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Norddeutschland Sylt – Urlaub ja, Arbeit nein
Nachrichten Norddeutschland Sylt – Urlaub ja, Arbeit nein
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18:10 28.07.2018
Besucher gibt es genug: Passanten flanieren durch die Friedrichstraße von Westerland auf Sylt. Quelle: Foto: Dpa

Bei der zuständigen Arbeitsagentur in Flensburg waren im Juni 388 offene Stellen gemeldet. Vor allem Fachkräfte fehlen. Krankenpfleger, Verkäufer, Tischler

und Hotelfachleute werden auf Sylt dringend gesucht.

Besonders das Gastgewerbe sucht dringend Personal. In Hotels und Restaurants gab es 160 offene Stellen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf Sylt bot Mitte Juli online mehr als 110 offene Stellen an.

Ein Problem: Die Insel kämpfe um die gleichen Arbeitskräfte wie die Betriebe auf dem Festland, sagt der Sprecher der Flensburger Agentur für Arbeit, Christian Groborsch. „Und die Chance, auf dem Festland eine gut bezahlte Stelle zu bekommen, ist derzeit sehr gut.“

Viele Arbeitnehmer fragten sich also, warum sie den Pendelstress auf sich nehmen sollten – zumal die Probleme auf der Bahnstrecke nach Sylt in den vergangenen Jahren nicht weniger geworden sind. „Durch die Probleme auf der Marschbahn ist die Motivation, auf der Insel zu arbeiten, für viele noch geringer geworden.“

Ein Problem, das auch Karl Max Hellner kennt. Hellner besitzt mehrere Modehäuser auf Sylt und ist Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer. 60 Prozent seiner Mitarbeiter pendeln vom Festland auf die Insel. „Die Stimmung ist schlecht“, sagt er. Offizielle Zahlen gibt es zwar keine, aber dass Mitarbeiter aus Frust über die Bahn kündigen, sei bekannt. „Wir kriegen weniger Bewerbungen als vor ein, zwei Jahren.“

Eine von denen, die das Pendeln nicht mehr aushielt, ist Jasmin A. Vor zwei Jahren ist die junge Frau mit Mann und Sohn von Hamburg in einen kleinen Ort in Nordfriesland gezogen. Ihr Mann hat einen guten Job auf der Nordseeinsel gefunden.

Seit August 2016 arbeitete Jasmin A. ebenfalls auf Sylt. Und empfand die Situation mit der Bahn von Anfang an als katastrophal, wie sie sagt. „Im Sommer sind die Züge total überfüllt und fallen ständig aus, wegen der Hitze oder wegen irgendwelcher Störungen.“ Im vergangenen Jahr entschied sie dann, so schnell wie möglich in einen Job auf dem Festland zu wechseln. „Das Familienleben hat sehr darunter gelitten, da wir beide auf der Insel gearbeitet haben und unser dreijähriger Sohn auf dem Festland in der Kita war.“ Sie berichtet vom Druck, der auf einem lastet, wenn der Zug mal wieder Verspätung hat und die Kita bald schließt. „Das war furchtbar.“

Die Bahn hatte zuletzt angekündigt, massiv in die Strecke investieren zu wollen. Nicht nur die Sylter warten darauf.

LN

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