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Norddeutschland Studie: Schulen hinken der Digitalisierung hinterher
Nachrichten Norddeutschland Studie: Schulen hinken der Digitalisierung hinterher
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20:45 15.09.2017
2000 Schüler, Lehrer und Schulleitungen sowie Experten aus Politik und Verwaltung wurden für die bundesweite Studie befragt.
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Kiel

IT-Experten stimmen zu. Viele Politiker widersprechen. Das Land sei auf einem guten Weg. Und außerdem sei Digitalisierung nicht alles, was in der Schule wichtig sei.

2000 Schüler, Lehrer und Schulleitungen sowie Experten aus Politik und Verwaltung hat die vom Physiker, Ex-Unternehmensberater und Hamburger Ex-Wissenschaftssenator Jörg Dräger geführte Stiftung für die Studie befragt. Bundesweit. Dass die Digitalisierung auch das Lernen verändert, sei in vielen Schulen angekommen, so das Fazit der Wissenschaftler. Im Schulalltag würden aber nicht einmal zehn Prozent der Lehrer digitale Medien wie Lern-Apps, Lernspiele oder Simulationen einsetzen.

Kommentar zum Thema: Das muss uns nicht beunruhigen

Selbst längst etablierte Medien wie Youtube, Wiki-Nachschlagehilfen oder Power Point kämen im Unterricht nur gelegentlich zum Einsatz, heißt es in der Studie. Es fehlten in der Regel die pädagogischen Konzepte. Viele Lehrer würden auch die unzureichende technische Ausstattung dafür verantwortlich machen. Jörg Dräger fordert daher eine „Digitalisierungsoffensive“ für die Schulen. „Es wurde jahrelang versäumt, in die digitale Infrastruktur zu investieren“, kritisiert auch Stefan Stengel, der mit seiner Lübecker Firma Glocal Consult Firmen bei Digitalisierungsprozessen berät und begleitet.

Im Kieler Bildungsministerium verweist man darauf, dass die digitale Bildung schon seit 2014 Schwerpunkt der Politik sei. 113 der 1000 Schulen im Land seien bereits digitale Modellschulen und würden Konzepte zum Lernen mit digitalen Medien erproben. „Es fehlt in Schleswig-Holstein also nicht an Konzepten“, sagt CDU-Ministerin Karin Prien. Auch in der Lehrerausbildung sei Medienkompetenz längst verankert.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat erinnert daran, dass ebenfalls noch auf Initiative der alten Landesregierung alle Schulen bis 2020 ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Seine FDP-Kollegin Anita Klahn glaubt zwar, dass bei der Ausstattung der Schulen noch „einiges zu tun“ sei, sagt aber auch, dass digitale Medien immer nur „Hilfsmittel“ seien, um Unterricht und Lernprozesse zu unterstützen, aber kein „Allheilmittel in der Wissensvermittlung“. Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Astrid Henke, betont:„Wir sollten bei der ganzen Diskussion um die Digitalisierung nicht vergessen, dass für guten Unterricht immer noch gute Lehrerinnen und Lehrer an erster Stelle stehen.“

Tatsächlich glauben auch laut Studie nur 23 Prozent der Lehrer, dass der Einsatz digitaler Medien zu besseren Lernergebnissen führt. 81 Prozent aber seien sicher, dass ihnen eine bessere IT-Struktur in der Schulverwaltung Entlastung bringe, sagt Anita Klahn. Auch diese Potenziale solle man ausschöpfen, „noch vor dem Einsatz von Tablets und Notebooks in Klassenzimmern“. 

Die Landtagsabgeordnete Ines Strehlau (Grüne) fordert mehr Geld vom Bund. „Die Digitalisierung an Schulen ist mit hohen Kosten verbunden“, sagt Strehlau. Sie sei optimal nur mit weiterer finanzieller Unterstützung vom Bund zu bewältigen. Die jüngste Bertelsmann-Studie dazu mache deutlich, dass der digitale Wandel in vollem Gange sei. „Er wird Schule grundlegend verändern.“ Die „Kreidezeit in den Klassenzimmern“ müsse abgelöst werden.

„Viel Geld“ werde das kosten, glaubt auch der Lübecker IT-Unternehmer Stefan Stengel. Außerdem müsse in die Lehrerausbildung investiert werden. Und in breit verfügbareres digitales Lehrmaterial. „Dort den Rückstand aufzuholen, ist wesentlich schwieriger und zeitaufwendiger als das Aufrüsten der Technik“, sagt Stefan Stengel. Es sei aber „notwendiger denn je“. 

Von Wolfram Hammer

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