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Norddeutschland Streit um Vogelschutz auf Ostküsten-Trasse
Nachrichten Norddeutschland Streit um Vogelschutz auf Ostküsten-Trasse
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23:25 29.08.2016
Quelle: archiv/dpa

Die Stromtrasse werde „etliche besonders sensible Bereiche“ berühren, erklären die Nabu-Experten. Darunter fielen Brutplätze von „anfluggefährdeten Großvögeln wie Seeadler, Rotmilan, Schwarzstorch und anderen Arten“. Doch Planungsträger und Behörden seien sich „der ökologischen Sensibilität kaum bewusst“, kritisieren sie. Die Trasse verlaufe auf langer Strecke quer zur Vogelzugrichtung.

Zur „Todesfalle“ könne sie in der Nähe von Vogelrastgebieten wie dem Neustädter Binnenwasser werden, wo bereits an der 110-kV-Leitung regelmäßig Vögel verunglückten. Zentraler Vorwurf des Nabu ist, dass der „exakte Trassenverlauf bereits lange vor Abschluss der vogelkundlichen Untersuchungen festgelegt“ worden sei. Die noch ausstehenden Ergebnisse der Gutachten seien deshalb „zwangsläufig Makulatur“. Die Planer und das Ministerium hätten sich bislang „offenbar keine Gedanken darüber gemacht, wie viele Anflugopfer hinnehmbar sein würden“.

Dem widerspricht der Netzbetreiber. „Für Tennet steht der Vogelschutz im besonderen Fokus“, erklärt Sprecher Mathias Fischer. Das Unternehmen setze auf sämtlichen Neubau-Freileitungen Vogelschutzmarkierungen ein. „Dadurch kann das Kollisionsrisiko deutlich verringert werden.“ Gerade Ostholstein als sensibles Vogelzuggebiet sei von Beginn der Planungen an äußerst intensiv betrachtet worden, versichert er. Tennet werte dazu detailliert die bereits vorhandenen, umfangreichen Erfassungsdaten aus. Ergänzt würden diese durch umfangreiche neue Kartierungen und Zählungen, die an besonders sensiblen Orten vorgenommen werden. Zudem würden erst im Jahr 2018 die förmlichen Genehmigungsverfahren für die Abschnitte Lübeck–Göhl und Lübeck–Siems beginnen. „Die Zählungen und Auswertungen der Daten sind daher auch noch nicht abgeschlossen und können somit auch in den weiteren Prüfverfahren berücksichtigt werden und in die Planungsarbeiten einfließen“, sagt Fischer. Über den finalen Trassenverlauf sei zurzeit noch keine Festlegung erfolgt, erst im Rahmen der Planfeststellung könne eine Aussage getätigt werden.

Die vom Nabu angeführten Punkte seien dem Umweltministerium bekannt, sagt Sprecherin Nicola Kabel. Sie seien Ende Juni zwischen allen Beteiligten erörtert worden. Dabei sei auch vereinbart worden, dass Tennet zu genau diesen Fragen ein eigenes Gutachten erstelle. Die neuen Informationen sollen in der künftigen Planung berücksichtigt werden. Für den Herbst seien weitere Gespräche mit den Naturschutzverbänden geplant. „Diesen Weg sehen wir als sinnvoll an, um zu guten Lösungen zu kommen“, sagte die Sprecherin.

Bei aller Kritik lobte der Nabu die Planung eines Erdkabels unter dem EU-Vogelschutzgebiet Oldenburger Graben. Eine solche Erdverkabelung sei auch für das EU-Vogelschutzgebiet Neustädter Binnenwasser notwendig. „Sonst dürften dort Unfälle von Großvögeln programmiert sein.“

 Christian Risch

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