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Strom gegen Vorkasse: Experten raten ab

Kiel Strom gegen Vorkasse: Experten raten ab

Versorger sollen ihren Kunden künftig Prepaid-Karten anbieten. Verbraucherschützer warnen vor Nachteilen.

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Berlin. CDU/CSU und SPD im Bund wollen den Stromversorgern im Koalitionsvertrag vorschreiben, den Kunden Prepaid- Stromzähler anzubieten. Sie könnten verhindern, dass sich bei Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten Strom-Schulden auftürmen und Stromsperren drohen, sagen die Verhandler in Berlin und der Bundesverband der Verbraucherzentralen. In Schleswig-Holstein raten Verbraucherschützer hingegen ab, auch Stromanbieter sind skeptisch.

Die Prepaid-Zähler lassen nur solange Strom fließen, wie eine Prepaid-Karte im Gerät steckt und ein vorher darauf gebuchtes Guthaben nicht verbraucht ist. In Großbritannien sind solche Zähler üblich.

Kunden würden dann achtsamer und sparsamer mit ihrem Verbrauch umgehen, glaubt SPD-Unterhändler Ulrich Kelber. Die Zahl der Stromsperren würde sinken, glaubt man auch bei der CDU. Bundesweit wurde säumigen Zahlern allein 2011 über 312 000 Mal der Strom eine Zeitlang abgestellt. Dass es so einfach ist, glaubt Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nicht. Natürlich werde der Kunde bei Prepaid-Karten nicht von der Jahresabrechnung und einer möglichen Nachzahlung überrascht. „Aber wenn ich nach 15 Tagen mein Guthaben auf der Karte verbraucht und kein Geld mehr habe, sitze ich auch die nächsten 15 Tage ohne Strom im Kalten und Dunklen.“

Zudem müsse eine Stromsperre vom Versorger vier Wochen im Voraus und dann noch einmal drei Tage vor der Abschaltung angekündigt werden. Damit hätten Betroffene noch Zeit zu reagieren, zu bezahlen, sich Hilfe beim Amt zu holen — Hartz-IV-Empfänger können zum Beispiel eine Abtretung unterschreiben und die Stromrechnung gleich vom Amt überweisen lassen — oder eine Härtefallregelung nutzen, wenn kleine Kinder in der Wohnung leben. „All das gibt es bei der Prepaid-Karte nicht.“ Weiterer Nachteil: Macht ein Anbieter, von dem man eine Karte gekauft hat, pleite, ist das Guthaben weg.

Bei den Stadtwerken Lübeck, die 130 000 Haushalte mit Strom versorgen, sind Prepaid-Zähler bereits im Einsatz — allerdings nur in sehr wenigen Einzelfällen, in denen es keine andere Einigung über die Bezahlung gab, berichtet Sprecher Lars Hertrampf. Eine flächendeckende Umrüstung wäre sehr teuer. Es müssten eine neue IT und ein Aufladesystem entwickelt werden, die Zähler selber kosten gut 350 statt 50 Euro für herkömmliche Modelle. Die Netzgesellschaft, der die Zähler letztlich gehören, würde den Versorgern die Mehrkosten aber nicht erstatten — das sei auch ein Problem bei der viel diskutierten Umrüstung auf „Smart Meter“, auf Zähler, die den Stromverbrauch intelligent steuern, zum Beispiel jeweils den günstigen Anbieter auswählen können. Erste Experten fordern bereits, diese neuen „Smart Meter“ gleich mit der Prepaid-Funktion auszurüsten.

Allerdings sei die Zahl der Kunden, die dauerhaft Zahlungsschwierigkeiten hätten, auch vergleichsweise gering, heißt es bei den Stadtwerken Lübeck. Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger unter den säumigen Stromkunden mache sogar nur etwa 30 Prozent aus, hier sei man mit den Sozialbehörden in engem Kontakt, um frühzeitig zu helfen. Häufiger seien kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten, zum Beispiel auch von Gewerbetreibenden. Als letztes Mittel greife man zu Stromsperren, die aber oft nur sehr kurz seien. Häufig sei das für die Betroffenen der letzte Anstoß, sich dem Problem zu stellen. Und dann finde man in der Regel auch schnell eine gemeinsame Lösung für die Zahlungen. Der Einbau eines Prepaid-Zählers lohne sich da jedenfalls nicht.

Zahlbar im Voraus
Prepaid-Systeme (prepaid: englisch für „vorausbezahlt“) gibt es schon bei Handys. In Großbritannien sind sie auch bei Stromzählern üblich. Eine spezielle Prepaid-Karte kann bei einem Anbieter bar oder online per Computer mit einem Guthaben aufgeladen werden. Der Strom fließt solange, bis das Guthaben verbraucht ist. Die Funktion könnte auch in „Smart Meter“ integriert werden, sagen Experten. Diese intelligenten Stromzähler messen den Stromverbrauch sehr genau, können Tarife selbstständig wechseln, lassen sich vom Besitzer per Smartphone auch aus der Ferne bedienen.

Wolfram Hammer

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