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Norddeutschland Sturmflut: Bäder wollen Landeshilfe
Nachrichten Norddeutschland Sturmflut: Bäder wollen Landeshilfe
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21:30 14.01.2017
Die Kommunen fordern, dass das Land einen Teil der Reparaturkosten der Sturmflut Anfang Januar übernimmt. Quelle: Peter Mantik
Kiel/Heiligenhafen

Das Kieler Umweltministerium lässt nicht mit sich reden: Kommunen müssen Schäden, die die Sturmflut vor einer Woche verursacht hat, im Wesentlichen aus der eigenen Tasche bezahlen. Ausgenommen sind lediglich Landesdeiche, Inseln und Halligen. Bürgermeister an der Küste fordern die Regierung bisher vergeblich auf, finanzielle Unterstützung für die Wiederherstellung zerstörter Strände zu leisten. „Was Mecklenburg-Vorpommern kann, sollte doch auch in Schleswig-Holstein möglich sein“, appelliert Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) an Kiel.

Heiligenhafen ist besonders gebeutelt. Am fast zwei Kilometer langen Strand seien „wahnsinnige Mengen an Sand“ weggeschwommen. Auf dem Graswarder sehe es „besonders grausam“ aus. Insgesamt belaufe sich der Schaden auf rund zwei Millionen Euro. Das Umweltministerium aber schalte auf stur, zeigt Müller sich enttäuscht.

In Mecklenburg-Vorpommern hat Umweltminister Till Backhaus (SPD) Soforthilfen des Landes angekündigt. Mecklenburg-Vorpommern will zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen und die Summe gegebenenfalls aufstocken. „Wir möchten auch einen Sandfonds“, fordert Müller. Seine letzte Hoffnung setzt er jetzt auf Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD).

Millionenschäden

Die schwerste Sturmflut seit 2006 hat in der ersten Januar-Woche Millionenschäden in Schleswig-Holstein verursacht. Besonders schlimm betroffen war an der Ostsee das ostholsteinische Heiligenhafen mit dem vorgelagerten Stein- und Graswarder. Größere Schäden meldet auch Kellenhusen. Am Lensterstrand bei Grömitz nagte der „Blanke Hans“ ein wenig an der Düne.

Kopfschütteln über das Verhalten der Landesregierung auch in Kellenhusen. „Wenn es keinen Tourismus mehr vor dem Deich gibt, ist die Wirtschaft im Ort tot“, sagt Bürgermeister Carsten Nebel. „Für Sandaufspülungen auf Sylt gibt das Land jährlich Millionen aus, für uns nicht. Das passt nicht“, empört Nebel sich. In Kellenhusen haben Sandverluste einen Schaden von mindestens 100 000 Euro verursacht. Am Kurstrand liegt stellenweise die Geröllschicht frei.

Gezahlt hat das Land dagegen für einen unterspülten Regionaldeich auf Fehmarn, der wegen der Insellage einen Sonderstatus genießt. Bei Wallnau drohte bei der letzten Sturmflut ein Durchbruch.

Das Umweltministerium sei zwar für den Küstenschutz zuständig, nicht aber für die touristische Nutzung der Strandbereiche. Die Hochwassersicherheit sei gewährleistet, rechtfertigt Ministeriumssprecher Sönke Wendland das Vorgehen. Auch aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, Hilfszahlungen aus vorhandenen Fördertöpfen seien nicht möglich, weil sonst Ärger mit der EU drohe. Tourismusminister Meyer sagte immerhin zu, mit den Kommunen ins Gespräch kommen zu wollen. Vielleicht könne im Schulterschluss mit dem Innenministerium „irgendeine begleitende Unterstützung“ möglich gemacht werden. Dafür brauche die Regierung vorab eine genaue Bestandsaufnahme aller Schäden.

Curd Tönnemann

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