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Norddeutschland Studie: Schleswig-Holstein vernachlässigt die Bildung
Nachrichten Norddeutschland Studie: Schleswig-Holstein vernachlässigt die Bildung
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21:34 17.08.2017
Bildung? Schleswig-Holstein landet erneut weit hinten im Bundesranking. Quelle: dpa
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Kiel/Berlin

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) reagierte. Sie kündigte einen Ausbau der Ganztagsangebote an, forderte aber zugleich Unterstützung des Bundes. „Viele Ganztagsangebote in Schleswig-Holstein sind unterfinanziert. Es gibt noch immer 34 Grundschulen, die gar kein Ganztagsangebot vorhalten. Das wollen wir ändern“, sagte Prien. „Die Eltern im ganzen Land sollen sicher sein, dass ihre Kinder auch nach Schulschluss gut betreut werden“, so die Ministerin. Bis 2022 solle das Ganztagsangebot modernisiert und ausgebaut sein. Wegen der unterschiedlichen Finanzkraft der Länder sehe sie aber auch den Bund in der Pflicht. Prien schielt auf zusätzliche Bundesmittel.

Der Bildungsmonitor sei jedoch vor allem aus der Interessenslage der Wirtschaft geschrieben und gebe daher „nicht die gesamte Leistungsstärke des schleswig-holsteinischen Bildungssystems wieder“, hieß es aus Kiel. „Dennoch gilt: Defizite müssen erkannt und benannt werden, um sie abstellen zu können“, sagte Ministerin Prien.

Elternverbände hatten erst vor wenigen Wochen auf einen „riesigen Nachholbedarf“ beim Ganztagsangebot an Schulen und Kitas hingewiesen. Laut Bildungsmonitor lag die Ganztagsquote bei den drei- bis sechsjährigen Kindern 2016 im Norden deutlich unter dem Bundesschnitt – genauso wie bei Grundschülern und Schülern in der Sekundarstufe I.
Beim Bildungsmonitor sprang jetzt Platz 13 heraus. Weil das kein Ruhmesblatt ist, beeilte sich das Kieler Bildungsministerium unter neuer CDU-Führung, seine Reaktion auf das Papier bereits am Morgen abzusetzen. Der Bildungsmonitor sei vor allem aus der Interessenslage der Wirtschaft geschrieben und gebe daher „nicht die gesamte Leistungsstärke des schleswig-holsteinischen Bildungssystems wieder“, hieß es da. „Dennoch gilt: Defizite müssen erkannt und benannt werden, um sie abstellen zu können“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU).

Die Liste der Defizite, die die Studie Schleswig-Holstein vorhält, ist lang:
Ein duales Studium beginnen so wenige Studienanfänger wie in keinem anderen Bundesland.

Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern lag die Quote an Ganztagsbetreuung 2016 mit 31 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts von 44,5 Prozent.
Unterdurchschnittlich war auch die Ganztagsquote bei den Grundschülern und den Schülern in der Sekundarstufe I. Im Untersuchungsjahr 2015 begrugt der Anteil 19,9 bzw. 30,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 34,4 beziehungsweise 41,5 Prozent).

In der beruflichen Bildung schnitt Schleswig-Holstein bei der Quote an unversorgten Bewerbern mit 12,6 Prozent ebenfalls schlechter ab als der Bundesdurchschnitt (9,5 Prozent). Darüber hinaus war die Erfolgsquote von nur 67,8 Prozent bei Prüfungen an Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen die zweitniedrigste aller Bundesländer. In puncto Fortbildungsintensität stand Schleswig-Holstein ebenfalls nicht gut da.

Eine unterdurchschnittliche Betreuungsrelation weist der Norden nicht nur an den Schulen, sondern auch an den Hochschulen auf. Auf einen Professor, Dozenten oder Lehrbeauftragten kamen 19,5 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,4).

Vergleichsweise wenig ausländische Studenten lernen in Schleswig-Holstein. Ihr Anteil an allen Studierenden war mit 6,1 Prozent der niedrigste Wert aller Länder (Bundesdurchschnitt: 9,5).

Der Anteil von Grundschülern, die Fremdsprachenunterricht haben, blieb mit 48,7 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 67,1 Prozent.
„Bundesweit gibt es kaum noch Fortschritte in den Bildungssystemen“, bedauerte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Laut Studie besteht ein Mehrbedarf an Bildungsinvestitionen von zwölf Milliarden Euro jährlich.

Die Bundesländer ließen in ihren Anstrengungen für ein besseres Bildungssystem zuletzt nach, kritisieren die Macher der Studie. Bei wichtigen Indikatoren seien sogar Rückschritte zu verzeichnen. So sei die Schulabbrecherquote unter Ausländern zuletzt gestiegen, der Anteil leseschwacher Schüler habe zugenommen

Curd Tönnemann

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