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Norddeutschland Ticketautomaten wurden mit „Polenböllern“ gesprengt
Nachrichten Norddeutschland Ticketautomaten wurden mit „Polenböllern“ gesprengt
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13:09 30.06.2016
Der Fahrkartenautomat in Wohltorf wurde zerstört. Quelle: dpa
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Lübeck

Sie hinterließen ein Bild der Verwüstung: Bei ihrem Überfall im Bahnhof von Timmendorfer Strand Ende März hatten unbekannte Täter den Fahrscheinautomaten gesprengt. Ein komplett demolierter Automat und eine verwüstete Bahnhofshalle waren die Folgen – für eine vergleichsweise geringe Beute.

 

Der Fahrkartenautomat in Wohltorf wurde zerstört. Quelle: dpa

„So ein Automat kostet mindestens 20000 Euro“, sagte ein Bahnmitarbeiter vor Ort damals den Lübecker Nachrichten.

Reisende, die am Tag nach dem Überfall vor dem geschlossenen Reisecenter standen, konnten einen seltsamen Geruch feststellen. Möglicherweise rührte dieser von den „Polenböllern“ her, die die Täter zum Aufsprengen des Automaten meist verwenden. Geldautomaten werden im Unterschied dazu überwiegend mit Gas geknackt.

Die Beute, die die Täter in der im Fahrscheinautomaten enthaltenen Geldkassette vorfinden, ist in der Regel gering. Sie steht in keinem Verhältnis zum angerichteten Schaden. Und zu der Lebensgefahr, der sowohl die Täter als auch unbeteiligte Personen durch die gefährlichen Sprengkörper möglicherweise ausgesetzt sind. Rechtlich geht es dabei um das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Eine Straftat, die laut Gesetz mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr geahndet wird.

Uwe Keller, Sprecher des Landeskriminalamtes, sah die Tat in Timmendorfer Strand schon damals im Zusammenhang mit einer Serie von zwölf weiteren in Schleswig-Holstein, bei denen ebenfalls Fahrkartenautomaten gesprengt wurden.

Dazu gehören wohl die bereits bekannten Vorfälle im Januar in Ahrensburg-Gartenholz (Kreis Stormarn), im Februar in Haslohfurth bei Norderstedt (Kreis Segeberg) und am S-Bahnhof in Wohltorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) sowie in Kupfermühle bei Bad Oldesloe (Kreis Stormarn). Dort beobachteten Zeugen einen silbernen VW Passat ohne Kennzeichen, der ohne Licht davonfuhr.

Auch in Lübeck schlugen die Täter im Februar zu, an der Haltestelle im Hochschulstadtteil. Die Front des Automaten dort war weggeflogen, das Innenleben in sämtliche Einzelteile zerlegt. Aus dem zerstörten Gerät wurde die Geldkassette gestohlen. Der Vorfall in Lübeck war an einem Sonntag gegen 6.15 Uhr per Telefon gemeldet worden. Ob das jedoch auch der Tatzeitpunkt war, blieb offen.

Im April dieses Jahres waren die Täter in Ellerau (Kreis Segeberg) am Werk. Dort wurde der Automat am Bahnhof Tanneneck gesprengt. Zeugen berichteten der Polizei, dass drei Männer in einem roten Ford Focus geflüchtet seien. Der Polizei gelang es daraufhin, den Fluchtwagen zu finden und bis nach Hamburg zu verfolgen – dort verlor sich ihre Spur aber. Die Täter flüchteten zu Fuß, die Polizisten verfolgten sie ohne Erfolg – und als sie zum Auto zurückkehrten, war auch dieses verschwunden. Nur ein – gestohlenes – Kennzeichen blieb zurück.

Gestern nun konnte die Polizei eine Bande dingfest machen, die vermutlich für all das verantwortlich ist.

M. Stöcklin

Eine Übersicht über Angriffe auf Automaten der letzten Monate und Jahre:

 

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