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Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführerdes VDMA: „Es könnte ein harter Arbeitskampf werden“

Interview Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführerdes VDMA: „Es könnte ein harter Arbeitskampf werden“

Im LN-Interview sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), was er von den Forderungen der IG Metall in den nächste Woche beginnenden Tarifverhandlungen sowie von Jamaika und Donald Trump hält. 

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Die Fertigung von Rotornaben für Hochleistungsturbinen der Generation Gamma beim Windkraftanlagenbauer Nordex in Rostock.

Quelle: dpa

LN: Herr Brodtmann, bei Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauern brummt es. Die Schlüsselbranche verzeichnet ein Auftragsplus von zehn Prozent. Dann ist die Lohnforderung von sechs Prozent mehr der IG Metall in den anstehenden Verhandlungen leicht zu erreichen, oder?

Thilo Brodtmann: Es stimmt, die Konjunktur läuft sehr ordentlich. Wir erwarten in diesem Jahr ein Produktionswachstum von drei Prozent, womit wir auf einen stattlichen Umsatz von gut 220 Milliarden Euro kommen. Auch für das Jahr 2018 sieht es gut aus.

LN : Kommt jetzt Ihr Aber?

Brodtmann: Die Voraussetzungen sind gut. Aber wir dürfen nicht die Augen vor den riesigen Herausforderungen verschließen, vor denen der Maschinenbau mit seinen mehr als einer Million Beschäftigten steht. Wie werden die Klimaziele erreicht, wie geht es mit der Mobilität weiter, wie werden durch Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschlossen? Das sind Herausforderungen und zugleich Chancen. Dafür brauchen wir die klügsten Köpfe.

LN: Die auch gut bezahlt werden müssen.

Brodtmann: Gute Leute müssen gut bezahlt werden, das stimmt. Aber wir dürfen nicht mit der Gießkanne vorgehen. Unternehmen, die auf den Weltmärkten erfolgreich sind, haben ganz andere Möglichkeiten als kleinere, die vor allem für den nationalen Markt tätig sind. Die Forderung der IG Metall von sechs Prozent mehr Lohn ist viel zu optimistisch. Viele Unternehmen wären damit völlig überfordert.

LN: Was ist Ihre Zielgröße?

Brodtmann: Es ist sinnvoll, sich an den Produktivitätsfortschritten zu orientieren, doch die stagnieren derzeit leider. Es gibt nur einen kleinen Verteilungsspielraum. Ich werde keine Zahl nennen.

LN: Die IG Metall fordert außerdem die sogenannte verkürzte Vollzeit von 28 Stunden die Woche für zwei Jahre, mit einem Rückkehrrecht in die Vollzeit.

Brodtmann: Das können wir überhaupt nicht gebrauchen! Eigentlich brauchen wir möglichst viele Menschen in den Betrieben. Wir hatten über die gute Auftragslage gesprochen. Auf der anderen Seite suchen unsere Unternehmen händeringend gute Facharbeiter und Ingenieure. Also alles, was an Arbeitskraft aus den Unternehmen abfließt, schadet uns. Wir haben im Moment sehr viele Projekte in den Betrieben, die sich damit befassen, die Digitalisierung in die Prozesse, in Produkte und in Geschäftsmodelle zu tragen. Da ist richtig Dampf im Kessel, Neues auf die Beine zu stellen. Dazu passt eine 28-Stunden-Woche ganz und gar nicht.

LN: Erwarten Sie harte Tarifauseinandersetzungen?

Brodtmann: Es könnte ein relativ harter Arbeitskampf werden, weil die Realität, die ich als Vertreter eines Industrieverbandes sehe, sehr weit von den Forderungen der Gewerkschaft entfernt ist. Es dürfte diesmal schwierig werden, die Enden zusammen zu bekommen.

LN: Auch zusammen bekommen will Angela Merkel eine Jamaika-Koalition. Stellen Sie sich auf Schwarz-Gelb-Grün ein, und was erwarten Sie von einer neuen Regierung?

