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Tiger-Junges „Elsa“: Vom Sorgenkind zum Videostar

Dassow Tiger-Junges „Elsa“: Vom Sorgenkind zum Videostar

Tier wuchs in Lübecker Wohnung auf – Jetzt ist es Publikumsliebling in Dassow.

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Tigermädchen „Elsa“ wird in Dassow von Pflegevater Saad Rose mit Hühnerschenkeln gefüttert.

Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa

Dassow. . Laut schmatzend nuckelt „Elsa“ die Babyflasche mit Katzenmilch leer, die ihr allabendlich als Schlummertrunk gereicht wird. Das genüssliche Schmatzen ist das einzige, was noch an das Tigerbaby erinnert, das in einem Wanderzirkus auf Rügen geboren wurde und dann im Erlebnis- und Tigerpark Dassow (Nordwestmecklenburg) eine neue Heimat fand.

„Elsa“ ist unter der Obhut ihrer Pflegemutter Monica Farell prächtig gediehen, bringt inzwischen 80 Kilogramm auf die Waage und zieht bei jedem Rundgang zur Fütterung der Raubtiere das größte Zuschauerinteresse auf sich. An diesem Sonnabend, 26. August, wird im Tigerpark vor den Toren Lübecks ihr erster Geburtstag gefeiert.

Dass sie diesen überhaupt erlebt, war alles andere als sicher. „Die Mutter hatte ihr Junges nach der Geburt nicht angenommen. Nur weil sich eine Tierarztpraxis auf Rügen um das Tigerbaby kümmerte, ist es am Leben geblieben“, berichtet Monica Farell. Die erfahrene Dompteurin betreibt seit 2002 mit Vater, Bruder und ihrem Mann Saad Rose den Erlebnispark in Dassow, in dem ein Dutzend Tiger und auch fünf Löwen leben.

Nachdem die Versuche gescheitert waren, den jungen Tiger in einem der großen Zoos unterzubringen, kam das Tier unter Vermittlung des Rügener Veterinäramtes nach Dassow. „Wir kennen uns ja aus mit Tigern und mussten nicht lange überlegen, als wir gefragt wurden“, berichtet Monica Farell, die in einer Zirkusfamilie aufwuchs, selbst mit Großkatzen in der Manege stand und heute die Raubtiere in Dassow präsentiert.

Noch vor einem halben Jahr hätten Strandbesucher östlich von Lübeck der jungen Tigerdame „Elsa“ über den Weg laufen können. Regelmäßig unternahmen die Pflegeeltern dorthin Ausflüge und ließen das Tier an der langen Leine über den Strand toben. „Wir haben jämmerlich gefroren, und ,Elsa’ wollte im tiefsten Winter am liebsten in der Ostsee baden. Sie ist halt ein echter Sibirischer Tiger“, sagt Monica Farell.

Solche Ausflüge seien für die Entwicklung und Charakterbildung des Tieres sehr wichtig gewesen, mit der Halbwüchsigen nun aber nicht mehr möglich. „Jetzt ist sie es, die mit ihrer Kraft bestimmt, wo es langgeht“, begründet Saad Rose, weshalb er nun „Elsa“ im Gehege lässt. Auch die von ihr geliebten Autofahrten und Besuche in der Lübecker Wohnung, wo der junge Tiger wegen der regelmäßigen Fütterungszeiten noch bis März untergebracht war, gebe es inzwischen nicht mehr.

Gut 250 Quadratmeter misst das neue Zuhause von „Elsa“, die sich schon lange nicht mehr allein mit der Flasche begnügt und inzwischen drei bis vier Kilo Fleisch am Tag verschlingt. Die Rückwand des Freigeheges schmückt ein riesiges Graffito. Der Blick in den Dschungel ist ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk ihres Paten, des Berliner Rappers Kontra K („Labyrinth“). Monica Farell ist voll des Lobes für den Musiker, der sich nicht nur an der Finanzierung des Geheges beteiligt habe, sondern sein „Patenkind“ regelmäßig besuche und auch zur Geburtstagsfeier in Dassow erwartet werde.

In einem YouTube-Interview wirbt der 30-Jährige um Unterstützung für das Tier: „Jeder, der helfen will, ist cool und herzlich willkommen“, sagt Kontra K, der in seinem Musik-Video „Mehr als ein Job“

im Tiger-Shirt auftritt und „Elsa“ eine Gastrolle gab. Sein Schützling sei in Dassow gut aufgehoben, ist Kontra K überzeugt. Der Tiger sei dort nicht einfach nur untergebracht, sondern werde, wie seine Artgenossen, auch täglich beschäftigt.

200 Kilo schwer

Sibirische Tiger gelten als die größten Großkatzen der Erde. Sie werden in der Regel rund 200 Kilo schwer und mehr als zwei Meter lang. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF gibt es im Fernen Osten Russlands und im angrenzenden Nordosten Chinas derzeit etwa 530 freilebende Tiere. Die wegen ihrer Verbreitung im Amur-Becken auch Amur-Tiger genannten Raubkatzen werden von der Weltnaturschutzunion IUCN in der Roten Liste der bedrohten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft.

Frank Pfaff

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