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Norddeutschland Studie: In Lübeck lebt jedes vierte Kind in Armut
Nachrichten Norddeutschland Studie: In Lübeck lebt jedes vierte Kind in Armut
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11:03 13.09.2016
Illustration. In ganz Deutschland leben mittlerweile 1,93 Millionen Kinder in Bedarfsgemeinschaften. Quelle: Marcel Kusch/dpa
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Kiel

In Schleswig-Holstein stieg die Quote der Kinder in Hartz IV-Haushalten demnach zwischen 2011 und 2015 von 14,7 auf 15,3 Prozent an. 70 913 Kinder unter 18 Jahren leben hier in Familien, die Grundsicherungsleistungen erhalten, sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Das sind 1000 mehr als noch 2011. In Lübeck ist es sogar schon mehr als jedes vierte Kind (26,9 Prozent). Landesweit sind vor allem drei- bis sechsjährige Kinder von Armut betroffen. Bei ihnen liegt die Quote bei 18,8 Prozent. Bei 53,9 Prozent der Familien hält die Dauer der Abhängigkeit von Sozialleistungen schon seit über drei Jahren an.

In ganz Deutschland leben mittlerweile 1,93 Millionen Kinder in Bedarfsgemeinschaften, heißt es. Das ist eine Quote von 14,7 Prozent nach 14,3 Prozent im Jahr 2011. Über alle Altersgruppen liegt die Quote nur bei 9,3 Prozent. In Westdeutschland stieg die Kinder-Armutsquote von 12,4 auf 13,2 Prozent, in Ostdeutschland sank sie von 24 auf 21,6 Prozent. Und: Es sind immer noch vor allem Familien alleinerziehender Mütter und Väter, die von Armut betroffen sind. Ihre Kinder machen in Schleswig-Holstein 51,9 Prozent aller Kinder in Bedarfsgemeinschaften aus.

Irene Johns vom Kinderschutzbund ist fassungslos: „Dieser Missstand ist schon so lange bekannt. Die Politik ist in der Verantwortung, ihn abzustellen. Wir brauchen endlich eine Kinder- Grundsicherung.“ Etwa 540 Euro sollten pro Kind und Monat an alle Eltern ausgezahlt werden, alle bisherigen Familienförderungen wie Kindergeld und Schulkostenzuschüsse darin gebündelt werden. Ab bestimmten Einkommensgrenzen könne der Betrag abgeschmolzen werden.

Bernd Schauer von der Lehrergewerkschaft GEW fordert mehr Investitionen in Schulen. „Man kann da nur mit guter Bildung gegensteuern. Stattdessen sind in den Problemvierteln die Klassen auch noch immer am größten.“ Anstatt auf Bundesebene über Steuersenkungen zu reden, solle das Geld lieber ausgegeben werden, um die gesellschaftliche Spaltung abzubauen. „Das müsste der Schwerpunkt aller Regierungen sein.“

Kiels SPD-Sozialministerin Kristin Alheit stimmt dem grundsätzlich zu: „Wir müssen insgesamt das System der familienbezogenen Leistungen stärken und am tatsächlichen Bedarf ausrichten“, sagt sie. Das alte System der Familienförderung über Kinderfreibeträge nütze vor allem einkommensstarken Haushalten. Allerdings müsse das Thema „auf Bundesebene bewegt werden“.

Die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann will bis dahin schon mal Vätern und Mütter ans Portemonnaie, die Ex-Partnern keinen Kindsunterhalt zahlen: Die Kreise bräuchten mehr Unterstützung, um Unterhaltsforderungen durchzusetzen.

Von Wolfram Hammer

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