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Norddeutschland Studie: Kinder bleiben in der Armutsfalle gefangen
Nachrichten Norddeutschland Studie: Kinder bleiben in der Armutsfalle gefangen
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22:07 23.10.2017
Vor allem Kinder kommen in Deutschland nicht aus der Armutsfalle heraus. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Quelle: dpa
Kiel

Als arm gelten demnach Familien, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens von derzeit rund 3200 Euro im Monat haben oder Grundsicherung erhalten. Zudem wurde abgefragt, ob die Familien zum Beispiel über eine genügend große Wohnung, eine Waschmaschine oder einen internetfähigen Computer verfügen oder sich Kinobesuche leisten und Freunde zum Essen nach Hause einladen können.

Gut ein Drittel aller Kinder ist demnach zumindest zeitweise von Armut betroffen. Und: Zwei Drittel dieser Kinder leben dauerhaft oder wiederkehrend in Armut. Besonders gefährdet sind demnach Kinder alleinerziehender Eltern, Kinder mit mindestens zwei Geschwistern oder mit geringqualifizierten Eltern. Sie mussten deutlich häufiger auch auf die abgefragten Güter oder Unternehmungen verzichten. Armut bedeute in Deutschland zwar nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben, aber auf vieles verzichten zu müssen, was für andere zum Aufwachsen dazu gehörte heißt es von der Stiftung.

Eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zudem zu dem Schluss, dass Armut die sozialen Beziehungen schwäche. In Armut geratene Menschen träfen sich seltener als zuvor mit Bekannten, Kollegen und Nachbarn. Außerdem fänden sich in ihrem Freundeskreis bald immer weniger Menschen mit einem festen Job. Auch das erschwere den Weg aus der Armut heraus.

Die Landesregierung will als eine Gegenmaßnahme „die Start- und Bildungschancen der Kleinsten verbessern“, sagt Kiels FDP-Sozialstaatssekretär Matthias Badenhop. Man wolle dazu das Kita-Angebot ausbauen und die Qualität in den Einrichtungen steigern. Den Kindern eröffne man damit Chancen und Teilhabe. Außerdem brauche es eine mittelstandsorientierte Wirtschaftspolitik, die für Eltern qualifizierte Jobs schaffe, und eine „chancenorientierte Schulpolitik“.

Die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann will zudem das Kindergeld erhöhen. Die Grüne Marret Bohn schlägt die Einführung einer eigenständigen Kindergrundsicherung vor, die auch Kinderschutzbund-Chef Ingo Loeding fordert. Die große Koalition in Berlin habe da viel zu wenig getan, so Bohn. Im Land wolle man Familien noch unbürokratischer eine kostenlose Mahlzeit für ihre Kita-Kinder zukommen lassen.

Und auch die Initiative „Kein Kind ohne Ferienerholung“ werde weiter unterstützt. „Kinderarmut darf es in einem so reichen Land wie unserem nicht geben“, sagt Tobias von Pein (SPD). Auch er fordert die Kindergrundsicherung. Außerdem habe man im Landtag die Lernmittelfreiheit wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

Von Wolfram Hammer

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