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Teurer Führerschein: Es geht auch ohne Auto

Lübeck Teurer Führerschein: Es geht auch ohne Auto

Viele Jugendliche verzichten zunächst auf die Fahrlizenz. Fahrschulen in der Krise. Handys sind die neuen Statussymbole.

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Teuer und nicht mehr reizvoll: Immer weniger junge Menschen machen einen Führerschein.

Quelle: dpa

Lübeck. Bis vor wenigen Jahren war das erste eigene Auto noch ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Doch viele Jugendliche sparen sich mittlerweile den Führerschein. 2012 erhielten nur noch 211267 männliche Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren eine Fahrerlaubnis (173173 Frauen). Im Jahr zuvor waren es noch 234689, die mit spätestens 24 Jahren im Besitz eines Führerscheins waren. Wie rapide der Rückgang ist, zeigt der Fünf-Jahres-Vergleich: 2007 machten noch 371330 junge Männer einen Führerschein. 43 Prozent mehr als heute.

Kommentar: Chance nutzen

Der Rückgang hat nach Meinung von Experten dabei mehrere Gründe: Der demographische Wandel, eine veränderte Interessenlage der Jugendlichen – und zu hohe Kosten. So investieren 18-Jährige heute lieber in moderne Technik oder Markenklamotten. Ein Wandel, der für „katastrophale Zustände“ in deutschen Fahrschulen sorgt, sagt Gerhard von Bressendorf, Vorsitzender des deutschen Fahrlehrerverbandes. „Der Führerschein spielt als Statussymbol bei jungen Leuten keine große Rolle mehr“, betont er. Der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann bestätigt die Beobachtungen: „Die mobile Erreichbarkeit per Smartphone hat die Mobilität an der Spitze der Prioritätenliste von jungen Menschen abgelöst“, weiß er. Vor allem in Ballungsräumen, wo der Öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut sei, sei dieser Trend ganz deutlich spürbar.

In Schleswig-Holstein wurden 2012 insgesamt 33648 Pkw-Führerscheine ausgestellt – fünf Prozent weniger als noch im Vorjahr. In Mecklenburg-Vorpommern ging die Zahl sogar um 14 Prozent auf 12349 zurück: Bundesweit das dickste Minus. „Die Fahrschulen in den Städten leiden unter der Entwicklung am meisten. Das ist kein einfacher Job mehr“, klagt Fahrlehrerverband-Chef Bressendorf. Der Preiskampf unter den Fahrschulen habe dort bereits begonnen.

Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes Schleswig-Holstein, beziffert die durchschnittlichen Kosten für einen Führerschein im Norden auf 1500 bis 2000 Euro. Er betont, dass junge Leute heute dabei oft tiefer in die Tasche greifen müssten als früher, weil ihre Motivation zum Autofahren insgesamt gesunken sei. „Heute müssen die Fahrlehrer in der Regel komplett bei null anfangen. Früher wussten die Fahrschüler zumindest schon einmal, wofür die unterschiedlichen Pedale sind. Natürlich kommen so am Ende auch mehr Fahrstunden zusammen“, meint Walkenhorst.

„Fahrradfahren ist billiger und besser“

Kostenfaktor Führerschein: Wer gleichzeitig auch noch ein Smartphone, Tablet und eine Spielekonsole besitzen will , muss finanziell gut ausgestattet sein. Ulf Evert, Sprecher vom ADAC Schleswig-Holstein, führt den enormen Rückgang an neuen Fahranfängern so auch auf die immer weiter steigenden Kosten zurück. „Erst der Führerschein, dann die Auto- Anschaffung, Versicherungen, Steuern – die meisten jungen Menschen können sich das alles einfach nicht leisten.“

Die Auto-Branche ist sich dessen bewusst und stellt sich darauf ein, in Zukunft nicht nur Autos zu verkaufen sondern grundsätzlich „Mobilität bereitzustellen“. „Das geht von unterschiedlichen Mietkonzepten bis hin zum Verleih von Pedelecs“, erklärt Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Verbandes des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein. Auch auf dem Neuwagenmarkt ist der Negativ-Trend zu beobachten: Nur noch 6,9 Prozent der Neuwagenkäufer waren in diesem Jahr jünger als 30 Jahre.

12 Ausbildungsfahrten

35 Euro kostet im Durchschnitt eine normale Fahrstunde. Um zur praktischen Führerschein-Prüfung der Klasse B zugelassen zu werden, müssen die Fahrschüler allerdings nur 12 Ausbildungsfahrten (5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten und 3 Nachtfahrten) zu je 45 Minuten nachweisen. Durchschnittlicher Preis der Sonderfahrten: 45 Euro.

Nora Lysk und Jan Wulf

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