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Norddeutschland Streit um angeblichen Stinkefinger
Nachrichten Norddeutschland Streit um angeblichen Stinkefinger
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07:05 13.10.2017
Im Kieler Landtag soll es passiert sein. Habeck dementiert die angebliche Geste. Quelle: Archivfoto: Roeßler
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Kiel

Es passierte am Donnerstag Vormittag im Kieler Landtag. Die Debatte über die Windenergieplanung der neuen Jamaika-Koalition war fast zu Ende, als SPD-Oppositionsführer Ralf Stegner noch einmal zum Rednerpult ging – und Habeck, der hart rechts von ihm immer noch auf der Regierungsbank sitzt, scharf angriff.

Ralf Stegner Quelle: dpa

Für die angeblich schlechte, von CDU und FDP zuvor ach so arg kritisierte Planung der SPD-geführten Vorgängerregierung sei doch der damals schon amtierende Grünen-Minister verantwortlich gewesen. Aber der schweige jetzt lieber wieder zur Sache.

Tatsächlich scheint sich Stegner den abtrünnigen Koalitions-Wechsler Habeck als neuen Lieblingsfeind auserkoren zu haben. Es sei schon beeindruckend, wie der Grüne mit Trauermiene immer so tue, als sei ihm der Wechsel zu CDU und FDP in die „schwarze Ampel“ schwer gefallen, ätzt Stegner gerne öffentlich – dabei sei Habeck derjenige, der landauf, landab am lautesten für ein Jamaika-Bündnis auch im Bund trommele.

Habeck nahm die Attacke wieder mal gelassen hin – dachten zumindest alle, die nicht sehr genau hinsahen. Ganz anders die SPD- Abgeordnete Birte Pauls, die Habeck quasi gegenüber sitzt. Die habe ihm Ungeheuerliches berichtet, berichtet nun seinerseits Ralf Stegner kurz darauf in einem weiteren Redebeitrag. Herr Habeck nämlich habe „Abgeordneten der SPD“ den „Stinkefinger“ gezeigt. Das sei unparlamentarisch, das gehe so nicht, so benehme man sich nicht und als Minister schon mal gar nicht.

Verschränkte Arme, genervte Miene: Robert Habeck (r.) am Donnerstag im Kieler Landtag Quelle: Wolfram Hammer

Habeck habe auch mit der Hand dieses Zeichen gemacht, das man gemeinhin als „bla, bla, bla. . .“ deutet, berichtete Birte Pauls später noch. Die Aufregung war groß. Habeck, längst wieder Richtung Ministerium entschwunden, wurde sogar von CDU-Ministerpräsident Daniel Günther angesimst – ob er da noch mal kurz zurückkommen und etwas klären könnte ...

Zehn Minuten später war Habeck wieder da. Die Aufregung überrasche ihn. „Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mit verschränkten Armen dagesessen und mit den Fingern der rechten Hand auf den linken Bizeps getrommelt“, erklärte der Minister. Ja, das sei ihm schon oft als schlechte Angewohnheit attestiert worden – weil es grimmig wirke. Und: „Ich kann nicht ausschließen, dass beim Fingertrommeln auch mal nur der Mittelfinger auf dem Bizeps lag.“ Wenn der Eindruck entstanden sei, er wolle damit jemanden beleidigen, entschuldige er sich dafür.

Alles ein bedauerliches Missverständnis? Ralf Stegner mag das nicht glauben. „Ich nehme das zur Kenntnis“, sagte er gegenüber den LN nur. Und dass es doch schon erstaunlich sei, wie empfindlich der Grüne auf Kritik an seinem Kurs reagiere. Na ja, aber das falle ja am Ende auf Habeck selbst zurück.

Von Wolfram Hammer

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