Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Tourismusorte: Wir müssen für Urlauber besser erreichbar sein
Nachrichten Norddeutschland Tourismusorte: Wir müssen für Urlauber besser erreichbar sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:39 20.05.2016
Der Tourismusverband Schleswig-Holstein fordert ein Verkehrskonzept vom Land. Quelle: Jens Burmester
Anzeige
Kiel

Baustellen auf der A1 (Hamburg–Puttgarden), auf der A 7 (Hamburg–Flensburg) sowie auf der B76 zwischen Travemünde und Timmendorfer Strand (Ostholstein) – und die Bahn ist keine echte Alternative für die Anreise: Dem schleswig-holsteinischen Tourismusverband (TVSH) platzt angesichts dieser prekären Situation der Kragen. Weitergehen könne es so nicht. Das Land müsse wegen wachsender Urlauberzahlen endlich ein touristisches Verkehrskonzept entwickeln. Touristische Belange müssten mehr als bisher in die Planung einbezogen werden, forderte Verbandschef Jörn Klimant gestern bei der Vorstellung einer Studie im Kieler Landeshaus.

Das Straßennetz müsse ausgebaut, die Bahnanbindung erheblich verbessert werden, sagte Klimant. 84 Prozent der Gäste kommen mit dem Auto nach Schleswig-Holstein. Für Klimant nicht verwunderlich: Auf der Schiene gebe es einen gewaltigen Investitionsstau, der kürzere Anreise- und Fahrtzeiten verhindere. Besonders Nord- und Ostseeküste seien nicht einfach zu erreichen. „Der Tourismus braucht schnelle Verbindungen, im besten Fall als umsteigefreie Direktverbindung, zumindest aber mit reibungslosem Umsteigen zwischen Nah- und Fernverkehr“, forderte Klimant ein größeres Engagement der Bahn. Der Landesregierung warf er Versäumnisse auf der Straße vor: Bei Verkehrszählungen würden Spitzenauslastungen durch touristischen Verkehr nicht berücksichtigt. Dabei spiele eine gute Erreichbarkeit bei der Entscheidung für ein Urlaubsziel eine ganz wichtige Rolle, sagte Klimant.

Vier Millionen mehr Anreisen von Touristen mit dem Auto und 1,7 Millionen mehr mit der Bahn – das sagen Experten Schleswig-Holstein für 2025 voraus. Das wäre jeweils etwa eine Verdopplung zum Basisjahr 2013/2014, wie eine Studie des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa ergab. Grundlage ist die Erwartung, dass die Zahl der Gäste bis 2025 auf über 30 Millionen steigt. Kiel teilt die Erwartung.

Der Tourismus sei ein immens wichtiger Wirtschaftszweig für das Land. Verkehrs- und Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) habe aber „nicht viel mehr als Ankündigungen und faule Kompromisse hinbekommen“, kritisierte Oliver Kumbartzky (FDP). Das Land brauche ein verkehrspolitisches Gesamtkonzept, das Megatrends wie Digitalisierung und Elektromobilität stärker berücksichtigt.„Der Tourismusverband macht letztendlich die Arbeit des Ministers“, kritisierte Hans-Jörn Arp (CDU).

Den vorgeschlagenen Maßnahmen stimme er grundsätzlich zu, sagte Meyer. Die Landesregierung habe kürzlich ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, dass die künftigen Mobilitätsanforderungen untersucht. Angedacht sei im Übrigen ein „fahrscheinloser Nahverkehr für Touristen“, gab Meyer bekannt. Das Modell werde zuerst an der Westküste getestet.

factbox

7,5 Milliarden Euro beträgt der touristische Bruttoumsatz pro Jahr in Schleswig-Holstein. Der Beitrag zum Volkseinkommen liegt mit 5,2 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt (4,4). Mehr als 146 000 Menschen im Norden bestreiten ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus der Tourismusbranche. Die Hotels und Pensionen in Schleswig-Holstein halten 317 000 Betten für Gäste vor. Davon entfallen 221 000 Betten auf Betriebe mit zehn Betten und mehr. Ferienhäuser und Ferienwohnungen bieten Platz für weitere 184 000 Betten. In den Jugendherbergen des Landes stehen 6500 Betten.

Von Curd Tönnemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige