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Norddeutschland Therapie oder Unfall? Prozess um Massenrausch
Nachrichten Norddeutschland Therapie oder Unfall? Prozess um Massenrausch
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21:17 02.11.2017
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Handeloh

. Mit Wahnvorstellungen, Krampfanfällen, Herzrasen und Atemnot winden sich die Seminarteilnehmer am Boden. Einige sind schon bewusstlos, bis zu 29 Menschenleben sind in Gefahr. Großalarm für die Rettungskräfte, mehr als 160 Helfer eilen am 4. September 2015 ins niedersächsische Handeloh. Notärzte kämpfen auf dem Rasen des idyllischen Tagungszentrums südlich von Hamburg um das Überleben der Seminarteilnehmer, dann werden die Betroffenen in verschiedene Kliniken der Region gebracht, auch die beiden Organisatoren. Erst gehen die Behörden von einer Lebensmittelvergiftung aus. Doch schnell wird klar: Ein Drogenexperiment soll es gewesen sein, möglicherweise sogar mit Sekten-Hintergrund.

Mehr als zwei Jahre nach dem folgenschweren Massenrausch wird gegen den 52-jährigen Organisator am Landgericht Stade verhandelt, er ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Am ersten Prozesstag räumt er ein, damals Drogen eingesetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Drogenbesitz und Überlassen von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch „in nicht geringer Menge“ vor. Das Verfahren gegen die Frau des Angeklagten wurde bereits gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt, sie hatte das Seminar mitorganisiert.

„Ich bestätige, dass die Anklagevorwürfe zu Recht erhoben wurden“, heißt es in der sehr persönlichen Erklärung des Psychologen. Mehrfach gerät er ins Stocken, die Stimme versagt ihm. Er habe den 27 Teilnehmern Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E angeboten, in denen ohne sein Wissen auch die psychoaktive Substanz DragonFly enthalten gewesen sei. Er spricht von einem „Unfall“ und entschuldigt sich mehrfach bei allen Betroffenen. Es habe sich um eine „freiwillige, selbstverantwortliche Einnahme gehandelt“, sagt er. Auch LSD habe er dabei gehabt, aber nicht angeboten.

Laut Anklage sollte im Rahmen einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Das bestreitet der Angeklagte, auch wenn er die Therapieform begrüße. Dafür sei das 2C-E in der verabreichten Dosis unbrauchbar.

Für den Angeklagten geht es um viel, ihm droht nicht nur eine Haftstrafe. Er praktiziere seit den Ereignissen von Handeloh nur noch „minimalst“, sagt er. „Durch die Tat kommt auch die Verhängung eines Berufsverbotes in Betracht“, hat der Staatsanwalt zuvor gesagt. „Würden Sie das wieder machen?“, fragt der Vorsitzende Richter zum Drogeneinsatz. „Nein“, antwortet der Angeklagte.

LN

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