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Norddeutschland Sturz in den Tod: Rätsel um Tatmotiv
Nachrichten Norddeutschland Sturz in den Tod: Rätsel um Tatmotiv
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15:26 18.10.2012
Trauernde haben am Hochhaus Blumen und Kerzen abgelegt. Auf dem Foto ist Evita mit Freundinnen zu sehen.
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Segeberg

Warum dringen zwei Männer am frühen Morgen in eine Wohnung ein und zetteln eine Schlägerei mit Partygästen an? Warum ist eine junge Frau davon so verängstigt, dass sie versucht, über den Balkon zu entkommen und dabei in den Tod stürzt? Staatsanwaltschaft, Polizei und Familie des Opfers Evita R. stellten sich gestern weiter Fragen nach den Hintergründe der schrecklichen Tragödie von Sonntagnacht in Trappenkamp (die LN berichteten). Zumindest einer der Verdächtigen, der 18-jährige Artur W., soll in der 5000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Segeberg unter Jugendlichen schon länger Angst und Schrecken verbreitet haben.„Der war unter den jungen Leuten hier sehr bekannt“, berichtet eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Sogar meinen Sohn hat er schon mal mit einem Messer bedroht – das war noch in der Grundschule.“ Die Polizei ordnet Artur W. in die Kategorie „jugendlicher Intensivtäter“ ein. Dazu zählt, wer innerhalb eines Jahres mehrfach durch Straftaten aufgefallen ist. So stand W. im August 2010 bereits als 15-Jähriger vor dem Amtsgericht Bad Segeberg. Er und seine Freunde, die sich selbst als TTC, als „Trappenkamper Terror Crew“, bezeichneten, wurden der gemeinschaftlichen Körperverletzung in zwei Fällen und des Fahrens ohne Fahrerlaubnis beschuldigt und dafür verurteilt. Der Begriff „TTC“ ist auch auf der Facebook-Seite des Verdächtigen zu lesen, wo sich Artur W. mit Sonnenbrille und in Hip-Hop-Pose präsentiert. Im Trappenkamper Jugendzentrum sei Artur W. ebenfalls bekannt gewesen. Wie Dieter Wendt, bis vor kurzem Jugendpfleger der Gemeinde, den LN sagte, habe es sich aber um einen „ruhigen, unauffälligen Jungen“ gehandelt. Über den zweiten Verdächtigen, einen 30-Jährigen namens Timo, ist wenig bekannt. Er soll sich aber wegen eines Körperverletzungsdelikts nur zur Bewährung auf freiem Fuß befunden haben. Beide befinden sich zurzeit in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Ob Täter und Opfer in irgendeiner Beziehung zueinander standen, ist nach Angaben der zuständigen Oberstaatsanwältin Birgit Heß noch unklar. Der Stiefvater von Evita R. macht die beiden Verdächtigen bisher nicht unmittelbar für den Tod der 18-Jährigen verantwortlich. Er glaubt an einen tragischen Unglücksfall. „Ich denke nicht, dass die Täter Evita zu Tode hetzen wollten“, sagt er den LN. Er könne sich vorstellen, dass seine Stieftochter in Panik ausgebrochen war und ihr als einziger Ausweg nur der Balkon im elften Stockwerk geblieben sei. In Trappenkamp gibt es sehr viele soziale Probleme und Straßengangs, die sich manchmal auch mit körperlicher Gewalt bekriegen. Dem Stiefvater ist es aber wichtig klarzustellen, dass Evita sich nicht in einer merkwürdigen Gesellschaft befand. „Sie war in einem ganz normalen Freundeskreis“, betont er. Evita sei eine normale hübsche junge Frau, „die am Anfang ihres Lebens stand“. Sie hatte ihre Berufsausbildung gemacht und wollte „jetzt eigentlich durchstarten“, erzählt der Stiefvater. wgl/ark/ov

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