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Norddeutschland Tagestour nach...Lüneburg: Lübecks kleine Schwester
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18:44 20.05.2017
Am Stintmarkt fließt die Ilmenau vorbei – alte Kähne und ein mittelalterlicher Kran beleben das Bild. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Lüneburg, Schwesterstadt von Lübeck, Mitglied der Hanse, reich geworden durch den Salzhandel. Früher gab es rege Handelsbeziehungen – und auch heute ist Lüneburg einen Besuch wert. Wir waren dort: An einem Tag lässt sich in der früheren Salzstadt eine Menge erleben.

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Am Stintmarkt fließt die Ilmenau vorbei – alte Kähne und ein mittelalterlicher Kran beleben das Bild.

11 Uhr: Wasserturm. Es empfiehlt sich, die Stadtbesichtigung mit dem Wasserturm zu beginnen. Er liegt am östlichen Rand der Altstadt, wo die Ilmenau vorbeifließt.

Es gibt gute Parkmöglichkeiten und nicht zuletzt bietet sich von der per Aufzug erreichbaren Aussichtsplattform in 56 Metern Höhe eine traumhafte Aussicht über den historischen Ortskern.

Sabine Heeschen (58) hat diesen Blick fast jeden Tag. „Ich mache hier oben immer sauber“, verrät sie. Mit Schrubber und Wischeimer wird die Plattform gereinigt, damit die Touristen sich dort oben auch wohl fühlen können. „Schon der vielen Tauben wegen“, begründet Sabine Heeschen. Außerdem fegt sie die 298 Stufen der Treppe zur Turmspitze.

12 Uhr. Der Platz Am Sande mit der Johanniskirche. Er ist gesäumt von alten Giebelhäusern, darunter das einstige Brauhaus und die Industrie- und Handelskammer.

Die ältesten Giebel stammen aus dem 14. Jahrhundert. Es gibt einige Restaurants und Cafés. Gegenüber der Johannis-Kirche, einem Monument der Backsteingotik, befindet sich das Antiquitätengeschäft von Dino Turudda (74). Wer alte Gemälde, einen Säbel oder einen Zylinderhut sucht, wird sicher fündig.

13 Uhr. Salzmuseum. Über die Heiligengeiststraße gelangt man zum St. Lamberti-Platz und zum Salzmuseum. Dort wird an die Förderung des „weißen Goldes“ erinnert, das Lüneburg einst reich machte. Eine Saline ist nachgebaut worden, ebenso ein mittelalterlicher Siede-Raum, zahlreiche Geräte und Werkzeuge sind zu sehen.

14 Uhr. St. Michaelis. An den St. Lamberti-Platz grenzt das „Senkungsgebiet“, das über dem Salzstock steht. Viele Wände der alten Häuser dort haben sich im Laufe der Zeit geneigt, einige mussten abgerissen werden. Sogar zwei Kirchen ereilte im 19. Jahrhundert dieses Schicksal. In St. Michaelis – eine der großen Stadtkirchen, die aus dem 14. Jahrhundert stammt – ist an den schiefen Gewölbepfeilern erkennbar, wie die Bodensenkung die Statik beeinträchtigt hat.

Die Orgel wurde im Jahr 1708 von Matthias Dropa, einem Schüler des berühmten Orgelbauers Arp Schnittger gebaut. Unter dem Fußboden liegt die Fürstengruft. Sie enthält die Überreste der von 973 bis 1471 bestatteten Herzöge, darunter die Linien von Braunschweig und Lüneburg, Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg.

Jürgen Meyermann (57) ist seit 30 Jahren Küster; in der Gruft war er noch nie. „Ich hätte sie mir schon gerne einmal angesehen.“ Seines Wissens wurde die Begräbnisstätte seit dem Krieg nicht mehr geöffnet. „Es sind zwei Gewölberäume voller Särge.“

15 Uhr. Rathaus. Über die Straße Auf dem Meere mit ihren Giebeln geht es zum Rathaus. In der Waagestraße steht eines der vielen „schwangeren Häuser“ von Lüneburg. Die Außenfassade hat sich stark gewölbt, was auf die Verwendung des hier vorkommenden feuchtigkeitsanfälligen Gipsmörtels zurückzuführen ist.

Das Rathaus selbst kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Es lohnt sich: Die Räume sind überwiegend in ihrer mittelalterlichen Ausführung erhalten. In der holzgetäfelten Kanzlei wird ein Wildschweinknochen aufbewahrt, der an die Entdeckung der ersten Salzquelle vor über 1000 Jahren erinnert: Damals wurde eine weiße Sau erlegt. Das Salz hatte ihre Borsten weiß gefärbt. „Wir haben nie nachgeprüft, ob es wirklich der Knochen von damals ist“, sagt Rathaus-Führerin Ulrike Grudda (52). „Wir gehen mal davon aus.“

In der Gerichtslaube von 1330 befindet sich noch der beheizbare Originalfußboden. Die Fenster, die antike Helden darstellen, sind aus dem 14. Jahrhundert.

16 Uhr. Am Stintmarkt. In Richtung Osten gelangt man auf direktem Weg zum Stintmarkt, der idyllisch an der Ilmenau gelegen ist. Hier ist ein guter Platz für eine Rast. Am Ufer des von historischen Gebäuden gesäumten Flusses laden die Tische der umliegenden Lokale zum Verweilen ein.

17 Uhr. Museum Lüneburg. Das Stadtmuseum, nicht weit vom Wasserturm gelegen, ist eine wahre Schatztruhe. Besonders stolz ist Museumsdirektorin Heike Düselder (51) auf den bemalten Falttisch aus der Lüneburg, die einst auf dem Kalkberg im Westen hinter dem Senkungsgebiet stand. „1371 wurde die Burg zerstört“, erläutert Heike Düselder. Nur der Falt-Tisch von 1330 hat überlebt.

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 Marcus Stöcklin

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