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Norddeutschland Tash kündigt Gastager fristlos, ein Kieler wird neuer Chef
Nachrichten Norddeutschland Tash kündigt Gastager fristlos, ein Kieler wird neuer Chef
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21:56 29.02.2016
Uwe Wanger (58, links), bisheriger Chef des Kiel-Marketing. Fristlos gekündigt: Andrea Gastager (49, rechts). Quelle: Tash, Maxwitat / Montage: kha
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Kiel

Turbulente Tage: Der Aufsichtsrat der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) hat der bereits freigestellten Tash-Geschäftsführerin Andrea Gastager (49) gestern die fristlose Kündigung ausgesprochen. Zugleich wurde Uwe Wanger (58), bisheriger Chef des Kiel-Marketing, zum Interims-Geschäftsführer ernannt. Das teilte die Tash nach einer Sitzung ihres Aufsichtsrates mit.

Gastager, ehemals Tourismusverantwortliche in Lübeck, wird vorgeworfen, private Ausgaben mit einer dienstlichen Kreditkarte getätigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue. In Lübeck dauert eine Sonderprüfung an. „Die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Andrea Gastager machen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich“, sagte Tash-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Bartsch. Der Kieler Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) sagte den LN nach den gestrigen Beschlüssen: „Wichtig ist jetzt der Blick nach vorne. Mit guten Tourismuszahlen im Rücken geht es an neue Ziele.“

Sechs Kandidaten waren für den Aufsichtsrat in Frage gekommen, um die Nachfolge von Gastager anzutreten. Nach Absagen standen am Ende nur noch zwei Personen in der engeren Auswahl, darunter Wanger, der zuletzt die Geschäfte des Kiel-Marketing sowohl in einem Verein als auch in einer GmbH leitete. Zudem ist Wanger, ein gebürtiger Westfale, erster Vorsitzender der Marketingkooperation Städte in Schleswig-Holstein (MakS). „Wir wollten einen Kenner der Szene“, begründete Aufsichtsratschef Bartsch die einstimmige Entscheidung.

Auf die Tash, oberste Marketinggesellschaft des Landes, kommen in den nächsten Monaten weitere Neuerungen zu. Die Gesellschafter, darunter der Hotel- und Gaststättenverband, werden sich von ihren Anteilen trennen und die Tash in Landesregie übergeben. Hintergrund ist eine Änderung im EU-Vergabe- und -Beihilferecht, wonach an eine touristische Organisation mit privaten Akteuren keine öffentlichen Zuwendungen fließen dürfen. Derzeit ermittelten Buchprüfer abhängig vom Jahresabschluss 2015 den Wert der Tash, sagte Bartsch. Ihr Stammkapital liegt bei 150000 Euro. Die zwölf Anteilseigner wollen wenigstens ihre Einlagen zurückbekommen.

Nach der geplanten Übernahme durch das Land wird die Geschäftsführung der Tash neu ausgeschrieben. Es dürfte damit zu rechnen sein, dass Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) größeren Einfluss als bisher geltend macht. Meyer ist auch Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, damit Kenner der Materie. Regionale Tourismusverbände sehen die Entwicklung mit Sorge. Sie befürchten, dass ihnen von Kiel in ihre Marketingpolitik reinregiert wird oder sie gegebenenfalls ganz von der Bildfläche verschwinden sollen. Dieser Befürchtung hat Meyer jedoch bereits widersprochen. Die regionalen Akteure würden gebraucht.

Andrea Gastager, bis vor gut eineinhalb Jahren Geschäftsführerin des Lübeck-und-Travemünde-Marketing (LTM), begann ihre Arbeit bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) 2014 mit einer neuen Kampagne. Der „echte Norden“ soll Glückswachstumsgebiet werden. Verschiedene Aktionen in der Leitfarbe Pink sollen Urlauber in den Norden locken. Die Übernachtungszahlen der Gäste zeigten zuletzt eine steigende Tendenz. Die Kampagne soll jetzt ohne Gastager fortgeführt werden.

Curd Tönnemann

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