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Norddeutschland „Tante Ju“ darf wieder starten
Nachrichten Norddeutschland „Tante Ju“ darf wieder starten
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20:12 06.04.2017
Die Junkers Ju 52, auch „Tante Ju“ genannt, soll nach Sanierungsarbeiten bald wieder zu Rundflügen starten. Quelle: Fotos: Gambarini, Christophe/dpa

Als „fliegendes Denkmal“ ist die in Hamburg stationierte Ju 52 ein Stück Flugzeuggeschichte. „Alles an der Technik ist genial durchdacht“, sagt Horst Zöller von der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung. Der Manager kennt seine „alte Tante Ju“ in- und auswendig. In den vergangenen anderthalb Jahren ist ihr „Skelett“

saniert worden.

Ein Riss im Mittelholm hatte 2015 für das vorzeitige Aus der Flugsaison gesorgt. Dann musste das historische Flugzeug länger als geplant am Boden bleiben. „Es war gar nicht so einfach, die Wirbelsäule zu erneuern“, sagt der Stiftungsvorsitzende Werner Knorr. Nun soll die dreimotorige Propellermaschine mit der charakteristischen Wellblechverkleidung Ende April zu einem ersten Werkstattflug starten. Ab Juni sollen Passagiere die „Tante Ju“ wieder auf Rund- und Streckenflügen erleben.

Am 6. April 1936 war die in Dessau (Sachsen-Anhalt) gebaute Maschine zum ersten Mal abgehoben. Am Jahrestag feiert die Stiftung einen symbolischen „Rollout“ zum Abschluss der Generalüberholung, bei dem das sichtbar unfertige Flugzeug aber noch in der Halle bei Lufthansa Technik bleibt.

Aber werden die 16 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder zukünftig in der Junkers sicher sein? Das ist für die Techniker „gar kein Thema“. Auch nach Ausfall aller drei Motoren könnte die Maschine im Segelflug sicher auf irgendeiner Wiese landen, erklärt Zöller. Auch mit dem gebrochenen Mittelholm sei sie „fail-safe“ (ausfallsicher) gewesen, sagt ein anderer Techniker. Bei der Reparatur half eine Betriebsanleitung von 1944. Demnach könne die Maschine auch mit metergroßen Einschusslöchern in den Flügeln landen. Dennoch verfügt sie längst über moderne Elektronik und Sicherheitssysteme wie Hydraulikbremsen.

Ihre Einsatzgeschichte ist lang: 1936 war die Ju von der Lufthansa an die norwegische Gesellschaft DNL verkauft worden. Von da an verkehrte sie auf der Küstenstrecke zwischen Oslo und Kirkenes. Auf dieser Linie wurde sie auch unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, allerdings als ziviles Flugzeug, betont Zöller. Nach dem Krieg stand sie vor der Verschrottung. Doch der Einbau zahlreicher Teile einer anderen Ju 52 rettete ihr das Leben.

Danach war sie unter anderem in Ecuador im Einsatz. Seit 1986 macht die Maschine Werbung für die Lufthansa und für Hamburg.

Ex-Lufthansachef Jürgen Weber räumt ein, dass Hamburg auch andere Technikdenkmäler wie den Dampfeisbrecher „Stettin“ habe. „Nun aber kehrt mit der Ju 52 ein beliebter Herzensbrecher in die Flugfähigkeit zurück.“

Flugzeug mit Geschichte

Die Junkers Ju 52 ist eine dreimotorige Weiterentwicklung eines einmotorigen Frachtflugzeuges. Die Maschinen sollten in Gegenden mit schlechter Infrastruktur große Frachtmengen befördern.

Ab 1932 bauten die Junkers-Werke und andere Lizenznehmer fast 5000 Maschinen, die für 30 Fluggesellschaften in 25 Ländern weltweit zum Einsatz kamen.

Heute existieren weltweit noch acht flugfähige Maschinen, die vor allem für Rundflüge eingesetzt werden.

Bernhard Sprengel

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