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Streit im Land: Freier Zugang zur Natur?

Kiel Streit im Land: Freier Zugang zur Natur?

Regierung will Betreten von Feldern und Wäldern abseits der Wege erlauben — Jägerschaft läuft dagegen Sturm.

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Stadtjäger Christoph Benett mit Hündin „Hermine“ befürchtet einen Freifahrtschein für rücksichtsloses Verhalten in der Natur.

Quelle: O. Malzahn

Lübeck. Wiesen und ungenutzte Ackerflächen sollen in Schleswig-Holstein bald von jedermann betreten werden dürfen. Das sieht das neue Naturschutzgesetz des Landes vor, das Anfang kommenden Jahres verabschiedet werden soll. Die Jägerschaft protestiert dagegen heute in Kiel, befürchtet erhebliche Störungen für Wildtiere.

Brach liegende Ackerflächen seien ein wichtiger Lebensraum und Kinderstube für Feldhasen, Kiebitze, Rehe und viele andere Tiere, erklärt der Landesjagdverband in Flintbek. „Sollen sich hier weiterhin die Tiere wohlfühlen dürfen oder der Erholungssuchende mit Hund?“, fragt Verbandssprecher Marcus Börner. Mit dem neuen Naturschutzgesetz werde der Weg für noch mehr Störungen der Wildtiere frei gemacht, deren Lebensraum durch stetigen Flächenschwund ohnehin immer kleiner werde. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) habe bisher aber nicht den Eindruck gemacht, „dass ihm das Wohl der heimischen Natur und Wildtiere wirklich am Herzen liegt“. Deshalb wollen die Jäger heute eine Liste mit Tausenden von Unterschriften gegen das Betretungsrecht an Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) überreichen.

Habeck weist die Kritik zurück: Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern sei das Betreten von Naturräumen abseits der Wege in allen Bundesländern gestattet. Mit dem neuen Naturschutzgesetz gleiche sich Schleswig-Holstein bundesweiten Standards an. „Und warum sollte Menschen in Schleswig-Holstein ein weniger verantwortungsvoller Umgang mit der Natur zuzutrauen sein als im Rest der Republik“, fragt der Minister. Eines der Ziele des Gesetzes sei es, Menschen den Zugang zur Natur zum Zweck der Erholung zu erleichtern. Die Störung für das Wild hält Habeck dabei für gering. Wildtiere könnten durchaus unterscheiden, ob sie es mit Spaziergängern oder mit Jägern zu tun hätten.

„Das ist Quatsch“, hält der Lübecker Stadtjäger Christoph Benett, der ebenfalls vehement gegen eine Lockerung des Betretungsverbotes kämpft, dagegen. Von wem Wildtiere aufgeschreckt werden, mache für sie keinen Unterschied. Benett befürchtet, dass das neue Gesetz von vielen als Freifahrtschein missverstanden werden könnte, sich in der Natur ohne Rücksicht zu bewegen. „Auch in Naturschutzgebieten.

Dort gilt das Betretungsverbot zwar weiterhin. Die Frage ist aber, ob es dann noch ernst genommen wird.“ Zwischen genutzten und ungenutzten Ackerflächen könnten Laien zudem kaum unterschieden, auch Kenntnisse über Brut- und Paarungszeiten seien bei vielen kaum vorhanden.

Entschieden gegen das Betretungsrecht ist auch die CDU-Fraktion im Landtag: Es sei verwunderlich, dass Habeck auf Wunsch der Naturschutzverbände gerade erst die Ruhezeiten für Wild drastisch ausgeweitet habe, während künftig auch zu Setz-, Brut- und Notzeiten jedermann auf eigene Faust über Wiesen und Felder streifen dürfe, kritisiert der umweltpolitische Sprecher Heiner Rickers. „Wer einmal gesehen hat, wie ein geschwächtes Reh im Tiefschnee die Flucht ergreift, oder wie von Hunden hochgeschreckte Bodenbrüter ihr Nest im Stich lassen, der kann nur mit dem Kopf schütteln.“

Bedenken, die der Naturschutzbund (Nabu) nicht teilt. Ein „Massenansturm“ sei kaum zu befürchten, sagt der Nabu-Vorsitzende Hermann Schultz. Auch in Zukunft würden die meisten auf den Wegen bleiben.

Gleichwohl sei es richtig, Menschen die Möglichkeit zu geben, eine intensivere Beziehung zur Natur zu entwickeln.

Altes und neues Gesetz
Alter Gesetzestext: „In der freien Landschaft darf jeder neben den für die Öffentlichkeit gewidmeten Straßen, Wegen und sonstigen Flächen nur Privatwege sowie Wegeränder zum Zwecke der Erholung unentgeltlich betreten und sich dort vorübergehend aufhalten.“
Neuer Gesetzestext: „Landwirtschaftlich genutzte Flächen einschließlich Sonderkulturen dürfen während der Nutzzeit nur auf vorhandenen Wegen betreten werden.“

Oliver Vogt

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Protest gegen Betretungsrecht
Von Oliver Vogt

D en Menschen in Schleswig-Holstein soll ein besserer Zugang zur Natur als Erholungsraum ermöglicht werden, sagt der grüne Umweltminister Robert Habeck.

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