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Norddeutschland Trockene Hitze – viele Insekten lieben es
Nachrichten Norddeutschland Trockene Hitze – viele Insekten lieben es
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18:10 28.07.2018
Bei Imker Dirk Köppen haben Wespen ihr Nest in einem Vogelhäuschen gebaut. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Bestimmte Arten profitieren vom heißen, trockenen Wetter“, sagt Carsten Pusch, Insekten-Experte der Naturschutzorganisation Nabu in Schleswig-Holstein. „Es ist für einige Insektenarten ein gutes Jahr.“

Nach der langen Trockenperiode tummeln sich deutlich mehr Insekten als sonst in nördlichen Breiten. Wespen und Zecken haben Hochkonjunktur. Aber auch hierzulande ansonsten seltene Arten sind derzeit häufiger anzutreffen. Das Herz mancher Insektenforscher schlägt höher.

Dies gelte auch für Arten, die dem Menschen unangenehm werden könnten, wie die Wespen. Häufiger und früher als üblich häuften sich dieses Jahr bereits die Nachfragen wegen Wespennestern, weiß der Nabu-Mann. „Anfang August geht es richtig los“, warnt die Hamburger Umweltbehörde. Nur dort, wo es problematisch sei, also etwa direkt am Fenster, empfehle sich indes eine Entfernung oder Umsiedlung des Nests. Diese solle nur in Notfällen erfolgen und laut Pusch Experten überlassen sein.

Dazu sei es ratsam, die Naturschutzbehörde oder das Ordnungsamt zu informieren, bei Hornissen ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. „Der Einsatz der Feuerwehr ist nur im Ausnahmefall angesagt“, informiert der Landesfeuerwehrverband in Kiel. „Nämlich nur dann, wenn eine ausdrückliche Gefahr für Leib und Leben oder die öffentliche Sicherheit besteht.“ Auch Mitarbeiter von Naturschutzverbänden, Schädlingsbekämpfer oder örtliche Imker wüssten, was zu tun sei.

Dirk Köppen (58) aus Lübeck-Kücknitz ist der Wespen-Experte beim örtlichen Imkerverein. „Das Beste ist, man macht einen Bogen um das Nest“, meint er. Lasse es sich nicht vermeiden, versuche er das Nest umzusiedeln, indem er es mit einem Spachtel abnehme, in eine Box stecke und dann in einen Schuppen an einem seiner Außen-Bienenstände bringe. „Es gibt über 100 verschiedene Arten“, weiß Köppen.

Aggressiv seien sie meist nicht, eine Ausnahme seien beispielsweise Erdwespen. Er selbst hat ein Wespennest in einem Vogelhäuschen in seinem Garten. „Das stört mich überhaupt nicht.“

An sich sei gegen Wespen im Garten nichts einzuwenden, findet auch Pusch. „Wespen sind die besten Gartenhelfer“, klärt er auf. Als Jäger würden sie – anders als Bienen – Spinnen, Mücken und Fliegen vertilgen, ebenso Motten und Schmetterlinge. Ein kleines Hornissenvolk frisst bis zu 750 Gramm am Tag.

Durst leiden die emsigen Summer laut Köppen trotz der Trockenheit übrigens nicht. Ihnen reicht ein wenig Morgentau. Zudem gebe es Gartenteiche und andere Wasserstellen. „Die fliegen rum, die finden schon was“, beruhigt der Imker.

Schmetterlinge scheinen nicht durchweg vom Sommerwetter zu profitieren. Selbst sehr häufige Arten wie Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge sind laut Nabu trotz an sich guter Bedingungen dieses Jahr seltener zu beobachten. Dagegen seien Schwalbenschwänze (Foto rechts), die sonst weiter südlich vorkämen, jetzt auch im Norden öfter zu sehen.

Ebenso das kolibriartige Taubenschwänzchen. „Es steht wirklich wie ein Kolibri in der Luft und saugt mit seinem Rüssel Nektar aus Blüten.“ Auch Motten wie die Gammaeule fühlten sich wohl.

Häufiger geworden sind Pusch zufolge zudem Beobachtungen der Hornissenschwebfliege, die aussehe wie eine Wespe, aber eine Fliege sei. „Da geht einem das Herz auf, wenn sie einen anbrummt.“ Trotz ihre gefährlichen Aussehens sei diese Fliege ungefährlich. „Die können nicht stechen.“

Besonders unangenehm ist dagegen die Verbreitung der Zecke. Auch sie liebe die Trockenheit, erklärt Pusch. Es sei davon auszugehen, dass sie dadurch ideale Bedingungen habe. Das Spinnentier lebe im hohen Gras und niedrigen Buschwerk. Zecken können Krankheiten wie Borreliose und Gehirnhautentzündung (FSME) übertragen. Als FSME-Risikogebiet gilt Schleswig-Holstein nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin bislang nicht. Einzelne Fälle traten aber auch schon im Norden auf, auch in Schleswig-Holstein. Insgesamt waren es seit 2002 vier Fälle, weiß Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI. „2017 gab es einen Fall im Kreis Pinneberg, 2010 einen im Kreis Herzogtum Lauenburg und einen im Kreis Segeberg, 2009 einen in Stormarn.“ Das FSME-Risiko sei insgesamt äußerst gering. Zum Schutz vor Borreliose rät sie dennoch dazu, lange Kleidung zu tragen oder ein Zeckenschutzmittel zu verwenden. „Wenn man im Garten war, sollte man die Haut absuchen.“

Käme es zu Regenfällen, befürchten einige Experten eine Mückenplage. Viele Mücken trügen ihre Eier bei sich, zur Ablage benötigten sie jedoch Feuchtigkeit. Dann dauere es bei 25 Grad Celsius etwa zwei Wochen von der Eiablage bis zur fertigen Stechmücke.

Tigermücken (kleines Foto links), die Dengue-Fieber, Gelbfieber oder den Zika-Virus übertragen können, wurden jedoch bislang nur in Süddeutschland bestätigt, sagt RKI-Sprecherin Glasmacher, infiziert hätten sie bislang niemand. „In Deutschland gab es noch keinen Fall.“

Von Marcus Stöcklin

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