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Norddeutschland Streit um verbotene Jagdgatter: Bismarcks verklagen das Land
Nachrichten Norddeutschland Streit um verbotene Jagdgatter: Bismarcks verklagen das Land
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02:08 07.02.2016
Leidenschaftlicher Jäger: Gregor Graf von Bismarck (51) zusammen mit seinem Jagdhund auf einem Hochsitz im Sachsenwald. Quelle: News & Art

Das Verwaltungsgericht in Schleswig bestätigte den Eingang von drei Klageschriften, sowohl von Gregor Graf von Bismarck, seinem Onkel Maximilian und einem Eigentümer aus Wiedenborstel (Kreis Steinburg). Die Klagen richteten sich gegen die Verfügung, die Gatter aufzulösen. Eine Begründung liege aber noch nicht vor, im Laufe dieses Jahres sei auch nicht damit zu rechnen, sagte ein Sprecher. Da Widerspruchsklagen gegen Verwaltungsakte jedoch aufschiebene Wirkung entfalten, bleiben die Jagdgatter, obwohl nach einer 15 jährigen Übergangsfrist seit Oktober 2014 endgültig verboten, vorerst bestehen.

Gregor Graf von Bismarck sieht in dem Verbot einen „rechtswidrigen Eingriff“ in seine Eigentümerrechte (die LN berichteten). Zudem sei die Jagd innerhalb der Gatter bei Jägern „sehr geschätzt“ und für die Versorgung der eigenen Gastronomie mit Wildfleisch unerlässlich, sie sichere eine „erhebliche Zahl“ von Arbeitsplätzen.

Mit diesen Argumenten wollen sich die Betreiber des Jagdgatters in Wiedenborstel, die aus Furcht vor Jagdgegnern ihren Namen nicht veröffentlicht sehen wollen, nicht gemein machen. „Damit in einen Topf geworfen zu werden, finden wir ganz furchtbar“, so eine Sprecherin der Familie. Zwar beschreite man ebenfalls den Klageweg. In Wiedenborstel würden aber „völlig andere Ziele als im Sachsenwald“ verfolgt. Das eingezäunte 160-Hektar-Areal in Familienbesitz sei in erster Linie „privates Naturschutzgebiet“, das man vor Störungen durch Spaziergänger, Mountainbiker und wildernde Hunde bewahren wolle. Jagden fänden nur zur Regulierung des Wildbestandes statt und seien auch nicht kommerziell.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält dennoch an seiner Position fest: „Jagdgatter gehören abgeschafft, seit 1999 ist das Gesetz.“ Trotzdem seien die Eigentümer dem nicht nachgekommen. Jetzt werde man die Angelegenheit vor Gericht ausfechten. „Wir stellen uns dabei auch auf eine längere Auseinandersetzung ein“, so Sprecherin Nicola Kabel.
Derweil hat die Tierrechtsorganisation Peta bei der Staatsanwaltschaft Lübeck Klage gegen Gregor von Bismarck sowie alle an den Jagden beteiligten Personen eingereicht. „Peta sieht in den Gatterjagden einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, erklärt Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders.

Nach geltendem Recht dürften Wirbeltiere nur aus „vernünftigem Grund“ getötet werden. Mit dem Verbot der Jagdgatter sei nach Auffassung von Peta dieser Grund aber entfallen, die Gatterjagd strafbar. Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, sei bisher aber noch nicht entschieden.

Von Oliver Vogt

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