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Norddeutschland Tollwut-Impfstoff nicht lieferbar
Nachrichten Norddeutschland Tollwut-Impfstoff nicht lieferbar
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06:14 07.12.2018
Der Impfstoff gegen Tollwut ist aktuell nur eingeschränkt verfügbar. Viele Praxen führen Wartelisten. Quelle: DPA
Lübeck/Kiel

Nach dem Grippe-Impfstoff ist nun auch der Tollwut-Impfstoff knapp. Tropenmediziner können nicht alle Patienten, die vor einer Fernreise stehen, direkt impfen. Manche Praxen führen bereits Wartelisten. Die Notfalldepots sind aber gefüllt, versichert die Apothekerkammer Schleswig-Holstein.

In der Praxis von Dr. Andreas Grasteit in Lübeck stehen inzwischen 20 bis 30 Namen auf der Warteliste für eine Tollwut-Impfung. Zwar seien mehrere hundert Impfdosen bestellt worden, davon sei aber nur ein Bruchteil geliefert worden. „Das höre ich aus allen Landesteilen“, sagt Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer. „Wir kriegen nur immer mal wieder 20 Impfdosen“, berichtet Mediziner Grasteit. „Das ist unbefriedigend, auch für uns als Ärzte.“ Die meisten Patienten hätten aber Verständnis.

Viele Asien-Reisen als Ursache für den Engpass?

Auch beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) war die Situation „zwischenzeitlich sehr schwierig“, berichtet Andrea Schwabe, Ärztin in der Reisemedizin des UKSH in Lübeck. „Wir haben die, die erst später reisen mussten, zeitlich nach hinten geschoben.“ Das sei keine angenehme Situation gewesen. Letztlich habe man aber fast alle Anfragen von Reisenden erfüllen können. Sie vermutet, dass der Run auf Asien Ursache für den Lieferengpass ist. „Es ist ein sehr beliebtes Reiseziel – und zugleich Hochburg der Tollwut.“

Eine Tollwut-Prophylaxe wird vor allem bei Reisen nach Indien, Südostasien und auf den afrikanischen Kontinent empfohlen. „Je weiter man in ländliche Regionen reist, desto größer ist die Gefahr“, sagt Grasteit. Tollwut wird in der Regel durch Kratzer oder Bisse von streunenden Tieren übertragen. Die Virusinfektion löst eine akute Gehirnentzündung aus, die – wenn nicht sofort geimpft wird – meist tödlich verläuft. Westeuropa gilt schon seit Jahren als tollwutfrei. Als einziger heimischer Überträger sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts, das sich mit Infektionskrankheiten beschäftigt, Fledermäuse bekannt.

Sechs Wochen vor der Reise um Impfschutz kümmern

„Man braucht zwei Impfungen mit einer Woche Abstand, damit ein minimaler Schutz besteht“, erklärt Grasteit. Für absoluten Schutz sind drei Impfungen im Zeitraum von drei bis vier Wochen erforderlich. „Und dann dauert es noch etwa zehn Tage, bis die Impfung wirkt“, ergänzt Schwabe. Sie rät daher, sich mindestens sechs Wochen vor der Reise um notwendige Impfungen zu kümmern.

Falls jemand von einem Tier gebissen wurde, das in Verdacht steht, die Tollwut zu übertragen, führt die Apothekerkammer ein Notfalldepot, auf das Ärzte und Apotheker zugreifen können.

In weiten Teilen der Welt verbreitet

Tollwut (auch Rabies, Hundswut oder Wutkrankheit genannt) ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich rund 59 000 Menschen an Tollwut. Dabei muss von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden – insbesondere in Asien und Afrika.

Deutschland gehört zu den Ländern Europas, in denen durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die Immunisierung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren ausgerottet werden konnte. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Wildtier (außer Fledermäusen) trat in Deutschland im Februar 2006 bei einem Fuchs auf. Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde.

Nach einer Auflistung des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es aktuell Lieferschwierigkeiten bei verschiedensten Impfstoffen. „Das Phänomen haben wir immer mal wieder“, sagt Thomas Friedrich vom Apothekerverband Schleswig-Holstein. Grund dafür seien die immer stärkere Globalisierung der Märkte sowie der Preis- und Kostendruck. „Das führt zu einem starken Konzentrationsprozess bei den Herstellern.“ Außerdem sei die Produktion recht aufwendig, die Hersteller könnten auf stärkere Nachfrage nicht so schnell reagieren.

Julia Paulat

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