Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Streit eskaliert: Anschläge auf Türken auch im Norden
Nachrichten Norddeutschland Streit eskaliert: Anschläge auf Türken auch im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:18 12.03.2018
In Itzehoe brannte in der Nacht zu Sonntag der Gemüseladen eines türkischstämmigen Besitzers, an der nahen Moschee wurden Scheiben eingeschlagen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Anzeige
Berlin/Kiel

Das Feuer im Laden sei gelegt worden. Die Ermittlungen der politischen Abteilung der Kripo würden zwar in alle Richtungen geführt, allerdings fokussiere man sich „natürlich auf die Auswirkungen und Geschehnisse im Bundesgebiet“, sagt Polizeisprecher Stefan Hinrichs. Dass Rechtsradikale die Attacke verübt haben, sei unwahrscheinlich. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es im Moment „wenig Ansätze“.

In Berlin hatten Jugendliche in der Nacht zu Sonntag einen Brandsatz in die Räume eines türkischen Moscheevereins geworfen. Der Hauptraum brannte völlig aus. Im nordrhein-westfälischen Meschede wurde ein türkischer Kulturverein mit Molotow-Cocktails angegriffen. Auf einer kurdischen Internetseite sei ein Bekennervideo aufgetaucht, so die Polizei. Darin sei zu sehen, wie Jugendliche Brandsätze auf das Gebäude schleudern. Im Internet soll es weitere Gewaltaufrufe an kurdische Jugendliche geben. Ziele: Türkische Vereine, Läden, Cafés, SPD- und CDU-Büros, die Polizei, Gerichte.

Der Streit zwischen beiden Volksgruppen eskaliert, seit die türkische Armee am 20. Januar einen Angriff auf die Kurdenmiliz YPG rund um die syrische Stadt Afrin gestartet hat. Bereits am Freitag hatte es im baden-württembergischen Lauffen einen Brandanschlag auf eine Moschee gegeben. In Kiel verlief am Sonnabend eine Demonstration gegen den türkischen Militäreinsatz noch friedlich. Ein Linken- Politiker hatte sie angemeldet, unterstützt von kurdischen, aber auch türkischen Vereinen. 450 Menschen kamen. Die Stadt hatte es ihnen wegen Sicherheitsbedenken zunächst untersagt, durch den auch von vielen türkischstämmigen Kielern bewohnten Stadtteil Gaarden zu ziehen. Das Verwaltungsgericht kassierte das Verbot aber wieder ein. In Berlin blieb es bei einer kurdischen Demonstration am Sonntagabend nicht so friedlich. Die Polizei griff ein, als Steine und Flaschen gegen ein Haus flogen, in dem die Demonstranten türkische Bewohner vermuteten. 14 Polizisten wurden verletzt, zehn Demonstranten festgenommen.

„Ich verurteile Anschläge, wie die in Itzehoe aufs Schärfste“, sagt Kiels Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). Man werde derartige Übergriffe nicht dulden. Die Ermittlungen zu Tätern und Motiven dauerten aber noch an. Die SPD-Opposition will das abwarten, bevor sie Stellung nimmt. FDP-Fraktionschef Christopher Vogt fordert auch „Ermittlungen in alle Richtungen“, allerdings deute bereits vieles auf den kurdisch-türkischen Konflikt hin. Das sei besorgniserregend.

Von Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige