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Norddeutschland Trotz Klage: Habeck lässt die Brennstäbe in Brunsbüttel
Nachrichten Norddeutschland Trotz Klage: Habeck lässt die Brennstäbe in Brunsbüttel
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21:23 18.07.2016
Umweltminister Robert Habeck (Grüne, l.) und Abteilungsleiter Jan Backmann informierten über die Brennelemente-Lagerung. Quelle: Scholz/dpa

Die Landesregierung will den Abriss des Kernkraftwerks Brunsbüttel endgültig auf den Weg bringen. Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) erlaubt Betreiber Vattenfall jetzt, die Brennstäbe aus dem Reaktor zu nehmen und vorerst in Castoren im Zwischenlager auf dem Kraftwerks-Gelände zu parken. Ausgerechnet eine Klage von Atomkraftgegnern drohte das zu verhageln.

Die Gegner hatten schon vor Jahren geklagt, weil sie das Standortzwischenlager nicht für sicher hielten. Es würde einem terroristischen Angriff oder Flugzeugabsturz nicht standhalten. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig forderte vom Bundesamt für Strahlenschutz, ihm gegenüber die Sicherheitsmaßnahmen offenzulegen. Die Berliner Experten verweigerten die Auskunft. Die Richter beschieden Land und dem Betreiber daraufhin 2013, sie hätten die Sicherheit nicht nachgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig bestätigte das im Januar 2015. Seither verfügt das Standortzwischenlager über keine atomrechtliche Genehmigung mehr. Die Atomaufsicht des Landes erteilte eine bis 2018 befristete Duldung.

Das Problem: Soll der Abriss des 2011 stillgelegten Kraftwerks beginnen, müssen erst die 517 radioaktiven Brennstäbe aus dem Reaktor entnommen werden. Das bewerten die Juristen der Atomaufsicht jetzt als „Bereitstellung“ von Brennstäben. Und die sei auf dem Kraftwerksgelände auch nach der alten, 1983 erteilten Betriebserlaubnis möglich. Binnen drei Jahren, so schätzt man in der Kieler Behörde, werde dann ohnehin das neue Genehmigungsverfahren für das Standortzwischenlager abgeschlossen sein. Die Castoren könnten dann vor Ort bleiben – so wie auch an allen anderen Kernkraftwerks- Standorten radioaktiver Abfall zwischengelagert wird –, bis in einigen Jahren irgendwo in Deutschland ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gefunden ist.

Die Bereitstellung der voraussichtlich elf Castoren erhöhe die Sicherheit eindeutig, sagt Habeck. Im Zwischenlager seien die Brennstäbe auch für den Fall eines Flugzeugabsturzes oder Angriffs mit panzerbrechenden Waffen besser geschützt als im Reaktor, müssten auch nicht mehr gekühlt werden. Deshalb fürchte man auch keine neuen Klagen von Kritikern. Innerhalb von sechs Monaten könnte der Reaktor leer und die Rückbaugenehmigung Ende 2017 erteilt sein. Man müsse eben Verantwortung übernehmen, sagte Grünen- Fraktionschefin Eka von Kalben. So müsse man nach dem Abriss auch den nicht-radioaktiven Bauschutt der Kraftwerksgebäude auf Deponien im Land einlagern, auch wenn es dagegen vor Ort Proteste gebe. Vattenfall werde mit der Beladung der Castoren so zügig wie möglich beginnen, hieß es aus der Konzernzentrale.

W. Hammer

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