei das Fahren mit dem Elektroantrieb erlaubt, dann allerdings mit einem gedrosselten Motor.

Standard-Pedelecs schaffen bis zu 25 Kilometer pro Stunde, die gedrosselten Räder sind bis 20 km/h schnell. „Einige Jugendliche fahren damit bereits zur Schule, wenn es der Geldbeutel ihrer Eltern zulässt“, sagt der 49-Jährige.

Denn E-Bikes sind deutlich teurer als normale Räder. Um ein vernünftiges Modell zu bekommen, müssten mindestens 2000 Euro investiert werden, sagt Wiesehütter. Denn das Wichtigste sei ein ordentlicher Akku, und der wiederum sei das Teuerste an einem E-Bike. „Ein guter Akku hat eine hohe Reichweite und schafft 500 bis 1000 Ladezyklen ohne Ladeverlust“, erklärt er. Je nach Zusatzausstattung können die Kosten für ein E-Bike bis auf 6000 bis 7000 Euro steigen — oder auch noch weiter.

Bei Zweirad Wöltjen in der Lübecker Innenstadt ist die Nachfrage nach E-Bikes ebenfalls groß. „Gefühlt machen wir schon jede zweite Beratung zu dem Thema“, sagt Geschäftsführer Achim Geller-Brünjes.

Bei den Verkaufszahlen hinke das E-Bike aber noch dem Standard-Rad hinterher, sein Anteil liege bei etwa 20 Prozent. „Die Tendenz ist aber steigend“, sagt er. Entsprechend viele Modelle habe er dieses Jahr geordert.

Anfangs seien die Elektroräder vor allem von Menschen mittleren Alters gekauft worden, berichtet Geller-Brünjes. „Inzwischen hat sich das ganz stark geändert. Wir haben zum Beispiel diverse Mütter, die E-Bikes nutzen und damit Anhänger hinter sich herziehen.“ Auch bei sportlichen Kunden seien sie gefragt. „Viele wollen mit dem Rad zur Arbeit fahren, aber nicht verschwitzt dort ankommen“, sagt er. „In solchen Fällen hilft ihnen ein E-Bike.“

Drei Typen

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden alle elektrischen Fahrradräder als E-Bikes bezeichnet. Eigentlich existieren aber drei Typen. Pedelecs sind am häufigsten verbreitet. Sie fahren bis zu 25 km/h schnell. Für diese Fahrräder werden weder Helm noch ein Versicherungskennzeichen benötigt. Für S-Pedelecs (bis 45 km/h schnell) braucht man einen Führerschein (Klasse AM), Helm und eine Versicherung. Bei E-Bikes steuert der Fahrer mit einem Gasgriff oder Hebel den Motor — losgelöst vom Tritt in die Pedale.

Von Janina Dietrich

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