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Norddeutschland Todesschuss auf Autofahrer
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10:18 10.06.2016
Das Auto des Erschossenen ist mit Flatterband abgegrenzt, im Hintergrund sichern Polizisten den Tatort ab. Quelle: Axel Heimken/dpa
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Hamburg

Völlig verstört läuft eine ältere Frau über die Straße in Hamburg-Harburg und schreit immer wieder: „Das ist mein Sohn, das ist mein Sohn!“ Wenige Meter weiter liegt ein Toter vor der offenen Fahrertür eines Autos. Er ist mit einem weißen Tuch abgedeckt, nur der rechte Arm schaut darunter hervor. Eine Kanüle mit Infusionsschläuchen steckt noch in der Hand.

Der 43-Jährige ist Donnerstagmorgen Opfer eines kaltblütigen Verbrechens geworden. Er hat gerade seinen Wagen in der Wohnstraße geparkt, als nach Polizeiangaben ein zweites Auto neben ihm hält. Mit einer Waffe schießt ein Mann aus diesem Fahrzeug heraus auf den 43-jährigen Serben. Wie sich herausstellt: mutmaßlicher Täter und Opfer kannten sich. „Wir gehen davon aus, dass es sich im weiteren Sinne um eine Beziehungstat handelt“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Zu weiteren Details wollte er sich nicht äußern.

Dann fährt der Täter davon. Kurz darauf kämpfen Rettungssanitäter um das Leben des Opfers, doch ihre Reanimationsversuche bleiben erfolglos. Der Mann hat einen Kopfschuss erlitten, wie eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sagt.

Zur Tatzeit gegen Viertel vor acht am Morgen sind viele Menschen unterwegs. Mütter bringen ihre Kinder zur Kita, Schulkinder wollen zur nahen Sprachheilschule. Passanten werden Zeugen der Bluttat und sind geschockt. Notfallseelsorger von Feuerwehr und DRK kümmern sich um sie. Ein Kriseninterventionsteam des DRK betreut nach Angaben der Sprecherin zehn Angehörige des Opfers.

Vor den Absperrungen stehen Kinder, Erwachsene und Rentner. Auch hinter den Fenstern der vierstöckigen Häuser sind Neugierige zu sehen, ein Hausmeister guckt vom Dach einer Turnhalle. Die Polizei muss das Gebiet weiträumiger absperren, um den Tatort mit einem 3-D-Scanner und Hunden ungestört untersuchen zu können. Die Straße liegt westlich des Phoenixviertels, das als sozialer Brennpunkt gilt, die Wohngegend zählt ebenfalls nicht zu den wohlhabenden Teilen Hamburgs.

Mit mehr als 30 Streifenwagen fahndet die Polizei nach dem Täter, auch ein Hubschrauber überfliegt den Stadtteil. Wenige Kilometer vom Tatort entfernt entdecken die Beamten das mutmaßliche Fluchtfahrzeug. Unweit davon stoppen sie einen Kleinwagen und nehmen zwei Männer im Alter von 20 und 27 Jahren fest. Ob sie vor den Haftrichter kommen, war noch unklar. Insgesamt stellt die Polizei bis zu vier weitere Verdächtige.

Die Polizei steht unter Druck. Erst am vergangenen Sonntag war ein ähnlich brutales Verbrechen in Hamburg-Bergedorf verübt worden. Ein Unbekannter schoss in einem Wohnviertel mit einer Pistole auf einen Radfahrer und verletzte ihn tödlich. Inzwischen sitzt ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Spezialkräfte nahmen gestern den Ex-Schwager des Opfers fest – zum zweiten Mal. Nach der ersten Festnahme am Montag war der 33-Jährige zunächst wieder freigelassen worden.

B. Sprengel und A. Heimken

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