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Norddeutschland Tödliche Explosion in Itzehoe: Arbeiter weist Vorwürfe zurück
Nachrichten Norddeutschland Tödliche Explosion in Itzehoe: Arbeiter weist Vorwürfe zurück
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15:34 18.11.2016
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Itzehoe

Eine fehlerhafte Karte führte im März 2014 mit zu einer verheerenden Explosion in Itzehoe: Bei der Digitalisierung des Straßenkatasters Mitte der 1970er war vergessen worden, eine kleine Gasleitung einzutragen. Gestern hat nun der Prozess gegen zwei Bauarbeiter begonnen. Zu Beginn wies der angeklagte Baggerfahrer die Vorwürfe zurück. Die Arbeiten an der Kanalisation seien vorschriftsmäßig und sorgfältig ausgeführt worden, sagte der 52-Jährige. Er muss sich gemeinsam mit seinem Vorarbeiter wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und dem fahrlässigen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor dem Amtsgericht verantworten.

 

Ein Bild der Verwüstung: Vier Menschen starben bei der Explosion, sechs Häuser waren unbewohnbar.

„Als ich den Widerstand spürte, habe ich

sofort den Vorarbeiter benachrichtigt.Der angeklagte Baggerfahrer

Der Baggerfahrer sagte, er habe 34 Jahre Berufserfahrung und die Leitung lediglich einmal mit der Baggerschaufel leicht berührt. „Als ich den Widerstand spürte, habe ich sofort den Vorarbeiter benachrichtigt.“ Ein Kollege habe dann per Hand das Rohr freigelegt. Der Prozess ist zunächst auf drei Verhandlungstage anberaumt worden. Am 10. März 2014 waren die Arbeiter bei der Erneuerung einer Regenwasserkanalisation auf ein graues Metallrohr gestoßen, das direkt zum Haus Schützenstraße Nummer 3 führte. In den Unterlagen vom Katasteramt war das Rohr nicht verzeichnet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatten damals ergeben, dass eine Panne bei der Umstellung von Papier auf EDV in den 1970er Jahren Ursache war. Bei der Digitalisierung sei die beschädigte Gasleitung vergessen worden, hieß es.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen Mitarbeiter der Stadtwerke ermittelt, weil das Gasrohr nicht in Karten verzeichnet war. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Es habe sich nicht klären lassen, wer für den Übertragungsfehler verantwortlich war, hieß es. Die Staatsanwaltschaft warf jedoch den Arbeitern vor, sie hätten bei der Entdeckung des Rohres die Baggerarbeiten stoppen und mit der Hand weiterschaufeln müssen. Stattdessen hätten sie mit der schweren Baumaschine die Gasleitung aus einer Muffe gerissen, so das Gas mehrere Minuten in den Keller des Gebäudes strömen konnte: Um 9.04 Uhr sei das Gas-Luftgemisch explodiert, sagte der Staatsanwalt. Bei dem Unglück starben ein Arbeiter und drei Hausbewohner. 15 weitere Menschen wurden verletzt, darunter der Baggerfahrer. Die Explosion machte sechs Häuser unbewohnbar. Insgesamt verloren 100 Menschen ihr Zuhause. Der Sachschaden wurde auf über 1,2 Millionen Euro geschätzt.

LN

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