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Norddeutschland Streit um Ferkel
Nachrichten Norddeutschland Streit um Ferkel
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16:47 20.09.2018
Männliche Ferkel werden meist ohne Betäubung kastriert. Quelle: Wagner/dpa
Berlin

Streit ist am Freitag vorprogrammiert in der Sitzung des Bundesrates beim Thema betäubungslose Ferkelkastration. Dabei schien eigentlich alles klar: Vom 1. Januar 2019 an darf in Deutschland kein männliches Ferkel mehr ohne Betäubung kastriert werden. Der Eingriff wird vorgenommen, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Den Ausstieg hatte der Bundestag in einer Änderung des Tierschutzgesetzes bereits vor fünf Jahren beschlossen.

Widerstand vom Bauernverband

Doch von mehreren Bundesländern sowie vom Bauernverband kommt Widerstand gegen die Neuregelung. Bayern etwa verlangt eine Fristverlängerung bis Ende 2023. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollen eine zweijährige Aussetzung, allerdings unter der Bedingung, dass in dieser Zeit eine „marktgängige Methode“ zur Betäubung der Ferkel gefunden wird.

Auch im Norden ist das Thema hochumstritten. Der Kieler Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte den LN: „Schleswig-Holstein wird einem Antrag auf eine Verlängerung der Übergangsfrist nicht zustimmen.“ Dass zum Ende diesen Jahres das Ende der betäubungslosen Kastration beschlossen wurde, sei „allen lange genug bekannt, und die alternativen Wege liegen auf dem Tisch“. Die gesamte Branche, Landwirte, Schlachtbetriebe und Lebensmittelhandel hätten die Zeit nutzen müssen und können, „aber das ist nicht geschehen.“

Tierschutzbund unterstützt Minister

Das Kieler Nein zu einer Fristverschiebung leitet Albrecht auch aus dem im Grundgesetz festgelegten Staatsziel Tierschutz ab. Unterstützt wird diese Position vom Tierschutzbund, der vor der Länderkammer dem „beschlossenen Verbot dieser äußerst schmerzhaften und anachronistischen Prozedur“ der Kastration ohne Betäubung mit einer Demonstration Nachdruck verleihen wird.

Allerdings sind die Tierschützer nicht die einzigen, die vor dem Bundesrat antreten wollen. Auch Landwirte aus dem Norden werden nach Berlin fahren. Etwa Dietrich Pritschau, Schweinemäster aus Westerrade sowie Vizepräsident des Landesbauernverbandes. „Vor Veränderungen laufen die Schweinehalter nicht weg. Wir nehmen den Tierschutz ernst“, sagte er. Er und die Mehrheit der 300 Sauenhalter und 600 Schweinmäster im Norden seien klar für ein Ende der bisherigen Praxis. Allerdings gebe es bei den bisher möglichen Verfahren – etwa bei Vollnarkose, lokaler Betäubung oder einer hormonellen Kastration – noch zahlreiche Probleme. Er plädiert deshalb für eine zweijährige Übergangsfrist, um praktikable Alternativen zu entwickeln.

Reinhard Zweigler

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