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Norddeutschland Totgeschüttelter Tayler: Anklage gegen Stiefvater
Nachrichten Norddeutschland Totgeschüttelter Tayler: Anklage gegen Stiefvater
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20:28 27.06.2016
Kerzen und ein Kuscheltier für den getöteten Tayler. Quelle: dpa
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Hamburg

Seinen ersten Geburtstag durfte Tayler noch erleben, einen weiteren wird es für den kleinen Jungen nicht geben. Er starb mit 13 Monaten im Dezember 2015 an schwersten Hirnverletzungen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Anklage gegen den Lebensgefährten der Mutter erhoben. Er werde des Totschlags beschuldigt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der 27 Jahre alte Mann soll den einjährigen Jungen so heftig geschüttelt haben, dass er eine Woche später im Krankenhaus starb.

„Er wird

des Totschlags beschuldigt.“ Sprecherin der

Staatsanwaltschaft

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen die 23 Jahre alte Mutter des Jungen ermittelt. Dieses Verfahren sei mit der Anklageerhebung eingestellt worden, sagte die Sprecherin. Taylers Stiefvater sitzt seit dem 21. April in Untersuchungshaft. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ist es hochwahrscheinlich, dass er am Nachmittag des 12. Dezember 2015 allein mit dem Kind in der Wohnung der Mutter im Stadtteil Altona- Nord war. Aufgrund rechtsmedizinischer Erkenntnisse konnten Ermittler den Tatzeitpunkt sehr genau eingrenzen. Das war kurz nach der Tat noch nicht möglich.

Erst aufwendige feingewebliche Untersuchungen des Leichnams in der Rechtsmedizin ließen eine Eingrenzung zu. Die Mutter sei an diesem Nachmittag zu der Zeit beim Einkaufen gewesen. Wenige Tage nach Taylers Tod war der junge Mann zu einer Urlaubsreise nach Spanien aufgebrochen. Sowohl der Lebensgefährte als auch die Mutter bestritten die Tat. Wie das Hamburger Abendblatt aus Ermittlerkreisen erfuhr, leugnet der 27-Jährige weiterhin, das Baby geschüttelt zu haben: Es habe „plötzlich Symptome“ gezeigt.

Im Fall Tayler geriet erneut auch das Jugendamt in den Fokus. Der Junge war das sechste tote Kind in Hamburg in elf Jahren, das in staatlicher Obhut war. Tayler war bereits im August 2015 mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht worden – er kam in eine Pflegefamilie. Der Verdacht auf Körperverletzung ließ sich jedoch nicht erhärten. Die Mutter habe angegeben, sie sei mit dem Baby im Arm vom Trampolin gefallen. Im Oktober wurde Tayler an sie zurückgegeben, aber weiterhin von einer Sozialpädagogin betreut. Laut Abendblatt erhebt die Jugendhilfeinspektion schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt Altona. Ob sich Jugendamtsmitarbeiter strafbar gemacht haben, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft nahm Vorermittlungen auf. „Diese dienen dazu, die im Zusammenhang mit dem Tod des Kindes erhobenen Vorwürfe rechtlich zu bewerten, sagte eine Sprecherin dem Abendblatt. Erst danach werde entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde.

LN

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