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Norddeutschland Studie: Fast jedes zweite Kind leidet unter Schulstress
Nachrichten Norddeutschland Studie: Fast jedes zweite Kind leidet unter Schulstress
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21:07 01.09.2017
Laut einer Umfrage hat ein Drittel der betroffenen Jungen und Mädchen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme. Quelle: Fotolia / LN-Archiv
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Kiel/Berlin

Ein Drittel der betroffenen Jungen und Mädchen hat Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme. Das ist das alarmierende Ergebnis einer Umfrage der Krankenkasse DAK, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Für die Untersuchung waren 7000 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn in sechs Bundesländern befragt worden, darunter Schleswig-Holstein.

43 Prozent der Schüler leiden laut Studie unter Schulstress. 35 Prozent von ihnen klagen regelmäßig über Kopfschmerzen, 32 Prozent haben Schlafprobleme, 29 Prozent Rückenschmerzen, 21 Prozent Bauchschmerzen. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Schon einige Kinder der fünften Klasse glauben, sich durch koffeinhaltige Energydrinks fit halten zu müssen. Vier von zehn Schülern gaben an, zu viel für die Schule zu tun zu haben. Dabei nimmt der Druck mit den Schuljahren zu. „Schüler können komplexe Matheaufgaben lösen und fließend Englisch sprechen, wissen aber nicht, wie schädlich Zucker und langes Sitzen sind“, beklagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Studie zeige Handlungsbedarf. „Wir brauchen Programme gegen Schulstress oder für bewusstere Ernährung.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von bedenklichen Zahlen. „Wir müssen alles tun, um Stress in der Schule möglichst gering zu halten“, fordert GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. „Deshalb sollten wir alles stärken, was Spaß bringt, und Fächer wie Sport, Musik, Kunst, Theater aufwerten.“ Von der Einführung eines Schulfachs Gesundheit hält Schauer nichts. Eltern müssten Vorbild sein.

Die Ergebnisse der DAK-Studie verwunderten sie kaum, sagt Landesschülersprecherin Kira Kock. Der Leistungsdruck steige hin zum Abitur immer mehr. Eine „Belastungsumfrage“ an schleswig-holsteinische Gymnasien habe bereits 2013 ergeben, dass mehr als 40 Prozent der Schüler regelmäßig unter Kopfschmerzen litten, jeder Zehnte unter psychischen Beschwerden. Bei sieben Prozent zeige sich Schulstress in Essstörungen.

Thomas Schmittinger, Schulleiter am Lübecker Katharineum, sieht die Ursache in gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. Unbestritten gebe es heute Stressfaktoren für Schüler, die früher nicht existierten. Schmittinger nennt die medialen Veränderungen. Andererseits lösten die Erosion der stabilen Familie, zugleich aber auch überfürsorgliche Eltern gesundheitliche Probleme bei Heranwachsenden aus. Der absurde Akademisierungswahn – jedes Kind „muss“studieren – tue sein Übriges. Schmittinger: „Dieser Druck liegt auf den Kindern, wird aber nicht in der Schule erzeugt, sondern in unserer Gesellschaft.“ Die Schule sei nur Indikator. Bildungsministerin Prien erklärt, die Studie zeige, wie wichtig es sei, dass die Landesregierung die Gesundheit von Schülern und Lehrern auf die Agenda setze.
Von Curd Tönnemann

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