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Test beendet: Abschied vom E-Auto

Ratekau Test beendet: Abschied vom E-Auto

LN-Probefahrer Wolfram Henkies zieht nach einer Woche ein ganz persönliches Fazit.

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Gestern ist der große E-Autotest zu Ende gegangen. Wolfram Henkies war eine Woche lang für die LN als Probefahrer unterwegs und hat den E-Golf im Alltag getestet.

Quelle: Foto: Jan Dresing

Ratekau. Ein letztes Mal den Wagen an die Steckdose anschließen, ein letztes Mal das Fahrtenbuch ausfüllen und das Videotagebuch auf die im Innenraum verbaute Kamera sprechen. LN-Probefahrer Wolfram Henkies gibt heute die Schlüssel des E-Golfs ab, den er eine Woche lang gefahren ist. Der E-Autotest ist am Freitag zu Ende gegangen.

Nun wird der Wagen wieder nach Wolfsburg überführt. Zeit für ein persönliches Fazit. Und weil der 48-Jährige von Beruf Schulleiter ist, stellt er ein Zeugnis aus.

 

LN-Bild
LN-Bild

Jan Dresing, Volontär der LN: Er hat unseren Tester eine Woche lang begleitet. Er berichtete für Online und Print über die guten und schlechten Erfahrungen von Wolfram Henkies beim

Praxistest: beim Familienausflug, beim Einkaufen und beim Aufladen.

Wolfram Henkies, Ratekau: Der 48-jährige Schulleiter hatte Spaß beim großen E-Autotest. In der vergangenen Woche tauschte er seinen Diesel-Kombi gegen einen E-Golf ein. „Ich bin mit einem guten Gefühl Auto gefahren“, sagt er über den Elektro-Flitzer.

Der E-Golf

„Das ist ein ganz schickes Auto“, schwärmt Henkies beim Abschlussgespräch in seinem Garten. „Man sitzt bequem, alles ist gut zu erreichen, die Instrumente sind übersichtlich“, sagt er. Vor allem das Navi, das zwischen Tacho und Reichweitenanzeige eingeblendet ist, hat es ihm angetan: „So etwas hatte ich noch nie.“

An das gestengesteuerte Infotainment-System, das anfangs eher verwirrte als zu helfen, habe er sich schnell gewöhnt. „Es lässt sich gut bedienen, der Klang ist toll und das Display ist groß“, sagt er. Allein die Hochglanz-Oberfläche des Touchscreens stört ein wenig: Man sehe jeden Fingerabdruck, betont Henkies, das wirke schnell unordentlich.

Doch der Wagen ist mit Technik nahezu überfrachtet. „Vieles davon brauche ich nicht“, sagt Henkies und schenkt sich einen Kaffee nach. Dazu gehört der automatische Abstandshalter nach vorne und zur Seite, das automatische Abblenden des Fernlichts und das automatische Einparken. „Schnickschnack“ nennt es der 48-Jährige. Die Größe des Autos findet er hingegen für den Alltag ausreichend. „Wer mehr Platz möchte, muss sich eben einen Kombi kaufen.“

Insgesamt gibt er dem E-Golf, was Ausstattung und Fahrkomfort angeht, die Note 2. „Das muss man in Relation zum Preis sehen“, erklärt Henkies. „Für rund 35000 Euro kann man schon einiges erwarten.“

Alltagstauglichkeit

Sie war in der Testwoche das entscheidende Thema: die Reichweite. Der Tester findet, dass sie deutlich zu gering ist. „Ich komme auf meiner Pendlerstrecke zwar gut klar“, sagt er. Täglich fährt er zur Arbeit nach Bad Bramstedt und wieder zurück. Wenn er zu Hause ankommt, seien noch gut 40 Kilometer Restreichweite in den Akkus gespeichert. „Damit kann ich aber keine großen Sprünge mehr machen.“

Für kurze Distanzen in der Stadt sei das Auto toll, für Pendler dürfe die Strecke nicht zu lang sein, so sein Fazit.

Henkies hat sich schnell daran gewöhnt, das Auto zu Hause aufzuladen. Auch gestern steht der Golf unterm Carport neben dem Einfamilienhaus und ist an die Steckdose angeschlossen. Das neongelbe Ladekabel schlängelt sich über die grauen Pflastersteine in einen Holzschuppen. Während das Laden an den meisten Säulen noch kostenlos ist, muss der 48-Jährige zu Hause rund 30 Cent pro Kilowattstunde zahlen. „Ärgerlich“, sagt er dazu. Doch eine Ladestation ist ohnehin nicht in der Nähe. Die Infrastruktur ist zu wenig ausgebaut.

Mit der Reichweiten-Anzeige komme er hingegen überhaupt nicht klar. Für seinen Geschmack berechne sie viel zu genau, wie viel Strom momentan verbraucht werde. So schwanken die Werte hin und her, die Sorge, eventuell doch einmal liegen zu bleiben, fährt immer mit. „Ich würde mir 200 Kilometer mehr wünschen“, sagt Henkies. „Ich möchte nicht den ganzen Tag darüber nachdenken, wo ich mein Auto aufgeladen bekomme.“ Vor allem deswegen bekommt der E-Golf im Alltagstest an dieser Stelle die Note 3 – befriedigend.

Wird das nächste Auto ein E-Auto?

Wolfram Henkies muss kurz überlegen. Ob er sich nach dieser Woche vorstellen könne, seinen Diesel-Kombi gegen ein E-Auto einzutauschen. „Ja“, sagt er dann bestimmt. Dafür müssten jedoch die Rahmenbedingungen passen. „Das Umsteigen muss finanziell attraktiv sein“, sagt der vierfache Familienvater. Eine Null-Prozent-Finanzierung schwebe ihm vor; zudem seien die 4000 Euro Kaufprämie, auf die sich Industrie und Politik geeinigt hatten, nicht gerade üppig. „Vor allem muss jedoch die Reichweite verbessert, das Netz der Ladesäulen enger und die Ladezeit verkürzt werden“, betont Henkies.

„Als Zweitwagen wäre er in Ordnung“, sagt der Schulleiter. „Aber dafür ist er zu teuer.“

Und dennoch: Wolfram Henkies ist froh, den einwöchigen Test mitgemacht zu haben. „Ich denke jetzt viel mehr über meinen Energieverbrauch nach und bin mit einem guten Gefühl Auto gefahren – das ist ein Riesenvorteil“, sagt er auf der Terrasse. „Der E-Golf macht keinen Krach und verpestet nicht die Umwelt.“ Die Zusammenfassung der Ergebnisse aller Tester lesen Sie in unserer Wochenendbeilage „sonntag“ am Sonntag, 4. Juni.

 Jan Dresing

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