Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Sturmtief fegt über Deutschland
Nachrichten Norddeutschland Sturmtief fegt über Deutschland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:49 04.01.2018
Mit orkanartigen Böen von mehr als 120 Kilometer pro Stunde hat Tief „Burglind“ gestern in Wilhelmshaven die Nordsee-Küste getroffen. Quelle: Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Lübeck/Kiel

Nach „Xavier“ und „Herwart“ fegt nun Sturmtief „Burglind“ über Deutschland. Gestern morgen waren vor allem der Süden und Westen von orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometer pro Stunde getroffen worden. Umgestürzte Bäume und heftiger Regen behinderten in mehreren Bundesländern den Verkehr. Die Deutsche Bahn musste in Nordrhein-Westfalen einige Bahnstrecken vorübergehend sperren. Züge verspäteten sich.

Auch der Norden blieb nicht verschont: Der Deutsche Wetterdienst warnte an der Nordseeküste vor schweren Sturmböen und Orkanböen. Vorsorglich wurde in Cuxhaven die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland eingestellt. Auch von Wangerooge fuhr die letzte Fähre schon am Vormittag. Seit dem frühen Nachmittag fielen auch die Fähren nach Norderney aus. In Niedersachsen stürzte eine Windkraftanlage um.

In Schleswig-Holstein traf es am Abend und in der Nacht die Region um die Elbmündung am stärksten. „Im Kreis Dithmarschen ist mit Sturmböen der Stärke zehn zu rechnen“, sagte Meteorologe Christoph Lerchl von Wetterwelt in Kiel gestern. Auch vereinzelte Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde seien nicht ausgeschlossen. Bei Stürmen dieser Stärke können Bäume entwurzelt werden. Auch leichte Schäden an Häusern seien nicht auszuschließen. Richtung Sylt und Flensburger Förde verlor das Sturmtief immer stärker an Kraft. So meldete der Fährbetrieb zur Insel Föhr in Dagebüll keine Einschränkungen im Fahrplan.

Auch Lübeck ist von abgeschwächten Ausläufern „Burglinds“ getroffen worden. „Die Hansestadt lag mit Sturmstärke acht eher auf der ruhigeren Seite“, sagte Wetterexperte Lerchl am Nachmittag. Die Feuerwehr Lübeck blieb trotzdem in Bereitschaft. „Die Kollegen in der Leitstelle haben das Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes im Blick und rücken aus, sobald etwas passiert“, sagte Feuerwehrsprecher Björn von Mattefy. Bis Redaktionsschluss waren keine größeren Schäden im Norden bekannt.

Sturmtief „Burglind“ war schwächer als seine beiden Vorgänger „Xavier“und „Herwart“. Ganz allgemein gesehen rechnet Lerchl mit einem leichten Anstieg der Zahl solcher Sturmtiefs. „Die letzten Stürme machen da aber noch keinen Ausschlag.“ Tiefs wie diese seien ganz normal und habe es schon früher gegeben.

Tief „Burglinde“ könnte auch positive Effekte nach sich ziehen und einem Hochdruckgebiet aus Skandinavien zum Durchbruch verhelfen. Damit könnte nach dem Sturmtief in der kommenden Woche Sonnenschein mit einem kleinem Kälteeinbruch folgen. Dank Temperaturen um den Gefrierpunkt sei auch die Wahrscheinlichkeit von Schneefall in diesem Winter noch nicht ganz vom Tisch, so der Meteorologe. „Ganz vorsichtig darf mit Schnee gerechnet werden.“

Wer zahlt für Schäden?

Sturmschäden am Haus sind in der Regel über die Hausrat- oder die Wohngebäudeversicherung abgesichert. Voraussetzung ist, dass der Sturm tatsächlich die Ursache des Schadens ist. Darauf weist der Bund der Versicherten (BdV) hin. Für bewegliche Gegenstände ist die Hausratversicherung zuständig – sie übernimmt Schäden, wenn der Sturm zum Beispiel das Dach abgedeckt hat und die Möbel nass und unbrauchbar geworden sind. Betroffene melden sich am besten schnellstmöglich bei ihrer Versicherung. Hat ein Unwetter ein Auto beschädigt, sollten Besitzer dies umgehend ihrer Kfz-Teilkaskoversicherung melden. Oft müssen sie die Meldung durch Angaben des Wetteramtes ergänzen, erläutert der ADAC. Denn der Wind muss zum Zeitpunkt der Beschädigung mindestens die Windstärke acht gehabt haben.

Ein Tief kostet 199 Euro

Sturmtief „Burglind“ verdankt seinen Namen einer Berlinerin. Sie habe sich die Wetterpatenschaft für das zweite Tiefdruckgebiet dieses Jahres selbst geschenkt, sagte eine Mitarbeiterin des Instituts für Meteorologie der Freien Universität (FU) Berlin. Das Institut der FU vergibt seit 1954 Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. In diesem Jahr bekommen die Tiefs weibliche, die Hochs männliche Namen. Begonnen wird am Jahresanfang immer mit „A“. „Burglind“ ist bereits das Tief „Alja“ vorausgegangen.

Patenschaften für Hochdruckgebiete kosten den Angaben zufolge 299 Euro, bei den Tiefdruckgebieten sind es 199 Euro. In diesem Jahr werden noch Namensgeber für Tiefdruckgebiete mit den Anfangsbuchstaben „Q“ und „X“ gesucht. Bei den Hochdruckgebieten „Q“, „X“, „Y“ und „Z“.

 Saskia Hassink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!