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Norddeutschland Studie: Schleswig-Holsteins Viertklässler sind gut in Deutsch
Nachrichten Norddeutschland Studie: Schleswig-Holsteins Viertklässler sind gut in Deutsch
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22:33 13.10.2017
In einem bundesweiten Vergleich schneiden Schleswig-Holsteins Viertklässler noch ganz gut ab. Quelle: dpa
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Kiel/Berlin

„Nüchtern betrachtet stagniert das Leistungsvermögen in Schleswig-Holstein“, erklärt Bildungsministerin Karin Prien (CDU) das Ergebnis der Studie IQB-Bildungstrend, die die Kultusministerkonferenz gestern präsentierte. Danach haben sich die Viertklässler bundesweit innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Die Lesekompetenz ist dagegen auf ähnlichem Niveau geblieben. In Schleswig-Holstein gebe es diese Kompetenz-Verschlechterung nicht, „allerdings auch keine Verbesserungen“, sagt die Ministerin.

In der Rangfolge der Bundesländer liegt das nördlichste Bundesland auf Platz 6 in Mathematik (zuvor Platz 13), beim Lesen und Zuhören auf Platz 3 und 2 (zuvor Platz 9 und 3). Erstmals abgefragt wurde auch die Rechtschreibung, da erreichten Schleswig-Holsteins Schüler Platz 6. Das Ergebnis sei „nicht befriedigend“, so Prien. Es bleibe viel zu tun. Auch FDP und Grüne sehen keinen Grund für Euphorie. „Denn die Studie bezieht sich nur auf Mindeststandards“, betont FDP-Bildungsexpertin Anita Klahn. Sie sei vielmehr ein Ansporn, nicht nachzulassen.

Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologen-Verbandes Schleswig-Holstein, nennt den IQB-Bildungstrend „alarmierend“. „Nur weil andere schlechter geworden sind, stehen wir ja nicht wirklich gut da.“

Das Bildungssystem bewege sich in ganz Deutschland nach unten. Schätzungen seines Verbandes gehen von zehn bis 15 Prozent Unterrichtsausfall aus. Da müsse man ansetzen. Auch „Experimente“ wie etwa das Schreiben nach Gehör müssten beendet werden, fordert Siegmon.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt einen immer stärker werdenden Mangel an Grundschullehrern. „Wenn es uns nicht gelingt, diesen zu stoppen, werden die Leistungen der Schüler beim nächsten Vergleich mit Sicherheit schlechter ausfallen“, erklärt GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Sie forderte eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Grundschullehrer.

Im Ministerium sieht man sich auf dem rechten Weg. „Es ist richtig, in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt auf die Unterrichtsqualität bei den Grundschulen zu legen“, betont Prien. So soll es in der 1. und 2. Klasse jeweils eine Stunde mehr Unterricht geben. Geplant ist zudem, die verbundene Schreibschrift verpflichtend zu machen und Schülern am Ende der Grundschule einen Grundwortschatz von rund 800 Wörtern vermittelt zu haben. Zugleich solle die Ausbildung der Lehrkräfte verbessert werden. Angestrebt wird zudem eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung.

Im Schuljahr 2015/16 konnten nach einer Auflistung des Bildungsministeriums 7,6 Prozent der Unterrichtsstunden nicht wie geplant stattfinden. Ein Großteil wurde von Ersatzkräften aufgefangen, 0,4 Prozent fielen tatsächlich aus.

Leistungsstand getestet

Das IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) hat geprüft, inwieweit Schüler die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz in Deutsch und Mathematik erreichen.

Untersucht wurde der Leistungsstand von 29 295 Viertklässlern von 1508 Grundschulen aus allen 16 Bundesländern. Als Referenz dient die Vorgängererhebung von 2011. Seit damals ist der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund gestiegen.

 Julia Paulat

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