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Norddeutschland Todesurteil für 9000 Gänse – Sorge um Strauße und Nandus
Nachrichten Norddeutschland Todesurteil für 9000 Gänse – Sorge um Strauße und Nandus
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14:10 22.11.2016
Bereits gestern wurde ihre Tötung vorbereitet: die Gänse auf dem Geflügelhof im Kreis Dithmarschen. FOTO: CARSTEN REHDER/DPA
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Heide/Lübeck

„Die Untersuchungen laufen“, sagte gestern Nicola Kabel, Sprecherin des Kieler Umweltministeriums.

Geflügelpest breitet sich im Norden weiter aus – Nandus unter Beobachtung.

Schon gestern begannen die Vorbereitungen für die Tötung der Gänse. Der komplette Tierbestand werde getötet, um der Ausbreitung der Seuche vorzubeugen, erklärte der Dithmarscher Kreissprecher Björn Jörgensen. Die Kadaver würden anschließend in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht.

Bereits beim Nachweis niedrigpathogener Grippeviren ist die Tötung des Bestandes gesetzlich vorgeschrieben. Die Viren könnten zu einer hochpathogenen Form mutieren, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Der hochansteckende Erreger H5N8 ist auch in anderen Regionen Norddeutschlands nachgewiesen – unter anderem in Hamburg, Schleswig und Lübeck sowie in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Plön, Segeberg, und Herzogtum Lauenburg.

In den Sperrgebieten muss Geflügel in Ställen untergebracht sein und darf 21 Tage lang nicht an andere Orte gebracht werden – in Beobachtungsgebieten 15 Tage. Dazu kommen strenge Sicherheitsmaßnamen wie die Stalldesinfektion. Fremde dürfen die gesperrten Gelände nicht betreten, Hunde und Katzen in Beobachtungsgebieten nicht frei herumlaufen. Zwar erkranken sie normalerweise nicht, können das Virus aber verbreiten.

Nicht nur Gänse- und Entenhalter, auch Straußenzüchter im Norden sind betroffen. 130 Strauße leben auf einer Farm in Hohenfelde (Kreis Plön). Züchter Jan Marten in Hardebek (Kreis Segeberg) hält 50 der bewegungsfreudigen Laufvögel, die nun eingestallt sind. „Ein großes Problem“, so Sabine Marten. „Wenn die Strauße ein erschreckendes Geräusch hören und nicht sehen können, was los ist, können sie in Panik geraten und sich verletzen.“ Wer Strauß als Weihnachtsbraten schätze, werde jedoch versorgt, versichert Jan Marten. In Mecklenburg meldete Züchter Harald Pfeiffer aus Canzow (Seenplatte) seine 54 Tiere zum Schlachten an. „Strauße kann man nicht guten Gewissens einsperren.“

Gefährdet ist zudem der Bestand der Tierparks. Klaus Langfeldt vom Vogelpark Niendorf hält 1000 Vögel, darunter den von Neuguinea stammenden Kasuar – ebenfalls ein Laufvogel. Besucher können die Bewohner des Parks derzeit nur durch eine Scheibe beobachten. Langfeldt: „Für die Vögel ist es ganz schrecklich. Möglich, dass der eine oder andere eingeht.“ Nur die Störche seien weiter frei, da sie nicht im Gehege leben.

Im Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg) gibt es eine Falknerei und eine Vogelpflegestation. „Aus gegebenem Anlass“, ist im Internet zu lesen, würden derzeit keine Tiere angenommen. Nähere Informationen waren gestern trotz wiederholter Nachfrage nicht zu bekommen.

Sorge auch um die inzwischen 266 wild lebenden Nandus bei Schattin in Nordwestmecklenburg. Man beobachte den Bestand ständig, teilt das Schweriner Umweltministerium mit. Alle Nandus seien momentan wohlauf, weiß Mathias Höppke, der im Biosphärenreservat Schaalsee für das Monitoring zuständig ist. „Wir haben noch keine toten Exemplare gefunden.“ Er ist zuversichtlich, dass die robusten Tiere die Epidemie überstehen. „Bisher sind sie alle putzmunter.“

Strauße und Nandus

Strauße sind Laufvögel der afrikanischen Savannen und können 70 Stundenkilometer schnell sein. Bei der Futtersuche laufen sie bis zu 20 Kilometer weit. Als Fluchttiere entziehen sie sich Gefahrensituationen, indem sie schnell davonlaufen. Dieses oft panische Fluchtverhalten tritt auch bei Straußen auf, die in Gefangenschaft geboren wurden.

Nandus sind flugunfähige Großvögel aus Südamerika. Da ihr Fleisch weniger schmackhaft ist, werden sie selten gezüchtet.

 Marcus Stöcklin

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