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Strandgebühr ist rechtens — aber Urlauber spazieren lieber gratis

Lüneburg/Lübeck Strandgebühr ist rechtens — aber Urlauber spazieren lieber gratis

Zwei Bürger wollten einen Gratiszugang zu bestimmten Strandabschnitten - das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hat das abgewiesen. Die Ostseebäder sind meist sowieso kulant: Spazierengehen ist meist kostenfrei.

Das Ehepaar Heike und Peter Kosczinsky aus Wakendorf genießt mit den Hunden „Barny“ (r.) und „Anouk“ einen ausgedehnten Strandspaziergang in Scharbeutz. Gemeinden, die für den Zugang zum Strand Geld verlangen, finden sie unverschämt.

Quelle: Lutz Roeßler

Lüneburg. Wer in den Nordsee-Badeorten Hooksiel und Horumersiel-Schillig am Strand spazieren gehen möchte, der muss zahlen. Für auswärtige Gäste wird von April bis Oktober eine Strandgebühr von drei Euro fällig, wenn sie den mit Zäunen abgesperrten Bereich betreten wollen. Und das bleibt auch so. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hat die Klage von zwei Bürgern, die den Gratiszugang zumindest an bestimmten Abschnitten fordern, abgewiesen.

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Das Ehepaar Heike und Peter Kosczinsky aus Wakendorf genießt mit den Hunden „Barny“ (r.) und „Anouk“ einen ausgedehnten Strandspaziergang in Scharbeutz. Gemeinden, die für den Zugang zum Strand Geld verlangen, finden sie unverschämt.

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Die Kläger hatten sich auf ein allgemeines Betretungsrecht nach dem Bundesnaturschutzgesetz berufen, das die Richter aber nicht sahen. Eine Revision ließen sie nicht zu. Bereits das Verwaltungsgericht Oldenburg hatte die Forderung der Initiative „Für freie Strände“ im September 2014 als unzulässig und unbegründet abgewiesen.

Auch an der Ostsee gehen die Urlauber gerne am Strand spazieren, was im Winter ohnehin kostenlos ist. Dick eingepackt genießen Sabine (57) und Michael Mühle (63) aus Schackendorf die frische Luft in Scharbeutz. Ihr vier Monate alter weißer Schäferhund „Sunny“ jagt vergnügt den Möwen nach. „Wir finden es toll, frei am Strand gehen zu können. Es ist sehr entspannend. Das sollte für alle kostenlos sein“, sagt Michael Mühle. Auch Franz und Ursula Veldboer aus Nordhorn freuen sich über den freien Zugang zur Ostsee. „Der Strand muss für alle Besucher kostenlos zugänglich sein“, sagen sie.

In Schleswig-Holstein verlangen die Gemeinden in der Saison eine Abgabe von höchstens drei Euro pro Tag für die Strandnutzung — und von den Tagesgästen eine Strandgebühr. Zahlen müssen den meisten Satzungen zufolge offiziell alle Strandnutzer. Bei Spaziergängern drücken viele Bäder aber ein Auge zu. In Travemünde ist das anders: Dort muss nur eine Abgabe bezahlt werden, wenn am Strand verweilt wird. „Das Wandern am Strand entlang der Wasserlinie ist in Schleswig-Holstein de facto kostenfrei“, beschreibt Catrin Homp vom Tourismusverband Schleswig-Holstein die gängige Praxis.

Anders in Hooksiel und Horumersiel-Schillig an der niedersächsischen Nordseeküste — wenn die Besucher an den eingezäunten Strand wollen, dann wird kassiert. Deshalb bevorzugt Hans-Joachim Müller (Grönwohld) die Ostsee. „An der Ostsee weiß ich das sehr zu schätzen, ohne Gebühr am Strand entlang zu gehen.“ Und wer sich doch einmal ausruhen und dafür nichts bezahlen möchte, der kann die Freistrände wie in Niendorf oder Haffkrug nutzen.

Dass zwei Badeorte an der Nordsee Strandgebühren selbst für Wanderer fordern, finden Peter und Heike Kosczinsky aus Wakendorf „unverschämt“.

Das Ehepaar ist mit seinen Hunden am Scharbeutzer Strand unterwegs. Auch Urlauber Andreas Probst (52) nennt das Vorgehen „Abzocke“. Durch die Gebühren nimmt die Gemeinde Wangerland, zu der Hooksiel und Horumersiel-Schillig gehören, 450 000 Euro pro Jahr ein. Dort freut man sich über die Einnahmequelle. „Die Tourismusorte sind wegen hoher Kosten auf die teilweise Refinanzierung der Kurabgabe und Tourismusabgabe angewiesen“, sagt Catrin Homp.

Dagmar Sommer (52) aus Pansdorf ist jedenfalls glücklich, wenn sie mit ihrem Hund frei am Strand entlang schlendern kann. Im Wald zahle sie ja schließlich auch nichts.

Beke Zill

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