Brodtmann: Ich erwarte, dass Jamaika zustande kommt. Käme es nicht zustande, wäre das ein Armutszeugnis. Neuwahlen halte ich für keine vernünftige Alternative. Die Jamaika-Partner müssen den Wählerwillen akzeptieren und sich zusammenraufen. Zugleich hoffe ich, dass eine Jamaika-Koalition die Kraft zu einer echten Steuerreform aufbringt, die die kalte Progression angeht, damit die Beschäftigten mehr Netto vom Brutto erhalten. Gerne sehen wir, dass die Verhandlungspartner die Digitalisierung in Gesellschaft, Verwaltung und Industrie voran bringen wollen. Das ist für unsere Zukunft enorm wichtig.

LN: Ist Ihnen die Rente mit 63 bei 45 Arbeitsjahren immer noch ein Dorn im Auge?

Brodtmann: Unser Blick geht in die andere Richtung: Warum nicht länger arbeiten dürfen, wenn man noch fit ist? Das Zusammenwirken von Mensch und Maschine entwickelt sich immer weiter, so dass körperlich schwere, eintönige Arbeiten zunehmend von Robotern erledigt werden können. Der Mensch kann sich zunehmend auf sein Können und Erfahrungswissen konzentrieren. Die Menschen können länger gesund an ihrem Arbeitsplatz bleiben. Und das möglichst in gemischten Teams von jungen und älteren Beschäftigten.

LN: Was muss bei der Digitalisierung passieren?

Brodtmann: Der erste Schritt ist, die eigenen Produkte zu digitalisieren. Das heißt im Maschinenbau, die Anlagen mit Sensoren aufzurüsten, damit man an Daten herankommt, also etwa Zustandsbeschreibungen erhält. Das zweite ist, dass man betriebsinterne Prozesse und auch die Zusammenarbeit mit Zulieferern soweit digitalisiert, dass die Schnittstellen passen, dass man digital miteinander kommunizieren kann. Das haben die Unternehmen sehr gut abgearbeitet. Jetzt kommt der schwierigere Schritt, dass man anhand all der Daten das geeignete Geschäftsmodell finden muss, mit dem sich die riesigen Investitionen in Produkte und Prozesse amortisieren. Da gibt es viele Ideen, wie man den Kunden etwa über einen längeren Lebenszyklus vorbeugende Wartung der Maschinen sowie Produktivitätsfortschritte liefern kann. Da laufen jetzt viele kreative Prozesse. Da muss aber auch noch viel Arbeit reingesteckt werden.

LN: Sind die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer in zehn Jahren noch Weltspitze oder beherrschen US-Datenkonzerne wie Google oder Amazon, die Branche?

Brodtmann: Wir sind Spitze, und ich bin sehr optimistisch, dass wir das bleiben. Denn: Die Amerikaner sprechen vom Internet of Things, vom Internet der Dinge. Sie haben das Internet, aber wir haben mehr: Wir beherrschen die Produkte und die Prozesse in der digitalen Welt. Damit kommen Sie weiter als wenn Sie nur die Plattform ohne Produkte haben. Da können wir mit unseren profunden Kenntnissen der Kunden und mit unserer Flexibilität viel machen.

LN: Die Geschäfte mit den USA laufen gut. Braucht es überhaupt das Freihandelsabkommen TTIP, das auch Donald Trump nicht will?

Brodtmann: Die USA sind unser wichtigstes Lieferland. Das wird es auch bleiben. Von den Ankündigungen des amerikanischen Präsidenten, etwa Einfuhrzölle zu erheben, ist bislang nichts zu sehen. Ich denke, auch in der US-Administration ist angekommen, dass es weiter freien Welthandel geben muss, dass man keine Mauer um das Land ziehen kann. Wir bleiben zudem weiter über Handelserleichterungen im Gespräch. Dabei sollten wir, anders als beim völlig überfrachteten TTIP-Abkommen, an lösbare Fragen herangehen, etwa an verbliebene Hemmnisse. Warum etwa muss in den USA ein Sicherheitskabel rot, in der EU jedoch blau sein, obwohl beide zertifiziert sind? Es geht hierbei um Fragen, die je nach Maschinenart immerhin bis zu 18 Prozent Kosten ersparen können.

Reinhard Zweigler

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