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Norddeutschland Toter Junge aus Eutin: Mutter jetzt in Haft
Nachrichten Norddeutschland Toter Junge aus Eutin: Mutter jetzt in Haft
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09:04 17.06.2016
Nach dem Tod des kleinen Jungen hatten Nachbarn und Freunde vor dem Wohnhaus Kerzen und Blumen abgelegt. Quelle: Benthien
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Eutin/Lübeck

Die Frau sei gestern wegen Verdachts des Totschlags dem Haftrichter vorgeführt worden und noch am Nachmittag in die Lübecker Haftanstalt Lauerhof gebracht worden, berichtete Staatsanwältin Ulla Hingst. Es bestehe der dringende Verdacht, dass der kleine Junge mit seinem Schlafsack stranguliert worden sei. Nach derzeitigem Ermittlungsstand spreche alles dafür, dass die Mutter dafür verantwortlich sei. Sie bestreitet die Tat weiterhin.

Die Frau hatte damals selbst den Notarzt gerufen. Sie sprach von einem Unfall. Nach eigener Darstellung fand sie ihr Kind leblos im Schlafsack vor. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Von Anfang an bestanden erhebliche Zweifel an dieser Version. Die Polizei ordnete deshalb eine Obduktion des Leichnams an. Danach galt ein Unfall als höchst unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen.

Nach einem umfangreichen rechtsmedizinischen Gutachten, so Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, sei davon auszugehen, dass es zu der Strangulation „durch fremde Hand und nicht durch einen Unfall“ kam. Zum tatrelevanten Zeitpunkt sei die Mutter, so der Ermittlungsstand, mit dem Kind allein in der Wohnung gewesen.

Zunächst stand ebenso der 37-jährige Lebensgefährte der Frau, der aber nicht der Vater des Jungen ist, im Visier. Durch intensive Ermittlungen konnten der Tatzeitpunkt und die Frage, wer wann wo gewesen sei, aber immer weiter eingegrenzt werden. Der Mann sei aber weiterhin ein Beschuldigter, da er auch im Hause war, wenn auch nicht zur tatrelevanten Zeit.

Zu möglichen Motiven der Frau wollte die Staatsanwältin derzeit keine Angaben machen. Hinweise auf ein Mordmotiv gebe es zurzeit nicht, ergänzte sie.

Auf die Frage, warum es fast zwei Monate dauerte, bis sich der Anfangsverdacht gegen die Mutter erhärtete, verwies die Staatsanwältin auf das aufwendige Gutachtern. „Das hat erhebliche Zeit in Anspruch genommen und wir haben uns in Geduld geübt.“ Mittels der sogenannten Temperaturmethode, bei der aus der Temperatur des Leichnams und der Umgebungstemperatur Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt möglich sind, sei zunächst der Tatzeitpunkt rekonstruiert worden, schilderte Hingst. Dabei sei aber zu berücksichtigen gewesen, dass etwa Rettungssanitäter das Haus betreten hätten – mit Auswirkungen auf die Messungen.

Der leibliche Vater des getöteten Jungen zeigte sich gestern auf Anfrage der LN „erleichtert“, dass nun Klarheit in den Fall zu kommen scheine. Er habe sich anfangs nicht vorstellen können, dass die Mutter mit der Tat zu tun haben könnte. Jetzt spreche das neue rechtsmedizinische Gutachten offenbar eine andere Sprache. Er habe über seinen Anwalt Akteneinsicht gefordert und warte auf die Verhandlung. Und er hoffe auf eine Verurteilung, „die für mich akzeptabel ist“.

 pet/int

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