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Testwahl an der Schule

Lübeck Testwahl an der Schule

Etliche Schüler der Friedrich-List-Schule dürfen bei der Landtagswahl am Sonntag zum ersten Mal wählen. Ihren ersten Gang zur Urne haben die Jugendlichen aber bereits hinter sich und gaben bei der Juniorwahl in einem originalgetreu simulierten Wahlakt ihre Stimmen ab. Ein Test, bevor es Sonntag ernst wird.

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Juniorwahl an der Friedrich-List-Schule in Lübeck: Lillymor Kuke (18) steckt ihren Wahlzettel in die Urne, ihre Mitschüler aus der Logistikerklasse warten.

Quelle: Fotos: Ulf–kersten Neelsen, Olaf Malzahn

Lübeck. Landesweit beteiligten sich an der Aktion 30000 Schüler von 155 Schulen.

LN-Bild

Viele Jugendliche haben bereits ihre Kreuze gesetzt. Zuvor wurden sie dafür fit gemacht.

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Ziel ist es, Erstwähler zur Beteiligung an der Landtagswahl zu motivieren. Denn erstmals sind in diesem Jahr auch 16- und 17-Jährige wahlberechtigt – insgesamt rund 57000. Dazu kommen die älteren Erstwähler. Sie alle beschäftigen viele Fragen: Wie läuft das ab? Was müssen sie ankreuzen? Und vor allem, warum sollten sie überhaupt zum Wahllokal gehen? Damit die Friedrich-List-Schüler darauf Antworten bekommen, hat sich Lehrerin Kathrin Genrich bei „jung & wählerisch“ beworben, einem Informationsprojekt des Landesbeauftragten für politische Bildung.

Von den 17 Auszubildenden ihrer Logistikerklasse haben nur wenige Wahlerfahrung. Aber die jungen Männer und Frauen sind neugierig darauf, inwiefern sie durch ihre Kreuze die Zukunft des Landes mitgestalten können. „Wir sind nicht hier, um euch zu sagen, was ihr wählen sollt“, stellt Tim Ulrich gleich zu Beginn klar. „Aber wir sagen euch, wo ihr euch eine Meinung über die Parteien bilden könnt.“ Der 29-jährige Lübecker studiert Englisch und Wirtschaftspolitik auf Lehramt an der Uni Kiel und ist einer von drei Ehrenamtlern, die an diesem Tag in die Friedrich-List-Schule gekommen sind, um die Jungwähler fit zu machen.

„Ich habe mir schon die Parteiprogramme angeschaut“, berichtet Kevin Josteit (19) aus Travemünde. „Aber das fand ich sehr unübersichtlich.“ Alles sei so lang aufgeschrieben. Jura-Student David Schenk erzählt den Schülern, wo sie sich noch informieren könnten, etwa auf den Facebook-Seiten der Parteien. Und er ermutigt sie, die Kandidaten auch mal direkt anzusprechen – zum Beispiel, wenn sie sich eine neue Schwimmhalle wünschten. „Ihr glaubt gar nicht, wie leicht es ist, sie an die Strippe zu bekommen“, sagt der 27-Jährige. „Denn sie wollen ja von euch gewählt werden und keine schlechte Werbung.“

Anschließend notieren die Studenten an der Tafel, welche Themen in den Zuständigkeitsbereich der Landespolitik fallen – von Bildung über Infrastruktur, Umwelt und Sicherheit bis hin zu Sozial- und Familienpolitik. „Das betrifft alles unser Leben“, betont Tim Ulrich. Die Schüler nicken und beginnen, untereinander zu diskutieren. Denn die Ehrenamtler wollen wissen, welches landespolitische Thema ihnen am wichtigsten ist.

Alexander Meier aus Schwarzenbek spricht sich für eine bessere Infrastruktur aus. „Ich komme vom Dorf“, berichtet der 21-Jährige. „Wenn ich zum Feiern nach Hamburg will, muss ich hinterher ein Taxi für 60 Euro nach Hause nehmen, da nachts keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren.“ Anna Schreiber misst der Sozialpolitik die größte Bedeutung zu. „Ich habe Angst davor, alt zu werden“, sagt die 22-Jährige. „Was passiert, wenn ich dann finanziell gar nicht mehr über die Runden komme?“

90 Minuten lang wird diskutiert, danach wirken die Schüler zufrieden – und wahlmotiviert. „Ich geh’ auf jeden Fall wählen“, sagt Alexander Meier. Anna Schreiber plädiert dafür, so eine Veranstaltung in allen Schulen zu machen. Die Lübeckerin hat zwar schon einmal ihre Kreuze gesetzt, vor einigen Jahren bei Kommunalwahlen, aber jetzt sei das etwas ganz anderes. „Damals ging das Wählen noch von den Eltern aus“, sagt sie. „Dieses Mal bin ich dafür verantwortlich, mich selbst zu informieren.“

Und ihre erste eigene politische Entscheidung hat sie gestern schon getroffen: beim Ankreuzen des Wahlzettels für die Juniorwahl.

200000 Erstwähler

2,3 Millionen Schleswig-Holsteiner sind am Sonntag zum Urnengang aufgerufen, der höchste Wert bei einer Landtagswahl seit 1949. Denn erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige (etwa 57000) wählen. Insgesamt gibt es rund 200 000 Erstwähler. Die Juniorwahl ist ein Projekt zur politischen Bildung, das seit 1999 bundesweit an Schulen durchgeführt wird. Ergebnisse gibt’s Sonntag, 18 Uhr, auf www.juniorwahl.de.

 Janina Dietrich

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