Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Tamme Hanken: Der Mann, dem die Pferde vertrauen
Nachrichten Norddeutschland Tamme Hanken: Der Mann, dem die Pferde vertrauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:10 11.10.2016
Einmal „Aaah“ sagen, bitte: „Knochenbrecher“ Tamme Hanken (50) kontrolliert „Taras“ (15)Zähne. Dann geht es an die Hufe und ans Einrenken. Quelle: Lutz Roeßler
Anzeige

Riesiger Andrang auf dem Hiller-Hof in der Grapengießerstraße: "XXL-Ostfriese" Tamme Hanken - bekannt aus der gleichnamigen NDR-Serie - bot gestern seine Dienste als "Knochenbrecher" an. Menschen mit Pferden, Hunden und Katzen kamen auf den Hof, um ihre Lieblinge von dem über zwei Meter großen Mann einrenken zu lassen - rund 45 Termine waren bereits im Vorfeld vergeben worden; etwa nochmal so viele Herrchen und Frauchen kamen unangemeldet vorbei.

Ganz zu schweigen von den Zuschauern, die hinter einem Absperrband gespannt die Methoden des Heilpraktikers beobachteten. Sabine Holtmann (39) wartet mit ihrem Shetland-Pony auf ihren Einsatz: "Jolle läuft komisch, und ich hoffe, dass ihr hier geholfen werden kann." Gebannt beobachten Tier und Halterin, wie der 50-jährige Ostfriese einen braunen Norweger einrenkt: Ein kräftiger Ruck an jedem Bein und ein Druck auf die Hüfte, noch einmal auf und ab traben, dann darf die dreijährige "Tammy" wieder in den Hänger. "Sie hat links gelahmt", erklärt Pferdemama Anke Scharnweber (48) ihr Kommen.

Aus Reecke bei Hamberge (Kreis Stormarn) ist sie mit ihrem Mann Thomas (51) angereist, um ihren Liebling behandeln zu lassen. Obendrauf gibt es vom Fachmann Tipps zur richtigen Befestigung des Sattels.

Der Ostfriese selbst nimmt die große Nachfrage gelassen: Entspannt kümmert er sich um ein Tier nach dem anderen, nimmt sich Zeit für die Halter und sorgt mit launigen Scherzen für gute Stimmung. "Die Größe muss ich immer erst probereiten", meint er grinsend, als die kleine "Jolle" schließlich vor ihn treten darf. Weniger Futter und mehr Bewegung verordnet ihr der Fachmann. Nach den Pferden kamen Hunde und Katzen an die Reihe. Arbeiten könne er mit allen Säugetieren vom Land, erklärt der Ostfriese, auch Mäuse, Hamster, Schweine und Hühner zählten zu seinen Patienten.

Meistens kämen zu ihm Tiere, denen in Kliniken nicht geholfen werden konnte. Auf 85 Prozent schätzt er den Anteil, den er wieder kurieren kann. "Schon mein Opa hatte diese Fähigkeit", erklärt Hanken, "und hat sie bei mir auch erkannt - ich bin quasi mit diesem Beruf aufgewachsen."

Der Unterschied zum Tierarzt liege in erster Linie in der Behandlung ohne Medikamente: "Wir arbeiten, wenn überhaupt, mit homöopathischen Mitteln." Gaby Klein vom Hiller-Hof ist selbst ein großer Fan des Ostfriesen mit den magischen Händen: "Meine Holsteiner Stute war nicht reitbar", erinnert sie sich, "jetzt läuft sie wieder Turniere."

Zu verdanken sei das Tamme Hanken, der sich dem Tier vor zwei Jahren angenommen hatte. Tamme Hankens Besuch bei ihr soll nicht der letzte gewesen sein. Spätestens zur Taufe des Fohlens, das ihre Stute gerade austrägt, wird er wieder erwartet: "Denn wenn es ein Hengst wird, soll er Tamme heißen", sagt sie lächelnd.

Von Jennifer Binder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige