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Tatort Kita - Erzieher gesteht Missbrauch von Kindern

Hamburg Tatort Kita - Erzieher gesteht Missbrauch von Kindern

Es geht um schlimme Vorwürfe gegen einen Erzieher: Sexueller Missbrauch und Kinderpornografie. Vor Gericht legt der 30-Jährige bei einem zähen Prozessauftakt ein Geständnis ab. Doch es ist ein irritierender Auftritt des Angeklagten.

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Nach stundenlangem Hin und Her erklärt der 30-Jährige am Montag schließlich: „Dann gestehe ich das eben komplett.“

Quelle: dpa

Hamburg . Für Eltern ist es ein absoluter Alptraum: Ausgerechnet in der Kita, einem Ort des Vertrauens und der Sicherheit, wird ihr Kind Opfer eines sexuellen Missbrauchs. Gleich sechs Mädchen und Jungen hat ein Erzieher in einer kirchlichen Einrichtung in Hamburg-Schnelsen bedrängt - und einige von ihnen in sexuell eindeutigen Posen fotografiert. Bis der Angeklagte die schlimmen Vorwürfe vor dem Hamburger Landgericht einräumt, windet er sich, verheddert sich in Widersprüche, bestreitet Einzelheiten. Nach stundenlangem Hin und Her erklärt der 30-Jährige am Montag schließlich: „Dann gestehe ich das eben komplett.“

Es ist ein merkwürdiger und irritierender Auftritt vor Gericht. Als die Anklage verlesen wird, wirkt der große Mann mit dem dunkelblonden Pferdeschwanz und dem roten Kapuzenpulli völlig ungerührt - als sei er nur unbeteiligter Zuschauer. Dabei lässt selbst die nüchterne Sprache der Justiz Schreckensbilder wach werden. Von versuchtem Beischlaf ist die Rede, von Berührungen an Penis oder Scheide, von zahlreichen Digitalaufnahmen von Geschlechtsteilen in Nahaufnahme. Die Opfer sind drei bis neun Jahre alt.

Als der Angeklagte schließlich mitten in seiner Aussage ist, fängt er unvermittelt an zu weinen. Bei Nachfragen allerdings macht er sofort wieder einen gefassten Eindruck, seine Stimmung scheint wie auf Knopfdruck zu wechseln. Er erklärt, er habe Gelegenheiten in der Kita für seine sexuellen Zwecke ausgenutzt: Als einige Kinder Doktorspiele gemacht hätten, habe er gleich eine nackte Fünfjährige fotografiert. Und einem drei Jahre alten Mädchen habe er mit einer Hand geholfen, die Windel anzuziehen - und mit der anderen Fotos gemacht. „Das Handy hab ich ständig in der Hand.“

Sexuelles Interesse an Jungen bestreitet der 30-Jährige zunächst vehement, bis er schließlich etwas von „Ausläufern“ einer „homosexuellen Phase“ erzählt. Auch beharrt er erst darauf, dass er sich nie vor einem vierjährigen Mädchen ausgezogen habe, auf das er ein ganzes Wochenende lang in seiner Wohnung in Norderstedt aufpassen sollte. Um dann später doch einzuräumen, dass er die Kleine aufgefordert habe, ihn anzufassen. Das Publikum reagiert mit Unmut und Häme auf seine Äußerungen.

Erst nach zähem Ringen und mehrfacher Unterbrechung legt der Angeklagte schließlich ein umfassendes Geständnis ab. Zu viel steht für wohl ihn auf dem Spiel: Alle Prozessbeteiligten - Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und vier Eltern als Nebenkläger - haben sich schon vor seiner Aussage auf einen sogenannten Deal verständigt. Wenn er die Vorwürfe einräumt, wird einer von insgesamt neun angeklagten Fällen eingestellt, der Missbrauch eines vierjährigen Jungen. Dafür bekommt er aller Voraussicht nach eine Strafe von höchstens fünfeinhalb Jahren und ein Berufsverbot. Mit dem juristischen Handel verfolgt das Gericht vor allem das Ziel, den Opfern eine belastende Vernehmung zu ersparen.

Wie sehr das Auftreten des Angeklagten auch an den Nerven der Richter zehrt, zeigt folgender Dialog: Was er denn getan habe, als die Vierjährige, auf die er beim Babysitten aufpassen sollte, nach ihrer Mutter schrie? „Ich hab mich zu ihr gelegt und sie gestreichelt“, sagt der 30-Jährige. „An der Scheide?“, fragt der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann zurück.

Bei der Befragung des Erziehers wird auch bekannt, dass er brutale Gewaltbilder von Kriegskindern und Genitalverstümmelungen auf seinem Computer hatte. Mit den Fotos habe er ein Video machen wollen, sagt der Mann - um zu zeigen und aufzurütteln, „wie schlecht die Menschen miteinander umgehen“. Weißmann befürchtet jedoch eher Gewaltfantasien des Angeklagten: „Wir müssen darüber nachdenken, ob nicht in Ihnen noch irgendetwas schlummert.“

dpa

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