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22:28 28.10.2013
Das Orkantief „Christian“ hat für einen Ausnahmezustand in Schleswig-Holstein und weiten Teilen Deutschlands gesorgt. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Das Orkantief „Christian“ hat für einen Ausnahmezustand in Schleswig-Holstein und weiten Teilen Deutschlands gesorgt: Die Bahn stellte ihren Regionalverkehr im Norden komplett ein, Bäume entwurzelten, Autos wurden von durch die Luft wirbelnden Gegenständen beschädigt, Dächer abgedeckt, Strom-, Telefon- und Handynetze in Lübeck und dem Umland brachen zusammen.

In Schleswig-Holstein fordert der Orkan mindestens zwei Todesopfer. In Göhl (Kreis Ostholstein) wird eine Frau von einer umstürzenden Mauer erdrückt; in Flensburg ein Mann von einem Baum erschlagen. In Itzehoe (Kreis Steinburg) fällt ein Mann vom Dach eines Hauses. Er liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Kliniken berichten von vielen Sturmopfern mit schweren Schnittverletzungen.

Die Deutsche Bahn muss um 14.30 Uhr kapitulieren. „Im gesamten Norden fahren keine Züge mehr“, sagt eine Bahnsprecherin am Nachmittag. In Hamburg sind auch die S-Bahnen betroffen. Bäume liegen auf Oberleitungen und Gleisen. Auch der Straßenverkehr läuft eingeschränkt: Auf der A1 sorgen armdicke Äste für Behinderungen genauso wie auf vielen Bundes- und Landesstraßen. Die Rader Hochbrücke wird gesperrt – erstmals in ihrer Geschichte.

Am Lübecker Neuhof demoliert ein umgestürzter Baum vier Autos. Eine Fahrzeuginsassin wird schwerverletzt in eine Klinik eingeliefert. Der mit abgedeckten Ziegeln übersäte Bahnhofsvorplatz muss gesperrt werden. Der Busverkehr wird umgeleitet. Dadurch kommt es zu Verspätungen im gesamten Liniennetz. Die Priwallfähre stellt ihren Betrieb ein.
Im Lübecker Stadtteil St. Lorenz fällt ein Trafo aus. Vorübergehend sind alle Haushalte ohne Strom. Auch im Umland kommt es zu Stromausfällen (etwa in den Bereichen Nusse und Lensahn) oder zu Schwankungen im Netz. Auslöser für die Störungen seien umherfliegende Äste, die sich in Hochspannungsleitungen und Umspannwerke verfangen haben – oder Bäume, die in die Mittelspannung gestürzt sind, teilt die Schleswig-Holstein Netz AG mit. Alle verfügbaren Kräfte seien an den Brennpunkten im Land zusammengefasst.

Im Kreis Segeberg werden kurz nach halb vier Uhr alle verfügbaren Kräfte zu den Wehren gerufen. Vorrang haben Einsätze, bei denen Menschen verletzt wurden. Im Ostholsteinischen wird ein Großteil der Windräder abgeschaltet – aus Sorge, dass die Rotoren überdrehen. Auf dem Hamburger Flughafen heben bereits ab 15 Uhr keine Maschinen mehr ab. Für Passagiere gilt auf dem Rollfeld ein Ein- und Ausstiegsverbot.

Das Dach der Uni Flensburg liegt in Stücken auf der Straße. Die Traglufthalle des Schwimmbads in Neumünster ist eingestürzt. An der Westküste schränken Fährlinien ihren Verkehr ein. Schulkinder in Nordfriesland bekommen „sturmfrei“. Die Landespolizei sieht sich am Abend außerstande, einen Überblick über die Schäden zu geben. „Wir haben alle Hände voll zu tun“, sagt ein Sprecher. Die Feuerwehr im Norden zählt mehr als 1000 Einsätze. Europaweit sterben mindestens 14 Menschen.

Orkan trifft Norddeutschland mit voller Wucht

Das Orkantief ist gestern mit bis zu 173 Stundenkilometern über Schleswig-Holstein hinweg gefegt. Gemessen wurde der Spitzenwert in St. Peter-Ording. 162 km/h wurden auf einem Feuerschiff ermittelt, das sich in der Deutschen Bucht aufhielt. Auf Helgoland wurden Böen bis zu 137 Stundenkilometern erreicht. Das teilte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit. In List auf Sylt tobte der Sturm mit 80 Knoten, umgerechnet knapp 150 Stundenkilometer. Noch stärker wütete er mit 82 Knoten auf Hallig Hooge. Der Hamburger Hafen bereitete sich auf Hochwasser vor. Das Internet-Portal „Unwetterzentrale.de“ berichtete von Orkanböen bis 170 km/h auf der ostfriesischen Insel Juist. Nachbar Borkum meldete später 191 km/h. Bereits ab 118 Stundenkilometer oder 12 Windstärken bezeichnet man einen Sturm als Orkan.

Curd Tönnemann

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